„Im besten Fall klingen dann nicht Violoncello und Akkordeon, sondern das Duo Klangtreff.” – MARLENE FÖRSTEL und MICHAEL SCHWARZENBACHER (DUO KLANGTREFF) im mica-Interview

Das 2024 gegründete Duo Klangtreff, bestehend aus Michael Schwarzenbacher (Akkordeon) und Marlene Förstel (Violoncello), hat es sich zum Ziel gesetzt, “neue Klangerlebnisse zu schaffen und durch feinsinnige Interpretation, Spielfreude und spürbare Vertrautheit stimmungsvolle Konzertabende zu gestalten.” Da das Repertoire für diese reizvolle, aber ungewöhnliche Besetzung (noch) nicht allzu groß ist, enthält das Programm des Duos zahlreiche ebenso ausgefallene wie ausgefeilte Arrangements, mit denen die zwei Virtuosen – beide haben bereits internationale Preise auf ihrem Instrument eingeheimst – das Publikum zu überraschen und zu berühren verstehen. Über die Probenarbeit, anstehende Konzerte und CD-Projekte spricht Klangtreff mit mica.

Seit wann gibt es euch als Duo?

Michael: Wir machen nun seit etwas mehr als einem Jahr gemeinsam Musik. Unser erstes Konzert hatten wir im Dezember 2024 im Tullner Atrium als Teil der Konzertreihe „musik:erleben“ der Musikfabrik NÖ. Die Idee zusammenzuarbeiten und gleichzeitig unser erstes Kennenlernen (wenn auch nur digital) war im Sommer davor.

Wie ist der Entschluss, ein Duo zu gründen, zustande gekommen? Cello und Akkordeon ist ja keine vollkommen alltägliche Kombination.

Marlene: Nur wenige Tage vor unserem ersten gemeinsamen Konzert haben wir uns zum ersten Mal zum Proben getroffen – und waren beide überrascht, wie vertraut sich alles anfühlte. Es war, als würden wir schon seit Jahren gemeinsam Kammermusik machen und uns war deshalb schnell klar, dass es nicht bei diesem einen Konzert bleiben würde. Direkt im Anschluss haben wir begonnen, weitere Auftrittsmöglichkeiten zu organisieren und unser Duo bewusst aufzubauen.
Cello und Akkordeon ist tatsächlich keine alltägliche Kombination – aber gerade das reizt uns sehr. Klanglich ergänzen sich die Instrumente auf besondere Weise: Sie können sich wunderbar mischen, verschmelzen, aber auch kontrastieren. Wir können in kleinen wie großen Locations, indoor wie outdoor spielen, und auch stilistisch sind wir sehr breit aufgestellt.

Wie macht ihr das mit der räumlichen Distanz – ihr seid ja an mehreren verschiedenen Orten tätig?

Michael: Wir sehen das als Chance. Durch unsere vielen Wirkungsstätten entwickeln wir uns nicht nur individuell, sondern haben auch die Möglichkeit vielseitige Netzwerke zu knüpfen, die wir idealerweise auch für unser Duo nützen können. Zudem haben wir es etabliert, uns sehr regelmäßig in Online-Meetings über unsere nächsten Vorhaben, Ziele und musikalischen Gedanken auszutauschen. Natürlich würden wir gerne öfter in den Genuss einer gemeinsamen Probe kommen (das ist wohl nicht kompensierbar), aber umso mehr freuen wir uns dann, wenn wir uns wieder sehen, und sich die tiefe Vertrautheit beim gemeinsamen Musizieren einstellt.

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„Die Vielseitigkeit unserer Instrumente kommt uns sehr zugute.“

Die Vielseitigkeit des Akkordeons ist offensichtlich, aber auch das Cello lässt sich sowohl als Bass- als auch als Melodieinstrument einsetzen, ja sogar Akkorde sind möglich…

Michael: Die Vielseitigkeit unserer Instrumente kommt uns sehr zugute. Manches wird in unserer Konstellation vielleicht besonders hervorgehoben, wodurch die beiden Instrumente nochmal neu erlebt werden können. Auch in der Programmauswahl sind wir sehr flexibel, da beide Instrumente sowohl Begleit- als auch Soloinstrument sein können. In unserer gemeinsamen Arbeit versuchen wir die Seele unserer Instrumente zu einem Klangkörper zu verschmelzen. Im besten Fall klingen dann nicht Violoncello und Akkordeon, sondern das Duo Klangtreff.

Wie läuft die Entscheidung für ein bestimmtes Arrangement ab? Diskutiert ihr über mögliche Stücke?

Marlene: Unser Repertoire entsteht meistens durch gemeinsames Brainstorming. Für unser aktuelles Konzertprogramm „Syncopair“, mit dem wir in der kommenden Saison unterwegs sein werden, haben wir beispielsweise einen klaren konzeptionellen Rahmen gesetzt: rhythmisch spannende Werke sollten mit lyrischen, ruhigen Stücken kontrastieren.
Ein großes Anliegen ist uns außerdem Repertoire abseits des Kanons zu präsentieren und Neues hörbar zu machen. Ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl ist die emotionale Dramaturgie des gesamten Konzertabends. Uns ist wichtig, dass das Publikum fließende Übergänge erlebt und nicht von abrupten Stimmungswechseln überrumpelt wird. Sobald wir eine Auswahl getroffen haben, setzen wir uns an die Instrumente, probieren aus, hören genau hin – und passen die Werke gegebenenfalls an unsere Besetzung an.

Gibt es interne “Diskussionen” darüber, wer die schönste Melodie bekommt, oder entscheiden in der Regel musikalische Überlegungen?

