Nach dem üblichen Beginn mit Blockflöte und Gitarre hat SIMON.LOVES.MUSIC eine längere musikalische Pause eingelegt: Im Interview mit Jürgen Plank erzählt die steirische Singer-Songwriterin wieso die Corona-Zeit für sie ein Neustart in Richtung Musik war. Warum SIMON.LOVES.MUSIC inzwischen im Genre Country-Pop gelandet ist und welche musikalischen Entwicklungen in Zukunft vorstellbar sind, wird im Interview auch thematisiert. Und wir erfahren welche besondere Bedeutung die Zahl „47“ für die Sängerin hat, die ihr eigenes Label Fourtyseven Records genannt hat. Inwiefern die Serie „Nashville“, die sich mit der dortigen Musikszene beschäftigt, eine Inspirationsquelle ist, wird ebenso angesprochen wie Joni Mitchell.
Deine allererste Single „Lovin’ You“ ist im Genre Country-Music angesiedelt. Was fasziniert dich an Country-Music?
simon.loves.music: Ich finde, dass man in der Country-Music richtig gut Geschichten erzählen kann. Weil ich auf meine Texte Wert lege und darauf schaue, was ich in den Texten verpacke. Das geht mit Country-Music perfekt, ohne dass die Geschichten kitschig klingen. Und ich finde, dass diese Richtung musikalisch wunderbar unaufgeregt ist.
Was war für dich der Antrieb dieses Lied zu schreiben?
simon.loves.music: „Lovin’ You“ ist ein klassisches Liebeslied, allerdings ohne happy end. Denn am Ende des Liedes kommt das Paar nicht zusammen bzw. bleibt nicht zusammen. Es ist eine Liebesbeziehung im fast-forward-mode: es beginnt mit dem Kennenlernen, mit den Schmetterlingen im Bauch und im Laufe des Liedes ist da irgendetwas passiert und es taucht die Frage auf, wann die Liebe aufgehört hat. Das ist ein klassisches Thema, das ich auch in meiner Generation mitkriege: dass sich Paare auseinanderleben. Und dass sich Paare trennen obwohl es mal die große Liebe war. Im weitesten Sinne geht es im Lied um Veränderungen. Das Ende ist insofern offen, dass man es sich als Zuhörer:in so weiterdenken kann wie man möchte. Man kann sich auch ein happy end weiterdenken. Ich denke mir das Ende so: das ist jetzt das Ende einer Beziehung, aber jedes Ende hat auch die Chance zu einem Neuanfang, der in eine andere Richtung geht.
Hinweis: Mit dem Abspielen des Videos laden sich sämtliche Cookies von YouTube.
Welche Rückmeldungen hast du bisher zu „Lovin’ You“?
simon.loves.music: Ich habe das Lied einem kleinen Kreis von Freund:innen und meiner Familie vor der Veröffentlichung vorgespielt. Die haben gesagt, dass das Lied ein Ohrwurm ist und dass ich mich musikalisch weiterentwickelt habe.
Für viele Kulturschaffende war die Corona-Pandemie ein Einschnitt. Wie war diese Zeit für dich?
simon.loves.music: Corona war für mich der Startschussdafür, mit meiner Musik an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich habe mich im Sommer 2020 hingesetzt, als rundherum Chaos war, und mir überlegt, dass ich etwas Positives machen möchte. Ich habe beschlossen mir den Wunsch zu erfüllen, ein Lied von mir im Studio professionell aufzunehmen. Das habe ich gemacht und das war der Startschuss für mein erstes Projekt: Birgit Simon. Damals habe ich im steirischen Dialekt gesungen. Das erste Lied war ein Weihnachtslied mit dem Titel „Weihnachtszeit“. Das hat so viel Spaß gemacht, dass weitere Schritte gefolgt sind.
Du bist dann vom Dialekt-Gesang zur englischen Sprache gewechselt. Wie kam es zu diesem Schritt?
simon.loves.music: Der Wechsel war vor rund einem Jahr. Rundum sind gefühlt nur mehr Dialekt-Pop-Lieder veröffentlicht worden. Ich hatte echt das Gefühl, es gibt nichts anderes mehr als Dialekt-Pop. Das hat mich einerseits gelangweilt und ungewollterweise bin ich mit meinen Dialekt-Liedern eher in die Schlagerrichtung gesteckt worden. Das wollte ich eigentlich nicht. Aufhören wollte ich mit der Musik aber nicht, dafür macht mir das Musikmachen zu viel Spaß. Country-Music hat mich schon immer interessiert und ich habe mich dazu entschlossen in diese Richtung zu gehen.
