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Jason Lee Haines (c) Dominik Pfeffer

„Meine Lieder sind sehr persönlich“ – JASON LEE HAINES (MAPLE & MAHOGANY) im mica-Interview

JASON LEE HAINES stammt ursprünglich aus Pennsylvania und lebt seit rund 8 Jahren in Österreich. Er ist der Songwriter, der hinter dem Duo-Projekt MAPLE & MAHOGANY steckt: eben hat die Band eine EP mit 5 Liedern veröffentlicht, schon ist ein ganzes Album in Planung. Im Gespräch mit Jürgen Plank erzählt JASON LEE HAINES, warum er seine Musik an traditionellem Folk anlehnt und warum die Debüt-Veröffentlichung seinem Vater gewidmet ist. 

Was haben Sie in den USA gemacht, bevor Sie nach Österreich gekommen sind?

Jason Lee Haines: In den USA habe ich mit Kindern gearbeitet, in verschiedenen Programmen, eines hieß „Wilderness Therapy“. Dort habe ich mit einer Reisegitarre, am Lagerfeuer mit den Kindern Musik gemacht. In den Bergen, in Colorado zum Beispiel. Lieder von Johnny Cash und Woody Guthrie, aber auch von zeitgenössischen MusikerInnen wie Iron & Wine. So bin ich auch zum Bluegrass gekommen und habe Mandoline gespielt.

Wie war der Schritt nach Österreich?

Jason Lee Haines: Als ich nach Österreich gekommen bin, habe ich nicht so viele MusikerInnen gekannt, weil ich ja ganz neu hier war. Ich habe also meistens alleine gespielt und begonnen selbst mehr Lieder zu schreiben, mit Gitarre, Mandoline, Ukulele und Banjo und ein bis zwei Mal pro Monat live gespielt. Vor kurzem habe ich am Casting für die U-Bahn-Stars teilgenommen. Ich spiele auch manchmal auf der Straße und möchte bald eine kleine Tour machen. Zurzeit mache ich alles selbst, es ist ein Do-it-yourself-Projekt.

Wie war Ihre erste Band, in der Sie jemals gespielt haben?

Jason Lee Haines: Früher habe ich mit einem guten Freund gespielt, mit dem Songwriter Max Weaver. Das war sozusagen meine erste Band. Er ist leider mit 27 Jahren verstorben und heute spiele ich immer wieder ein paar Lieder von ihm. In Kalifornien habe ich mit der Bluegrass-Band Running Late gespielt, das war eine Live-Band, wir haben keine Tonträger veröffentlicht. Meine eigene Musik mit Maple & Mahogany zu spielen, ist noch ziemlich neu für mich, das mache ich seit 2014.

„Wenn man live spielt, kann man eine eigene Art von Magie erzeugen“

Ist es für Sie wichtiger live zu spielen als Aufnahmen zu machen?

Jason Lee Haines: Wenn man live spielt, kann man eine eigene Art von Magie erzeugen. Da bewegen sich Soundwellen in der Luft, eine Ton-Aufnahme ist immer eine Momentaufnahme. Wenn man ein Stück live spielt, ist das eine ganz eigene Erfahrung. Meine Lieder sind auch nicht zu 100 Prozent festgelegt, da kann sich immer wieder der Text ein wenig ändern. Es können neue Ideen hinzugefügt werden. Ich mag es gerne, live zu spielen. Aufnahmen zu machen, ist noch relativ neu für mich.

Wie waren somit die ersten Aufnahmen für Ihre erste EP?

Jason Lee Haines: Ich habe viel beim Aufnehmen der EP gelernt. Das neue Album ist schon zur Hälfte aufgenommen, das wird mehr live eingespielt, ohne Klick im Kopfhörer. Wenn wir einen Fehler machen, beginnen wir noch mal von vorne. Bei der EP gab es doch mehr Overdubs, weil ich Ukulele, Mandoline, Gitarre; Banjo und Resonator-Gitarre gespielt habe.

Wer hat noch mitgewirkt?

