
Lehens mittlerweile viertes Album ist hörbar geleitet von der Ambition, musikalisch etwas wirklich Großes entstehen zu lassen. Joel Boyd (Gesang, Gitarre), Martin Konvicka (Gitarre), Matthew Prokop (Schlagzeug, Synthesizer) und Stefan Sieder (Bass), die vier Köpfe hinter der österreichisch-amerikanischen Formation, machen keinen Hehl daraus, woher sie stammen und wohin es sie treibt. Es ist der Postrock der epischen Spielart, dem sie sich verschrieben haben und den sie auch in beeindruckender Manier zur Vollendung bringen. Nichts, aber auch wirklich rein gar nichts wirkt auf „Reaching Over Ice And Waves“ irgendwie überhastet oder halbfertig, alles wirkt bis ins letzte Detail perfekt und durchdacht ausgearbeitet.
Epischer Postrock der Extraklasse
Die Nummern erklingen so, als wären bei deren Entstehen der Band Größen wie Isis, Jakob und If Trees Could Talk Pate gestanden. Vor allem zur erstgenannten Combo tun sich in Sachen Songwriting unüberhörbare Parallelen auf. 
Inhaltlich arbeitet sich die Band am Thema des permanenten Unterwegs- und auf Reisesein sowie der Suche nach einer Heimat ab. Wo ist man wirklich zu Hause? Kann sich ein Gefühl der Verbundenheit auch an fremden Orten entwickeln? Oder bleibt der Wunsch nach einem solchen ein unerfüllbarer Traum? Fragen, die sich besonders die beiden Amerikaner der Truppe, Joel Boyd und Matthew Prokop, wohl nicht selten stellen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Lehnen mit „Reaching Over Ice And Waves” ein wirklich großartiges Stück gelungen ist. Das Album fesselt, berührt und rüttelt auf. Die Nummern zeigen eine innovative Qualität, die man im Kontext des Postrock – in dem man vieles schon einmal gehört zu haben glaubt – heutzutage nicht mehr allzu oft vorfindet. Richtig, richtig stark.
Michael Ternai
Foto Lehnen © Markus Mantsch / www.markusvanderman.com