„ICH FINDE, DASS ES ALS Ü40-MENSCH SCHWIERIG IST ZU STARTEN, EGAL OB ALS MANN ODER FRAU“
Im Pressetext wird angesprochen, dass du nicht mehr 20 oder 30 Jahre alt bist – wie sind deine Erfahrungen als Ü40-Frau in der österreichischen Musikszene?
simon.loves.music: Ich finde, dass es als Ü40-Mensch schwierig ist zu starten, egal ob als Mann oder Frau. Weil es doch eine Zeitlang braucht, bis man sich zurechtfindet, bis man seine Richtung findet, bis man sein Netzwerk hat und wirklich mal von außen wahrgenommen wird. Diese Zeit geht mir jetzt einfach ab, ich könnte also schon viel weiter sein.
Es kommt auch dazu, dass die Medien, zum Beispiel die Radios, eine gewisse Zielgruppe haben und die ist eher in jüngeren Regionen angesiedelt. Ich habe im Zusammenhang mit der Single geschaut, in welchen Radios ich vielleicht gespielt werden könnte. Man hört dann schon Sätze wie: mach’ dir keine Hoffnungen, dafür bist du zu alt. Ich bin dann so, dass ich die Information aufnehme, aber ich riskiere und probiere es trotzdem. Ich habe nichts zu verlieren, das ist mein Motto. Ich probiere es also auf jeden Fall.
Du hast vorhin gesagt, du könntest schon viel weiter sein. Wie hast du das gemeint? Wo könntest du bereits sein?
simon.loves.music: Vielleicht hätte ich schon eine Band, dadurch hat man mehr Möglichkeiten bei Festen oder Festivals zu spielen. Dadurch hätte ich auch schon mehr Erfahrung mit dem Musikbusiness.
Was hättest du dir in Bezug auf dein Musikmachen vor 10 oder 20 Jahren gewünscht?
simon.loves.music: Damals bin ich mir noch selbst im Weg gestanden. Wenn ich heute zurückschaue, denke ich mir, dass ich schon viel früher, viel mutiger hätte sein müssen. Ein Lied aufzunehmen war für mich in so weiter Ferne, den Mut dazu hatte ich nicht. Im Vergleich zu heute war es damals auch viel schwieriger, ein Netzwerk aufzubauen. Dank social media hat es sich schon vereinfacht, mit Leuten in Kontakt zu treten, die einem helfen können.
Es gibt eine Cover-Version von dir von Joni Mitchells „River“. Wieso Joni Mitchell?
simon.loves.music: Ich habe ein Video vom Newport Folk Festivalgesehen. Da ist Joni Mitchell als auch schon ältere Dame gemeinsam mit Brandi Carlile aufgetreten. Sie hat „Both Sides Now“ gesungen und ich habe Tränen in den Augen gehabt. Sie singt dieses Lied mit einer unglaublichen Ruhe und man kann sich vorstellen, wie sie all das erlebt hat. Ich finde, sie ist eine diese Ausnahmekünstler:innen. Sie hat ihr Leben lang immer die Art von Musik gemacht, die sie machen wollte. Sie hat sich nicht von Trends oder Erwartungen beeinflussen lassen und das ist für mich faszinierend. Das inspiriert mich und da möchte ich mir auch ein Stückchen abschneiden und versuchen, mich nicht von Trends ablenken zu lassen. Country-Music ist bei uns gerade kein Trend, in den U.S.A. natürlich ein großes Thema. Trotzdem mache ich diese Musik.