Jason Lee Haines: Maria Leubolt ist meine Bandkollegin, sie spielt akustischen Bass und singt. Maple & Mahogany geht einerseits in Richtung Solo-Projekt, weil die Lieder von mir stammen, aber Maria und ich haben einen guten Draht zueinander entwickelt und bewegen uns gemeinsam zwischen den intimen Solo- und den Bandmomenten.

„Musikalisch sind die Lieder stark mit roots music, mit traditionellen amerikanischen Musikrichtungen verbunden“

Wie würden Sie jemandem, der die EP noch nicht gehört hat, die Musik von Maple & Mahogany beschreiben?

Jason Lee Haines: Nun, da ich in Österreich bin, fällt den Menschen vermutlich Bob Dylan oder Mumford & Sons ein, wenn man das Schlagwort amerikanische Folkmusik nennt. Aber für viele ist das ein relativ neuer Sound. Ich würde sagen: Meine Lieder sind sehr persönlich. Da geht es auch um Emotionen. Musikalisch sind die Lieder stark mit roots music, mit traditionellen amerikanischen Musikrichtungen verbunden. 

Inwiefern?

Jason Lee Haines: Meine Art des Gesangs verweist in Richtung Countrymusic. Ich wollte nie so klingen, aber so ist einfach meine Art zu singen.

Ist es nicht auch in den USA eher überraschend, dass ein junger Musiker wie Sie traditionelle amerikanische Folkmusik spielt? Wollten Sie keine dreiköpfige Rockband gründen, mit Bass, Gitarre und Schlagzeug?

Bild (c) Maple & Mahogany
Maple & Mahogany (c) Daniel Schmuck

Jason Lee Haines: Als ich jünger war, bin ich oft auf Punk-Rock-Konzerte gegangen und ich habe viel Indie-Rockmusik und Heavy Metal gehört, ich war damals ein großer Rockfan und habe keine akustische Musik gehört. Erst später, in meinen Zwanzigern, war ich bei einem Bluegrass-Konzert, bei dem alle Musikerinnen und Musiker um ein Mikrofon gestanden sind. Das war eine besondere Erfahrung, diesen puren, akustischen Klang in all seiner Intensität zu hören. Das sind die Wurzeln von Rock’n’Roll, wenn man sich die Musik aus den 1930er, 1940er und 1950er Jahren hört. Alte Bluesmusiker aus den 1930er Jahren haben gerockt, die Energie war schon damals da. Sie waren nur nicht verstärkt und hatten kein lautes Schlagzeug dabei. Aber auch die Akkordfolgen sind durchaus ähnlich.

Ein Lied auf der EP heißt „Whispers“, was ist die Idee dahinter? Im Lied heißt es: „I may die today, I may die tomorrow, I just wanted you to know my love“.

Jason Lee Haines: „Whispers“ ist das erste Lied, das ich nach dem Schreiben nicht weggeworfen habe. Ich habe schon viele Lieder geschrieben und mein alter Laptop ist ein Friedhof für Lieder, die ich nicht aufbewahrt habe, denn: man verfällt leicht in Klischees oder ein Lied wird zu kitschig. Irgendwann im Jahr 2009 ist mir dieses Lied einfach eingefallen. Damals habe ich mich mit dem Tod von Freunden und Familienmitgliedern auseinandergesetzt. Und rund zwei Monate nachdem ich dieses Lied geschrieben habe, ist mein Vater an einem Herzinfarkt völlig überraschend im Alter von 50 Jahren gestorben. Wir werden zu diesem Lied auch noch ein szenisches Musikvideo mit SchauspielerInnen drehen.

„Wir alle haben dieselben Emotionen und man kann sich leicht mit Themen wie Traurigkeit, Liebe, Fröhlichkeit, dem Verlust eines geliebten Menschen identifizieren“

Wie wichtig ist es für Sie mit einem Lied eine Geschichte zu erzählen?

