Vom 11. bis 27. September 2025 verwandelt Klangspuren Schwaz die Region Schwaz, Innsbruck und Rotholz in ein pulsierendes Laboratorium für zeitgenössische Klänge, visionäre Experimente und inspirierende Impulse. Unter dem Motto „Rewind · Play · Fast Forward“lädt das Tiroler Festival für neue Musik dazu ein, Musik als Dialog zwischen Mensch und Maschine zu erleben.
Die Themenfelder Rewind, Play und Fast Forward greifen bewusst ineinander. Viele Konzerte verbinden mehrere Bereiche und machen die Vielschichtigkeit Neuer Musik erlebbar. Schon das Eröffnungskonzert (11.09.) zeigt die Bandbreite: von historischer Mechanik über das Zusammenspiel von Mensch und Maschine bis zu experimentellen Klangräumen für die Musik der Zukunft.
- Rewind steht für die Spurensuche in der Technikgeschichte: Hier werden historische Instrumente, Mechanik und musikalische Traditionen mit zeitgenössischer Kreativität neu belebt.
- Play: Performative Interaktion, Echtzeit-Elektronik und experimentelle Spielformen stehen im Mittelpunkt. Für Christof Dienz, den Künstlerischer Leiter von Klangspuren Schwaz, ist „der spielerische, haptische Moment“ entscheidend, „es soll sich beim Spielen gut anfühlen“.
- Fast Forward: KI, DIY (Do It Yourself), immersive Klangräume und neue Partnerschaften treiben visionäre Klangforschung voran. „KI wird die Musik in Zukunft stark beeinflussen, sie hat das Potenzial, ein kreativer Partner zu sein“, so Dienz.
Neugier und Experiment
In seiner vierten Festivalausgabe setzt der Künstlerische Leiter Christof Dienz auf das unmittelbare Erleben von Musik und Technologie: KLANGSPUREN SCHWAZ positioniert sich bewusst gegen Technikängste. Technologie wird als kreative Partnerin und Impulsgeberin für künstlerische Prozesse verstanden. Neugier, spielerische Erkundung und kritisches, aber offenes Hinterfragen prägen das Programm: „Wie beeinflusst Technik die Kunst und wie beeinflusst Kunst die Technik?“ (Christof Dienz).

Ungewöhnliche und traditionsreiche Spielorte – von der Viehversteigerungshalle Rotholz über das SZentrum Schwaz, dem Dachboden der Schwazer Pfarrkirche Mariahilf und das Haus der Musik in Innsbruck bis hin zu alternativen Bühnen wie p.m.k, Theater praesent oder St. Bartlmä – werden zu Resonanzräumen für innovative Musikprojekte. Internationale und lokale Künstler:innen begegnen sich hier auf Augenhöhe, um gemeinsam neue Klangräume zu erschließen und das Publikum an ihrer künstlerischen Forschung teilhaben zu lassen. Zu hören sind unter anderem 27 Uraufführungen und sechs Österreichische Erstaufführungen.
Programm-Highlights 2025: Thematische Felder und besondere Orte
Viele Konzerte lassen sich mehreren Themenfeldern zuordnen und verkörpern so die Idee der Durchlässigkeit und Vielschichtigkeit.
Das Eröffnungskonzert (11.09.) vereint alle drei Themenfelder des Festivals: Technikgeschichte, performative Interaktion und visionäre Klangforschung. Das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck eröffnet unter der Leitung der deutschen Dirigentin Susanne Blumenthal mit Bernhard Ganders Uraufführung „fanfare fanal” für den, Trompetenbaum‘ von Jakob Scheid, gefolgt von Manuel Zwergers „Tiefenrausch“ für Bassposaune und Augmented Reality. Im weiteren Verlauf entfaltet sich mit Oxana Omelchuks neuem Werk für Theremin und Orchester sowie Francisco Alvarados „REW · PLAY · FFWD“ – einer Hommage an die Klangwelt magnetischer Bänder und Kassetten – ein Panorama, das von der Wiederentdeckung historischer Mechanik über das unmittelbare Zusammenspiel von Mensch und Maschine bis hin zu experimentellen Klangräumen reicht. So spiegelt das Eröffnungskonzert die Realität zeitgenössischer Musik wider, in der Geschichte, Gegenwart und Zukunft, Interaktion und Vision stets miteinander verwoben sind.

