Louie Austen – Last Man Crooning

Er gehört zu jenen Menschen, die einfach viel zu erzählen haben, von den harten Zeiten wie auch von wunderbaren, von den unzähligen Tiefschlägen und ebenso vielen erfolgreichen Comebacks. Louie Austen ist ein Phänomen im positiven Sinne. In einer Zeit in der sich das Musikbusiness schnelllebiger denn je zeigt, pflegt der 1946 in Wien geborene Sänger einen Sound, der traditioneller, und aktuellen Trends entgegengesetzter nicht sein kann. Als einer der letzten verbliebenen Vertreter der elektronischen Club-Kultur begibt sich der ehemalige Barsänger mit  seinem im Oktober erschienenen Doppelalbum „Last Man Crooning“ (LA Music) einmal auf die Spuren der Musikikonen Dean Martin und Frank Sinatra und zelebriert ganz in deren Stil das große Entertainertum.

An irgendwelchen modernen und zeitgeistigen Strömungen hat sich Louie Austen musikalisch nie orientiert. Vielmehr war es ihm immer wichtig, seinen ganz eigenen individuellen Weg zu gehen, auch wenn dieser mit nicht wenigen Widerständen verbunden war. Wenn der gebürtige Wiener so wie in „My Last Song“ also singt: „ …I don`t give a damn about money and fame..“, erkennt man sein bis heute gültiges und unumstößliches Credo. Louie Austen spielt die Rolle des Entertainers der alten Schule auf höchst authentische Art und Weise und fühlt sich in dieser sichtlich wohl. In einem maßgeschneiderten Anzug auf der Bühne stehend, mit einer Stimme singend, in der eine unglaubliche Eleganz mitschwingt, sowie einer persönlichen Ausstrahlung, die charismatischer nicht sein kann, erfüllt Louie Austen einen Typus von Künstler wieder mit Leben, der fast schon in Vergessenheit geraten ist.

Musikalisch bietet Louie Austin mit dem Doppelalbum „Last Man Crooning“ seinen Fans genau das, was diese von ihm erwarten. 12 perfekt produzierte Songs mit Ohrwurmcharakter, klassisch arrangiert, stilistisch zwischen den Polen Lounge, Disco, Funk und Soul angesiedelt, die im Clubkontext genauso funktionieren, wie zu Hause in den eigenen vier Wänden. Insgesamt wirken die Stücke ungemein relaxed, fließen einfach vor sich hin und machen einfach nur Spaß. Niveauvolles Easy Listening in Reinkultur nennt man das.

Dem gegenüber enthält der zweite Teil des Albums „Electrotaining You!“ von internationalen Electrogrößen wie Ian Pooley & Phonique, Mike Vamp & Eric D Clark, die hippen Frittenbude, Rodion, Acid Washed oder Christopher Just elektronisch überarbeitete Remixversionen der Originalsongs, die in eine deutlich  rhythmusorientiertere, tanzbarere Richtung gehen.

Vier Jahre nach der letzten Veröffentlichung „Iguana“ meldet sich Louie Austen also erneut eindrucksvoll zurück. Besonders gespannt darf man auch der Live-Umsetzung des neuen Materials entgegenblicken. Der weltgewandte Sänger weiß genau, in welchen Momenten er seinen Charme einsetzen und in Interaktion mit dem Publikum treten muss. Ebenso,  wie es einst seine Vorbilder Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis jr. es getan haben. (mt)

Louie Austen