
Dass es im Jazz um weit mehr gehen kann, als alleine um das Zitieren altbekannter Standards, genau das belegt der Trompeter fast in allen seinen Projekten. In Lorenz Raabs Vorstellung von Musik finden Grenzziehungen, welcher Natur diese auch immer sein mögen, einfach keinen Platz. Nicht einmal im Ansatz irgendwelche Berührungsängste zu den verschiedenen Spielformen zeigend, verschlägt es ihn, immer wieder an solche musikalische Orte, an denen vor allem eines regiert, und zwar eine große klangliche Vielfalt. Der bereits mehrfach ausgezeichnete Musiker liebt es, wie er sagt, “zu switchen”. Im Spannungsfeld zwischen Jazz, Elektronik, World, Pop, Volksmusik, Neuer Musik und Avantgarde agierend, extrahiert der gebürtige Oberösterreicher in bester Crossover-Manier aus jedem einzelnen Bereich die besten Momente, um diese gemeinsam in seiner seht individuellen Klangsprache aufgehen zu lassen. Wobei er stets einen innovativen Ansatz verfolgt. Mit der Akribie eines Wissenschaftlers versucht Lorenz Raab durch neue Methodiken, das klangliche Spektrum seines Spiels immer wieder um zusätzliche Facetten zu erweitern.
Besonders deutlich spiegeln sich seine Ansätze in den beiden Formationen BLEU und :xy band wider. Musikalisch in unterschiedlichen Kontexten angesiedelt, finden diese ihre Gemeinsamkeit alleine in unverwechselbaren Spielstil des Trompeters. Mit der :xy band versucht Lorenz Raab gemeinsam mit seinen Kollegen Christoph Dienz (Zither), Oliver Steger (Bass), Matthias Pichler (Bass) und Herbert Pirker (Schlagzeug), über das Experiment mit akustischen Mitteln Elektronik-Sounds verschiedenster Ausformungen zu generieren. Demgegenüber steht der Musikentwurf seines Trios BLEU, in welchem er mit Ali Angerer (Tuba, Dulcimer, Kantele) und Rainer Deixler (Schlagzeug, Percussion) die hohe Kunst des Zusammenführens des vermeintlich Gegensätzlichen betreibt. Tradition trifft auf Moderne, Jazz auf Improvisation, Weltmusik auf Avantgarde. Und das auf eine solch leichtfüßige Art, wie man es sonst nur selten zu Gehör bekommt. (mt)
Foto Lorenz Raab © Julia Stix