Rewind – Technikgeschichte & musikalische Spurensuche
Im Themenfeld Rewind werden historische Instrumente, Mechanik und musikalische Traditionen mit zeitgenössischer Kreativität neu belebt. Einen besonderen Akzent setzt dabei Lament: A Ritual of Letting Go (13.09.), in dem die britische Sopranistin Juliet Fraser im Ensemble mit Violine, Viola da gamba und Keyboard der Kraft gemeinschaftlichen Singens nachspürt – von byzantinischen Hymnen bis zu zeitgenössischen Lamenti. Diese intensive Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart führt direkt zum Jubiläumskonzert 40 Jahre Klangforum Wien (14.09.): Gemeinsam mit der australisch-schweizerischen Dirigentin Elena Schwarz und Christoph Prégardien (Tenor) Johannes Maria Staud kombiniert Franz Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ in seiner Instrumentation für 19-köpfiges Ensemble mit eigenen Vertonungen von Gedichten Emily Dickinsons. Während Schubert und sein Dichter Wilhelm Müller die Themen Natur und Liebe aus der Perspektive des 19. Jahrhunderts beleuchten, öffnet Dickinson – nur wenige Jahrzehnte später – mit ihren Texten neue Horizonte: Ihre Verse, geprägt von intellektueller Unabhängigkeit und einer klaren Stimme für weibliche Selbstbestimmung, setzen einen eigenständigen, modernen Akzent.

In der zweiten Woche des Festivals lädt die Klangwanderung (21.09.) dazu ein, die musikalische Spurensuche wortwörtlich zu erleben: Entlang der Route unter dem Kellerjoch in der Silberregion Karwendel erleben die Teilnehmer:innen, wie das Festivalthema „Mensch und Technologie“ in der alpinen Klanglandschaft hörbar wird. Der Weg führt mit dem Sessellift vom Pillberg zum Hecherhaus und weiter zu mehreren Stationen, an denen Künstler:innen wie Khadijah Pamelia Stickney mit Theremin, Jakob Scheid mit selbst gebauten Sprech-Maschinen, Christof Dienz mit dem Duo-Projekt „Bass Surface“ und Annette Fritz mit Violine solo das Zusammenspiel von natürlichen und maschinellen Klängen erfahrbar machen. Auch die jungen Musiker:innen der Kompositions- und Improvisationswerkstatt Lautstark laden dazu ein, musikalische Kreativität und Teamarbeit unter dem Motto „Unter der Lupe“ zu entdecken.

Die Klangwanderung mündet in das Abschlusskonzert mit dem Tiroler Kammerorchester InnStrumenti. Im Mittelpunkt steht dabei das Erkunden traditioneller und neuer Klangwelten im Kontext des Festivalthemas: Hannes Kerschbaumer übersetzt in „synclinal flux“ geologische Prozesse in Musik und LVideo, während Manuela Kerers „zersplittern“ und Chris Norz’ „plastic brains“ sich mit den Strukturen und Störungen des menschlichen Gehirns auseinandersetzen. Anto Sophia Manhartsberger und Bernhard Gander ergänzen das Programm mit Kompositionen, die gesellschaftliche und musikalische Fragen aufgreifen.
Play – Interaktion, Echtzeit & performative Experimente
Im Themenfeld Play steht die Interaktion im Mittelpunkt: Neue Formen der künstlerischen Kontrolle, Echtzeit-Elektronik und performative Experimente eröffnen neuartige Wege des Musikmachens. Künstler:innen und Publikum begegnen sich im Klanglabor, klassische Konzertformate werden spielerisch aufgebrochen und die Grenzen zwischen Bühne und Zuhörenden verschwimmen. Besonders deutlich wird dies im Konzert von Studio Dan (16.09.), in dem Thomas Wally mit seinem neuen Werk „Being Karl Dieter – eine Musiktheater-Performance” musikalische Analyse und Aufführung zu einem spannenden, spielerischen Format verschmelzen lässt. Unmittelbar darauf lädt das HYPER DUO (17.09.) das Publikum mit Pierre Jodlowskys „Limbus“ zu einem multimedialen Roadtrip ein, bei dem Bühne und Screen verschmelzen und kollektive Klangexperimente entstehen – eine kreative Reflexion digitaler Wirklichkeiten.