Jason Lee Haines: Ich finde es schön mit Worten ein Bild auszugestalten, denn meine Musik ist Musik zum Zuhören und nicht zur Berieselung im Hintergrund gedacht. Wir alle haben dieselben Emotionen und man kann sich leicht mit Themen wie Traurigkeit, Liebe, Fröhlichkeit, dem Verlust eines geliebten Menschen identifizieren. Mit diesen Themen kommt man natürlich leicht in die Nähe von Klischees. Wenn man ein Bild ausgestaltet, das ein wenig abstrakter ist, wird das Ergebnis ein wenig mehr einzigartig. Generell entwickle ich musikalische Ideen schneller als die Texte.

Wenn man an klassische amerikanische Folklieder denkt, so geht es in diesen oft um soziale Themen, etwa um harte Arbeit in Bergwerken oder auf Baumwollfeldern. Schreiben Sie auch Lieder, die in dieser Tradition stehen, politisch-soziale Lieder?

Jason Lee Haines: Solche Aspekte mische ich schon in die Texte, aber die Bedeutung eines Textes kann jeder interpretieren wie er möchte. Ich werde sehen, was diesbezüglich noch aus mir herauswill. Zurzeit habe ich viele Ideen und schreibe viel, aber politische Aspekte fließen eher unbewusst ein. 

Vielleicht wird sich das wegen Präsident Trump ändern?

Jason Lee Haines: Ich würde mich nicht hinsetzen und sagen: jetzt schreibe ich ein Protestlied. Aber vielleicht, ich weiß nicht, was ich noch nicht schreiben werde. Ich lasse gerne das Unterbewusstsein sprechen. Daneben gibt es auch Lieder von mir, die sehr durchdacht sind, aber die unbewusst entstandenen Stücke haben vielleicht mehr Bedeutung. 

Welches Material haben Sie zum Video von „Letting Go of the Reins“ verwendet?

Jason Lee Haines: Ich habe dabei Ausschnitte aus drei Stummfilmen verwendet. Einer dieser drei Filme heißt „Arizona Days“, er stammt aus dem Jahr 1928. Das ist eine klassische Cowboygeschichte, die im Film erzählt wird. Ich habe diesen Film gewählt, weil es im Text zum Lied auch um Pferde geht und außerdem hat das Lied diesen galoppartigen Rhythmus. Und es geht im Lied auch darum, alleine in der Wildnis zu sein.

Welche Filme sind noch in Verwendung?

Jason Lee Haines: Der zweite Film, aus dem ich Ausschnitte verwendet habe, stammt aus Frankreich, das ist einer der ersten Science-Fiction-Filme, er heißt „A Trip To The Moon“. Das ist ein sehr wilder Film. Und es gibt einen Ausschnitt aus dem Film „The Great Train Robbery“.

Wie geht es nun weiter mit Maple & Mahogany?

Jason Lee Haines: Nun, ich bin weiterhin am Aufholen, denn bisher habe ich ja erst 5 meiner Lieder aufgenommen. Manchmal verzögern sich bei der Studioarbeit auch einzelne Schritte, die Arbeit an der EP habe ich schon im April 2014 begonnen und nun ist sie fertig geworden. Mein Ziel ist, die Lieder für das Album rascher aufzunehmen.

Wie wird das Album produziert?

Jason Lee Haines: Da arbeite ich mit Hermann Posch als Produzent zusammen. Er ist so etwas wie eine Blues-Ikone in Österreich, ich habe sein Wirken verfolgt, seit ich hier bin. Er wird auch die eine oder andere Spur beisteuern. Ich möchte die Lieder ab nun schneller an die Öffentlichkeit bringen, etwa durch mehr Mitschnitte von Live-Sessions, die ich auf Youtube stellen möchte. Es muss bei den Aufnahmen nicht immer Studio-Qualität gegeben sein. Wenn ich Musik höre, mag ich es, Live-Mitschnitte anzuhören. Da muss es sich nicht notwendig um Club-Konzerte handeln, sondern ich meine auch Radio-Sessions. Denn dabei werden professionelle Aufnahmegeräte verwendet und man hat gleichzeitig diese Live-Atmosphäre dabei.

Vielen Dank.

Jürgen Plank

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