Er ist ein Mann mit vielen Gesichter, ein musikalisches Chamäleon, welches in den unterschiedlichsten Kontexten und Umgebungen brilliert und stilistische Grenzen immer wieder neu zu definieren vermag. Es gibt wohl nicht viel, was Martin Philadelphy musikalisch nicht schon auf die Beine gestellt hat. Sein Schaffen zeigt sich von einer enormen Breite und reicht vom Jazz über anspruchsvolle Popmusik bis hin zur Elektronik und Avantgarde. Mit „Trench“ veröffentlichte der Gitarrist sein bisher vielleicht persönlichstes Album, zeigte er sich doch von seiner musikalisch zerbrechlichsten Seite. Dezent Instrumentiert und ohne allen klanglichen Ballast übte sich der gebürtige Tiroler in der edlen Zurückhaltung und punktete damit voll. Gelegenheit den Ausnahmemusiker live zu erleben, gibt es unter anderem am 29. April in der Alten Schmiede. Begleitet wird er vom Bassisten Chris Janka und dem Schlagzeuger Sixtus Preiss.
Martin Philadelphy ist schon eine Ausnahmeerscheinung. Nicht nur, dass er aufgrund seiner Vielzahl an Projekten wohl nie wirklich zu schlafen scheint, sondern offenbar ständig am Werken ist, gehört er darüber hinaus zu jener Gattung von Musikern, für die jegliche Definitionen und Kategorisierungen einfach nicht greifen. Blickt man auf das bisherige musikalische Schaffen des Tirolers, wird klar, dass es sich hier um einen Künstler handelt, der sich seine eigenen Freiräume schaffen will und für den der Begriff „Berührungsangst“ ein Fremdwort darstellt. Einen bestimmten Stil war der Gitarrist nie verhaftet. Seit er im Alter von zwanzig Jahren den Beschluss fasste, eine musikalische Karriere einzuschlagen, gab es kaum ein Genre, in welches der experimentierfreudige Musiker nicht schon hineingeschnuppert hat. Doch Philadelphy stellte schnell auch fest, dass jede Stilrichtung ihrem eigenen Regelwerk unterworfen ist. Die einzige Alternative bot sich für ihn daher alleine in der Verweigerung dieses an.
Martin Philadelphy – She`s Our Life by mica
Egal, in welchem Kontext auch immer agierend, der gebürtige Tiroler versucht in seiner Musik, Brücken zu schlagen und mit festgefahrenen Denkmustern zu brechen. Ob nun im experimentellen Jazzrock (Missing Dog Head), in der Improvisation und zeitgenössischen Musik (Badminton), im avantgardistischen Pop (Blind Idiot Gods) oder in der elektronische angehauchten Volksmusik (Elektro Farmer), der Gitarrist agiert immer außerhalb der Norm und zählt gerade deswegen zu den interessantesten Vertretern seiner Zunft.
Auf „Trensch“, seiner bislang letzten Veröffentlichung, setzt Philadelphy auf eine ungewohnt reduziert gehaltene und unaufgeregte Klangkulisse. Anstatt über spielerische Virtuosität und komplexe Strukturen definieren sich die neuen Stücke eher über stimmungsvolle, sich ständig verdichtende, fast schon bluesige Melodiebögen. Mit Gitarre, Bass und Schlagzeug dezent instrumentiert, eröffnet der Gitarrist mit seinem Spiel weite, atmosphärische und spannungsgeladene Klangräume, die vom ersten Ton an fesseln. Der Tiroler, der auf „Trensch“ auch als Sänger in Erscheinung tritt und Texte aus der Feder von Hollace Metzger und Jane Le Croy in ein musikalisches Gewand hüllt, orientiert sich, vielleicht noch mehr als in anderen Projekten und Formationen, an Songstrukturen, wiewohl diese natürlich nicht den üblichen Formaten entsprechen. Sie geben der Musik im Gesamten aber eine gewisse Ordnung, die sie für den/die HörerIn leichter zugänglich macht.
Für Liebhaber anspruchsvoller Klänge sollte ein Besuch des Konzertes dieses außergewöhnlichen Musikers daher eigentlich Pflicht sein. (mt)