
Von einem Musiker, der in seinem Tun sich nicht vom traditionellen Denken leiten lässt, sondern vielmehr die ganz eigene vielschichtige musikalische Vision zu verwirklichen versucht, darf so ziemlich alles erwartet werden, nur nicht das Wiederholen altbekannter Zitate. Matthias Löscher kennt keine Berührungsängste und fühlt sich in den unterschiedlichsten Kontexten wohl. Man denke nur an seine Beteiligung an der Hip-Hop Big Band S.K. Invitational oder an das gemeinsame Projekt mit der Jazzsängerin Eva Klampfer alias Lylit, mit der er das Feld des Liedermachertums kunstvoll zu bearbeiten versucht. Nicht vergessen darf man seine Formation The Ruff Pack, in welcher er sich mit seinen Kollegen Stephan Kondert und Schlagzeuger Daru Jones musikalisch dem dynamischen Zusammenführen von Jazz und Groove widmet.
An der klassischen Form des Jazz streift der Salzburger Gitarrist am ehesten noch mit seinem Trio an, wobei klassisch in seinem Fall nicht unbedingt mit traditionell gleichzusetzen ist. Matthias Löscher hat, wie auch seine beiden Kollegen Andreas Waelti und Reinhold Schmölzer, seine ganz eigene Idee davon, in welche Art Sound die Musik dieser vermeintlich alten Tage gehüllt werden sollte. Keineswegs notengetreu agierend oder sich im uninspirierten Nachspielen verlierend, belebt er mit seinen Kollegen die Nummern, am Abend im Cafe Korb sind es die seines großen Vorbildes Thelonious Monk, auf seine ganz eigene Weise neu. Das Matthias Löscher Trio verfrachtet diese mit viel, viel Spielwitz, aberwitzigen Interaktionen und noch ungewöhnlicheren stilistischen Grenzüberschreitungen kurzerhand in die klangliche Gegenwart. Eine spannende Sache. (mt)
Foto Matthias Löscher: Andreas Balon