Mann aus Marseille – warum Elite

Die Linzer Formation Mann aus Marseille veröffentlichte Anfang Oktober am ihr Debütalbum „warum Elite“ beim kleinen Grazer Indielabel „Pumpkin Records“.
Die Band bewegt sich auf ihrem Erstlingswerk in den musikalischen Gefilden des konstant beliebten Genres Indie-Pop bzw. Brit-Pop, mit dem einzigen Unterschied, dass sie es vorzieht, auf Deutsch zu singen. Die insgesamt zwölf Songs sind sorgfältig ausarrangiert und die Lyrics zeigen sich tiefgründig, wie auch geistreich. Ein wenig aufgelockert wird das gesamte Albumkonzept durch zwei Instrumentaltracks, die auf die Namen „Cliffhanger Part 1“ und „Part 2“ getauft wurden und mit abwechslungsreichem Songwriting ohne erkennbare repetitive Muster zu punkten wissen.

Inhaltlich geht es auf „warum Elite“ um persönliche Erlebnisse und Eindrücke, auf einen großen grundsätzlichen Kommentar zur Lage der Nation wird verzichtet. Banal sind die Texte dennoch nicht, versteht es der Sänger und Gitarrist der Band Hannes Holzweber doch vortrefflich, mit den Worten auf seine sehr eigene und kunstvolle Art umzugehen.

Das musikalische Niveau, welches die fünf Linzer mit den Eröffnungsnummern des Albums anschlagen, wissen sie durchgehend bis zum Schluss zu halten. Die beiden Titel „Chuck Norris“ und „Geister“ haben durchaus Potenzial auf Radiosendern wie FM4 gespielt zu werden, zeichnen sie sich doch durch ein hohes Maß an Eingängigkeit und Ohrwurmcharakter aus. Ähnliche Sounds kennt man vielleicht aus den 90er Jahren, wo Brit-Pop Veteranen wie Blur und Konsorten die Charts dominierten.

Mann aus Marseille schaffen es eigenständig und wiedererkennbar zu klingen. Ein besonderes Highlight und persönlicher Favorit ist „Matterhorn“, die vierte Nummer des Albums. Auf ein ausschweifendes Noise Intro folgt eine wunderbar gelungene Powerpop Nummer. Eingängiges  Klavier Riff inklusive und das alles in knackige 2:36 Minuten hinein gepackt. Mit dem Track „Scherben“ findet sich auf dem Album außerdem noch eine veritable (Alkohol-)Katerhymne.

Alles in allem hat die Linzer Combo mit „warum Elite“ einen durchaus überzeugenden Start hingelegt, einen, der die Hoffnung nährt, dass man von dieser talentierten Band auch noch in Zukunft noch so einiges Gutes zu hören bekommt.
Jakob Lindsberger