
Bernd Satzinger ist aus musikalischer Sicht immer für eine Überraschung gut. So richtig auf einen einzigen Stil hat sich der überaus experimentierfreudige Wiener ja noch nie festgelegen wollen. Er zählt zu jener Gattung von MusikerInnen, die mit Freude in die Rolle eines Chamäleons schlüpfen, sich vortrefflich zwischen den einzelnen Spielformen hin und her zu bewegen wissen und Dinge miteinander in Einklang zu bringen versuchen, die auf den ersten Blick nicht wirklich miteinander kompatibel erscheinen. Sein neues Projekt Parterre bildet da keine Ausnahme. Gemeinsam mit seinen Kollegen Florian Fennes (Saxophon), Manu Mayr (Bass) und Mathias Koch (Schlagzeug) erfindet sich der Mitbegründer der Jazzwerkstatt Wien einmal mehr neu.
Mit Jazz oder Improvisation haben die Stücke von Parterre nämlich nur mehr bestenfalls im Entferntesten zu tun, wiewohl natürlich das instrumentale Niveau nach wie vor auf dem allerhöchsten Level angesiedelt ist. Bernd Satzinger vollzieht in seinem neuen Projekt einen Schwenk hin zu deutlich rockorientierteren Positionen. Die zum Teil sehr riffbetonten und energetischen, gleichzeitig aber auch sehr verspielt gehaltenen Songs grooven was das Zeug hält. Vielleicht so stark wie noch nie zuvor unterwirft sich Bernd Satzinger musikalisch diesmal traditionellen Songstrukturen, obwohl natürlich die Passagen, in denen der Wiener mit seinen Kollegen dem freien Spiel frönt, nicht fehlen dürfen. Will man den Stil von Parterre in Worte fassen, liegt man der Umschreibung vielschichtiger, jazzig angehauchter Progrock mit Ecken und Kanten vermutlich nicht allzu weit daneben.
Man darf mehr als gespannt sein, wie die Live-Umsetzung des neuen Materials erklingen wird. Auf jeden Fall dürfte Bernd Satzinger mit seinem neuen Projekt nicht nur ausgewiesene Jazzliebhaber begeistern. (mt)
Bernd Satzinger (myspace)