Die Erkundung neuer Ausdrucksformen wird vom Ensemble Chromoson (18.09.) weitergeführt, das in seinem Programm „syn“ die Möglichkeiten eines transdisziplinären Dialogs zwischen Musik, Kunst und Technologie auslotet – mit Werken von Fabio Machiavelli, Alexander Schubert, Katarina Gryvul, Tine Surel Lange, Kelley Sheehan, Hannes Hölzl und Hannes Kerschbaumer. Im Anschluss daran verbindet das Wiener Quartett Synesthetic4 (19.09.) Jazz, Rap, Elektronik und zeitgenössische Musik zu einem klanglichen Hybridwesen, das sich jeder stilistischen Schublade entzieht. Mit „BREAD“ präsentiert das Ensemble eine musikalische Collage, in der Groove, Spoken Word und elektronische Texturen aufeinandertreffen – ein Fest der Vielstimmigkeit und der kreativen Grenzüberschreitung.
Auch die Verbindung von Konstruktion und Sinnlichkeit steht im Fokus, wenn Quartetto Maurice & SoloVoices (20.09.) in Justė Janulytės „Nodo Infinito“ und Bernhard Langs „GAME 15 ‚Mirror Games‘“ für vier Stimmen und Streichquartett musikalische Spiegelkabinette schaffen, in denen Kanons, Spiegelungen und Stimmverflechtungen Identität und Differenz erfahrbar machen. Die Werke oszillieren zwischen strenger Konstruktion und sinnlicher Klangfülle – ein Abend, der das Ohr und den Geist gleichermaßen fordert. Den Abschluss dieses Themenfelds bildet das Duo strings&noise (25.09.), bestehend aus Sophia Goidinger-Koch (Violine) und Barbara Riccabona (Violoncello), das mit Werken von Jakob Böttcher, Anto Sophia Manhartsberger, Sonja Mutić und Emre Sihan Kaleli ein performatives Experiment zwischen Video, Objekt-Performance und neuen Spieltechniken präsentiert – hier wird das Streichinstrument selbst zum Labor und zur Bühne für klangliche wie visuelle Transformationen.

Fast Forward – Visionen, KI & immersive Klangräume
Das Themenfeld Fast Forward richtet den Blick nach vorn: KI, DIY, immersive Klangräume, Algorithmen und neue künstlerische Partnerschaften werden zum Motor für visionäre Klangforschung. Die Konzerte überschreiten die Grenzen des bisher Vorstellbaren und machen Musik zur Zeitmaschine in die Zukunft. Den Auftakt bildet das Projekt SPOMYN von Katarina Gryvul (20.09.), in dem elektronische Musik, Field Recordings und persönliche Erinnerung zu einem vielschichtigen Klangraum verschmelzen. Die ukrainische Komponistin, Produzentin und Klangkünstlerin Katarina Gryvul verbindet klassische Ausbildung mit avancierten elektronischen Klangfarben und erschafft ein immersives Live-Set aus intimen Melodien, fragilen Soundscapes und experimenteller Elektronik.

