Interview mit Chris Koubek (PMK)

Mittlerweile ist der Verein PMK in Innsbruck zu einer zentralen Anlaufstelle für allerlei Bands und Künstler geworden, die den Westen Österreichs mit ihrer Musik unsicher machen wollen. Beheimatet in den Viaduktbögen mitten in Innsbruck, ist das PMK – als Konglomerat bestehend aus circa 30 Vereinen – als gutes Beispiel künstlerischer Selbstverwaltung nicht mehr aus dem Kulturleben in Innsbruck wegzudenken. Chris Koubek, Vereinsobmann des PMK Innsbruck, im Interview. Die Fragen stellte Peter Balon.

Kannst du uns kurz etwas über die Entstehungsgeschichte des PMK Innsbruck erzählen?

Nachdem kurz nach der Jahrtausendwende mit dem Utopia eine Institution der alternativen Kulturszene in Innsbruck Konkurs anmelden musste und nicht von den Subventionsgebern aufgefangen wurde, verloren viele freie Kulturschaffende einen wichtigen Ort für ihre Aktivitäten. Aus dieser Raumproblematik heraus formierte sich in der freien Szene die Plattform Mobile Kulturinitiativen kurz p.m.k, um gemeinsam in Verhandlungen mit der Politik zu treten mit dem Ziel, die nun “freien” Subventionen des Utopia der freien Kulturszene zu erhalten und neue Räumlichkeiten zu finden. In zahlreichen Plena entwickelten die beteiligten Vereine und Personen das Konzept für einen neuen, zentrumsnahen Veranstaltungsort für rund 300 Personen mit Büro und geeigneter Infrastruktur.

Der Verein p.m.k ist ein Zusammenschluss verschiedener Innsbrucker Vereine der freien Szene mit dem Ziel, einen gemeinsamen Veranstaltungsort zu erhalten und zu bespielen. Der Verein fungiert dabei als “Regiegemeinschaft”. Zweck der p.m.k ist der Erhalt und der Betrieb der Räumlichkeiten als gemeinsamer Ort in den Viaduktbögen und die Betreuung und Weiterentwicklung einer allen Mitgliedern zur Verfügung stehenden Büro-, Service- und technischen Infrastruktur. Darüber hinaus übernimmt das Team der p.m.k auch administrative Aufgaben, etwa die behördliche Anmeldung von Veranstaltungen, Subventionsanträge, Öffentlichkeitsarbeit und die Getränke-Einkäufe für den Barbetrieb.

Das Bespielen des Ortes übernehmen die ca. 30 Mitgliedsvereine eigenverantwortlich: d.h. Programm und Acts, zusätzlich benötigte Ausstattung, Barbetrieb, Gästebetreuung werden von den jeweiligen Vereinen selbst organisiert, wobei die p.m.k sie mit Checklisten für die Planung und Abwicklung von Veranstaltungen unterstützt. Das Recht zur Nutzung des Ortes erhalten die Vereine durch die Mitgliedschaft sowie eine pro Veranstaltung zu bezahlende Pauschale. Die Einnahmen aus der Veranstaltung (Eintritt, Barbetrieb) gehen zur Gänze an den veranstaltenden Verein.

Auf diese Art entsteht in der p.m.k ein überaus vielfältiges Programm aus Konzerten, Workshops, Filmabenden, Diskussionsrunden und Partys mit unterschiedlicher inhaltlicher und stilistischer Ausrichtung:
(Text aus Geschichten über Organisationen | KollWi Institut –  siehe dazu auch: pmk.or.at/struktur)

Wie viele Mitarbeiter habt ihr und aus welcher Rechtsform besteht das PMK?

Angestellt sind 2 Leute zu je 25 Stunden pro Woche. Dazu ein geringfügig angestellter Mitarbeiter. Das PMK ist ein Verein.

Wird die  p.m.k durch Förderungen unterstützt? Wenn ja, inwieweit würde sich der Wegfall von Förderungen auf eure Bookingpolitik auswirken?

Die p.m.k wird von der Stadt Innsbruck, dem Land Tirol und dem BM:UUK finanziell unterstützt. Würde auch nur einer dieser Fördergeber wegfallen wäre der Betrieb der p.m.k mit dem aktuellen Konzept und den gebotenen Inhalten nicht mehr möglich.

Welche musikalischen Schwerpunkte habt ihr?