„MANCHE LIEDER KOMMEN EINFACH AUS MIR HERAUS UND SIND FERTIG“
Über die Inspirationen haben wir gerade gesprochen, in welchen Momenten schreibst du einen Song?
simon.loves.music: Meistens in der Früh. Ich stehe auf und setze mich zur Gitarre und klimpere und meistens fällt mir in diesen ruhigen Stunden am Morgen etwas ein. Oder ich sitze im Bus oder im Zug, schaue aus dem Fenster und versinke in Gedanken. Manchmal fällt ein Satz, den ich mir aufschreibe und ich denke mir: darüber schreibe ich ein Lied. Diese Notizen krame ich dann wieder hervor und manchmal arbeite ich an zwei oder drei Liedern gleichzeitig. Manche Lieder kommen einfach aus mir heraus und sind fertig. Vor kurzem habe ich ein Lied geschrieben, das heißt „Meet you in my dreams“, das ist innerhalb von kürzester Zeit einfach da gewesen. Das passiert auch.
Planst du also bereits ein Album?
simon.loves.music: Ein Album ist noch nicht in Planung, aber heuer veröffentliche ich auf jeden Fall noch einen neuen Song.
Was kannst du über den nächsten Song sagen?
simon.loves.music: Das Alter ist ja für mich ein Thema. Nachdem ich immer wieder höre, dass ich zu alt bin, habe ich mir gedacht, dass ich das Alter nach außen hin selbst zum Thema mache. Ich war ein forever-39-girl und voriges Jahr bin ich im Sommer im Garten gesessen und habe mir gedacht: jetzt bin ich 47 Jahre alt und das passt jetzt nicht mehr. Aber ich gehöre deswegen noch nicht zum alten Eisen. In diesem Moment habe ich beschlossen, zu meinem Alter zu stehen. Deswegen ist die Zahl „47“ für mich wichtig und ich habe ja auch mein eigenes Label Fourtyseven Records gegründet. Und der nächste Song wird „Fourtyseven“ heißen, da geht es genau um dieses Thema.

Ich vermute du gehst positiv an das Thema Alter heran.
simon.loves.music: Die Essenz ist: Ich bin zwar 47 Jahre alt, aber noch bin ich nicht gestorben. Ich formuliere auf jeden Fall positiv, weil ich ja ein positiver Mensch bin.
Durch deinen YouTube-Kanal habe ich den Eindruck gewonnen, dass Musik in jedem Moment, in jeder Phase deines Lebens präsent ist. Man sieht dich mit der Gitarre in der Natur und du singst beim Christbaum. Ist es so, dass Musik dein ständiger Begleiter ist?
simon.loves.music: Das ist definitiv so. Ich bin ja auch berufstätig und habe eine Familie. Es ist nicht immer leicht alles miteinander zu vereinbaren. Musik zu machen ist zeitlich sehr intensiv und ich bin froh, dass meine Familie und meine Freund:innen hinter mir stehen. Sonst würde das nicht gehen. In der Früh sitze ich schon bei der Gitarre, auch nach der Arbeit. Und ich höre viel Musik und mache mir auch viele Gedanken über die nächsten Aufnahmen und die nächsten Postings.
So ähnlich verhält es sich in der Serie „Nashville“, in der es um die dortige Country-Szene geht. Die Hauptfigur ist eine Sängerin, die auch ständig mit Musik beschäftigt ist und überlegt, mit wem sie etwas aufnehmen könnte, wann der nächste Auftritt sein könnte etc..
simon.loves.music: Genau, so ist es. Die Hauptfigur ist Rayna Jaymes, auch schon eine etwas ältere Dame und Sängerin, die eine Familie hat und die auch ihren Umgang mit dem Musikbusiness schaukeln muss. Da gibt es schon Parallelen und wahrscheinlich hat mich die Serie dazu inspiriert, in Richtung Country zu gehen. Ich bin da hineingekippt und habe mir eine Folge nach der anderen angesehen. Auch musikalisch ist die Serie sehr gut gemacht.
Welche Musikrichtung würde dich in Zukunft noch interessieren?
simon.loves.music: Ich möchte nicht unbedingt eine andere Richtung einschlagen. „Lovin’ you“ ist Country-Pop, aber ich könnte auch noch ein bisschen rockiger werden oder mehr Blues dazu mischen. Diese Kombinationen machen meine Musik aus, im so genannten New Country bzw. Country-Pop ist da schon viel möglich.
Herzlichen Dank für das Interview.
Jürgen Plank
++++
simon.loves.music live:
24.5.2025: Zinzengrinsen-Fest, Graz
++++
Links:
simon.loves.music (Instagram)
simon.loves.music (Facebook)