Das Ensemble Airborne Extended (24.09.) öffnet einen Klangraum, in dem historische Instrumente wie Cembalo und Paetzold-Blockflöten auf Bewegungssensoren, Live-Bilder und Elektronik treffen. Uraufführungen von Anda Kryeziu, Anna Korsun, Andrzej Kwieciński, Bernhard Gander, Manuel Zwerger und Alisa Kobzar spannen einen Bogen von der barocken Klangwelt bis in die Zukunft. Mit Transitions (26.09.) setzt Bernhard Breuer ein anarchisches Ritual der DIY-Energie um: Vier Schlagzeuger manipulieren ihre Drumsets mit selbstgebauten Effektgeräten und erzeugen einen Klangorkan zwischen Groove, Noise und kontrolliertem Chaos. Den Abschluss bildet Resonance IBK (27.09.): Hannes Strobl, Mike Daliot und Christof Dienz erschaffen mit E-Bass, Elektronik, Field Recordings und vier Posaunen eine immersive Klanglandschaft, die die Topografie Innsbrucks hörbar macht und die Industriehalle in St. Bartlmä in einen Resonanzkörper für neue akustische Horizonte verwandelt.
Education: Future Lab mit neuem Format
Die Vermittlung von Wissen, das Fördern von Talenten und die Öffnung neuer Erfahrungsräume stehen im Zentrum der Klangspuren-Philosophie und sind auch im Festival 2025 stark verankert. Das im Jahr 2022 gegründete Education-Format „Future-Lab“ basiert auf unterschiedlichen Säulen und richtet sich mit dem „Composers Lab“ und „konsTellation plus“ an hochtalentierte, internationale sowie heimische Komponist:innen und Interpret:innen, die eine berufliche Laufbahn als Musiker:innen anstreben.
- Das Composers Lab bietet Nachwuchskomponist:innen aus aller Welt die Möglichkeit, mit internationalen Mentor:innen – in diesem Jahr Justė Janulytė und Johannes Maria Staud – und Ensembles wie Studio Dan, dem Ensemble in Residence von Klangspuren Schwaz 2025, zusammen zu arbeiten. Die beim Abschlusskonzert (23.09.) präsentierten Uraufführungen der acht Teilnehmer:innen sind das Ergebnis intensiver kollektiver Arbeit, Reflexion und Experiment – ein Abend, der die Innovationskraft und den Mut der nächsten Komponist:innengeneration feiert.
- Im Konzert von konsTellation plus (12.09.) – einer weiteren Säule des Future Lab – vertont Martin Smolka den Stummfilm „Die Puppe“ von Ernst Lubitsch (1919) mit einer launigen, rasantironischen Musik. Weiters zu erleben: Daniele Ghisis „Black Rain“ und Sara Glojnarićs „Everything, always“ für
- Streichorchester und Tonband ergänzen das Programm um Perspektiven auf Erinnerung, Klang und Zeit. Das Konzert unter der Leitung von Ivana Pristašová Zaugg und Dirigent Michael Wendeberg ist eine Kooperation mit dem Tiroler Landeskonservatorium und bietet heimischen Studierenden die Möglichkeit, sich mit zeitgenössischer Musikliteratur auseinanderzusetzen sowie moderne Spieltechniken kennenzulernen.
- Mit dem Open Lab startet Klangspuren Schwaz in diesem Jahr ein neues Education-Format, das sich an unterschiedlichste Zielgruppen richtet – vom interessierten Publikum bis hin zu Kompositionstudent:innen. Während des Festivals geben Künstler:innen wie Pierre Jodlowski, Khadijah Pamelia Stickney und Hannes Strobl Einblicke in ihre künstlerische Arbeit und kreativen Prozesse. Das Programm umfasst Workshops, Masterclasses, vertiefende Einführungen und Sound Walks und bietet somit die Möglichkeit, die Welt der zeitgenössischen Musik aus nächster Nähe kennenzulernen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist dabei das Engagement für Nachhaltigkeit: Die eingeladenen Künstler:innen reisen nicht nur für ein einziges Konzert an, sondern bleiben für längere Zeit, um ihre Werke und Ideen mit dem Publikum zu teilen. So setzt das Festival ein deutliches Zeichen für umweltbewusstes Handeln und nachhaltige Kulturarbeit.
Rahmenprogramm: Klangspuren Café
Das Klangspuren Café lädt wieder an drei Abenden dazu ein, mit Künstler:innen ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und ins Programm 2025 einzutauchen. Gunter Schneider, Komponist und Interpret, moderiert die Abende. Gemeinsam mit wechselnden Gästen (u. a. Christof Dienz, Komponist Manuel Zwerger und die Theremin-Virtuosin Khadijah Pamelia Stickney) spricht er über Hintergründe, Arbeitsweisen und Ideen rund um das Festival: Wie entsteht ein neues Werk? Was bewegt Musiker:innen und Komponist:innen? Hier darf gefragt, diskutiert und auch mal widersprochen werden. Alle, die die Festivalwelt aus nächster Nähe erleben möchten, sind herzlich eingeladen.
Termine: 17.06., 05.09., 09.09.2025
Digitale Innovation: Österreichs erster Festival-KI-Chatbot
Passend zum Festivalmotto und dem Fokus auf die Zukunft der Interaktion präsentiert KLANGSPUREN SCHWAZ 2025 eine digitale Innovation: den ersten Kultur-KI-Chatbot Österreichs. Dieser auf Künstlicher Intelligenz basierende Chatbot wird als digitaler Festival-Experte auf der Webseite von Klangspuren fungieren. Er ermöglicht Besucher:innen eine intuitive und interaktive Erkundung des Programms, der Künstler:innen und der Festivalphilosophie. Von detaillierten Konzertbeschreibungen über persönliche Empfehlungen bis hin zu praktischen Informationen – der Chatbot bietet ein erweitertes Service-Erlebnis und führt das Publikum auf neue Weise durch die Klangwelten des Festivals. Die Premiere fand im Rahmen der Programm-Pressekonferenz 2025 statt – ein lebendiges Beispiel für das Festivalmotto „Fast Forward“.
Sujet 2025: Peter Kogler und die visuelle Identität von Klangspuren Schwaz
Für das Sujet des Festivals 2025 konnte erneut der international renommierte österreichische Künstler Peter Kogler gewonnen werden. Bereits in den vergangenen beiden Jahren prägte Kogler das visuelle Erscheinungsbild von Klangspuren Schwaz. Mit seiner charakteristischen Bildsprache verleiht er dem Festival auch 2025 eine unverwechselbare visuelle Identität und verbindet so Kunst und Musik zu einem starken Gesamterlebnis.
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