Durch die spezielle Struktur der p.m.k mit über 30 Mitgliedsvereinen die das Programm der p.m.k gestalten ist dieses sehr stark ausdifferenziert, stilistisch vielfältig und qualitativ hochwertig.  Vertreten ist fast das gesamte popkulturelle Spektrum. Neben allen härteren Rock Genres (Punrock/ Garage/ Noiserock/ Doom/ Drone/ Sludge /Post-Rock/ Metal u.a.) auch Hip-Hop, diverse Technospielarten, Drum `n`Bass, aber auch experimentellere Musikformen, Singer-Songwriter und diverse Acts aus dem weiten Feld der Alternativen Musikproduktion.

Welche Kriterien muss eine (österreichische) Band erfüllen, um bei euch spielen zu können?

Es geht um Qualität, Originalität und Intensität. Das ist bei allen Bookings das wichtigste. Kommerzielle Verwertbarkeit ist zum Glück kein Kriterium für ein Konzert in der p.m.k.

Wie sehen die Deals mit den Künstlern aus?

Bei uns bekommt jede Band eine Gage, wobei die Höhe dieser natürlich sehr unterschiedlich ist, und das zumindest in Europa übliche wie Übernachtung, Catering und gratis Getränke. Also beste Betreuung.

Besteht heute ein größeres Risiko eine unbekannte Band zu buchen, als früher?

Eine unbekannte Band allein wird fast immer zu wenig sein um einen für alle beteiligten befriedigenden Konzertabend zu realisieren. Das war früher nicht anders als heute. Wobei „früher“ also so vor 15 bis 20 Jahren das Interesse an Neuem vielleicht insgesamt noch größer war als heute. Das Angebot an Konzerten, auch in kleineren Städten wie Innsbruck ist in den letzten zehn Jahren enorm gestiegen in manchen Wochen fast schon inflationär. Da ist es logisch, dass nicht alle Konzerte ausverkauft sind.

Bemerkst du in den letzten Jahren einen Anstieg bei Bookinganfragen, Stichwort: Umsatzrückgang bei Tonträgerverkäufen, Konzentration auf den Livemarkt?

Die Anfragen von MusikerInnen, Bands und Agenturen haben mit dem Bekanntheitsgrad der p.m.k zugenommen und sind seit Jahren eigentlich konstant hoch. Da kommen schon so an die 20-30 Anfragen pro Tag herein. Dass Bands live spielen wollen hat glaub ich auch nicht unbedingt mit einem Rückgang bei Tonträgerverkäufen zu tun. Es gibt glaub ich kaum MusikerInnen und Bands die bei uns spielen, denen dieser jemals auch nur einen Teil ihrer Lebenskosten bezahlt hätte.

Wie hast du die Entwicklung der österreichischen Musiklandschaft in den letzten paar Jahren wahrgenommen? Gibt es heutzutage mehr österreichische Bands, die eine gewisse Reichweite haben und dir die p.m.k gefüllt haben oder hat sich da nicht viel verändert?

Die Qualität und auch die Anzahl an für uns interessanten österreichischen Bands ist in den letzten Jahren schon um einiges gestiegen, und auch deren mediale Präsenz hat stark zugenommen, was natürlich auch Clubs und Veranstaltern zugutekommt.

Wie siehst du das Publikumsthema? Sind die Leute heutzutage bereit, mehr für ein Konzert auszugeben? Wie hat sich das Publikum in den letzten Jahren verändert?

Leider nein. Die Eintrittspreise sind durchschnittlich kaum gestiegen und vor allem bei unbekannteren Bands und MusikerInnen verhandeln die Leute am Eintritt schon bei Preisen von € 5.-. Höhere Eintrittspreise gehen aktuell nur bei sehr gehypten Bands oder alten Szenestars.

Wie nützt ihr als Veranstaltungslocation die Möglichkeit zur digitalen Vernetzung? Seid ihr hier sehr aktiv und bemerkt ihr eventuell einen Publikumszuwachs?

Wir nützen natürlich die Medien der Zeit wie Facebook, Last.fm, früher auch mal MySpace und ein Newsletter geht natürlich auch jede Woche raus. Facebook ist, was die Promotion und auch die Kommunikation mit dem Publikum betrifft, sicher im Moment das wichtigste Tool, was aber auch nicht ewig so bleiben wird. Aber aktuell profitieren wir schon sehr davon, da unser Publikum sehr affin gegenüber Facebook & Co ist und die Dynamik dieser Medien schon enorm ist.

 

Link:
Plattform mobile Kulturinitiative