Michael: In unserer Probenarbeit steht immer das musikalische Ergebnis im Vordergrund, darüber wird dann auch mal diskutiert und experimentiert. Meistens merken wir dann sehr klar, was unserer gemeinsamen musikalischen Sprache entspricht und wie wir die Musik an das Publikum weitergeben möchten.
Oft sind unsere musikalischen und klanglichen Vorstellungen so ähnlich, dass wir gar nichts besprechen müssen. Das meiste funktioniert über einander zuhören, spüren und reagieren. Das macht für uns die besondere Magie des Duos aus.

„In dieser Phase der Konzeption gibt es kein vorschnelles ‚Nein‘.“

Ihr baut in eure Darbietung auch performative Elemente ein. Beim Konzert (im Kongresscenter Villach, Anm.) seid ihr durch den Zuschauerraum aufgetreten, auch Gesang war dabei. Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht, gibt es Vorbilder? Macht es euch Spaß, das Publikum zu überraschen?

Marlene: Mnozil Brass, Faltenradio oder BartolomeyBittmann gehören zu unseren Vorbildern. Besonders inspirieren uns Ensembles, die ein ganzheitliches Konzerterlebnis schaffen – Abende, aus denen das Publikum erfüllt, bereichert und vielleicht auch mit einem Lächeln hinausgeht. Wenn wir unsere Konzerte gestalten, möchten wir das Publikum überraschen – genauso wie wir selbst immer Freude daran haben, spontan zu sein: Musikalisch, durch Moderation oder in unerwarteten Momenten auf der Bühne. Dadurch bleibt jedes Konzert für uns und für das Publikum ein einzigartiges Erlebnis.

Bild des Duos Klangtreff
Duo Klangtreff © Maja Bjeljac

Unsere Erfahrung zeigt, dass interdisziplinäre Elemente wie choreografische Momente, Gesangseinlagen oder die Integration von Texten und Gedichten eine große Bandbreite an Menschen erreichen. Die Rückmeldungen bestätigen uns, dass diese Form der Gestaltung unsere Konzerte persönlicher macht und emotional berührt.
Der Prozess der Konzertkonzeption ist für uns ein kreativer, welchem wir uns ebenso zeitintensiv widmen. Im Probenraum geben wir allen Ideen Platz – auch jenen, die im ersten Moment vielleicht unsinnig wirken. Wir bewegen uns im Raum, testen klangliche Möglichkeiten und geben uns gegenseitig völlige Offenheit. In dieser Phase gibt es kein vorschnelles ‚Nein‘. Erst wenn ein Pool an Ideen entstanden ist, beginnen wir zu strukturieren und auszuwählen.

Man geht da ja auch ein gewisses Risiko ein. Was hat euch selbst bisher am meisten überrascht?

Marlene: Das stimmt, deshalb ging unserem ersten konzipierten Konzert ein langer Prozess voraus. Bei unserer Teilnahme am Jeunesses Musicales International Chamber Music Campus im vergangenen Herbst in Weikersheim konnten wir uns kreativ völlig frei entfalten und haben bis spät in die Nacht unsere Instrumente neu entdeckt – von überraschenden Percussion-Sounds am Akkordeon bis hin zu neuer räumlicher Beweglichkeit im Cellospiel.
Teil dieses kreativen Prozesses ist es, unsere Probenarbeit per Video aufzunehmen, um später zu überprüfen, ob eine Idee wirklich trägt. Anschließend holen wir uns Feedback von Freund:innen und Kolleg:innen ein und feilen immer weiter daran. Erst nachdem wir überzeugt sind, bringen wir das Ergebnis auf die Bühne und sind umso gespannter wie das Publikum darauf reagiert. Eine Sicherheit für das Funktionieren gibt es dabei wohl nicht, aber wir finden es das Risiko auf jeden Fall wert.

Eines euer sehr gelungenen Arrangements ist die „Suite italienne“, ein nicht so bekanntes Werk aus der neoklassischen Periode von Strawinsky. Wie seid ihr darauf gekommen, wer hatte dazu die Idee?

Michael: In unserem Debütprogramm „Getanzt“ haben wir bereits den „Tango“ von Igor Strawinsky gespielt. Da das sehr gut funktioniert hat, haben wir uns auf die Suche nach einem umfänglicheren Werk von Strawinsky gemacht und sind dabei auf die „Suite Italienne“ gestoßen. Das hat dann genau gepasst. Einerseits ist das Werk technisch und kammermusikalisch sehr herausfordernd, zugleich bietet es aber sehr viel Raum um uns als Duo zu entfalten. Strawinsky bediente sich dabei Tänzen der italienischen Suite und erweiterte diese mit seiner Klangvorstellung. Daraus ergeben sich teils überspitze barocke Bezüge und bewusste Brüche. Diese Merkmale lassen sich in unserer Besetzung hervorragend ausreizen. Die Suite gibt uns Platz für Spontanität und macht unglaublich Spaß im Konzert zu spielen.

„Wir halten unsere Augen und Ohren immer offen für neue Impulse.“

Spielt ihr auch Stücke zeitgenössischer Komponisten bzw. welche Art von Musik würde euch da zusagen?

Michael: Ja und wir wollen dahingehend in naher Zukunft auch noch weitere Impulse setzen. Momentan sind wir, unter anderem, in Kontakt mit Anna Cazurra, einer katalanischen Komponistin. Schon in vorangegangenen Konzerten hatten wir einen Schwerpunkt auf verschiedene Lieder von Schubert, Schumann und de Falla gelegt. Nun wollen wir diesen um zeitgenössische Lieder erweitern und sind dabei auf den Zyklus „Tensho“von Cazurra gestoßen. Daraus adaptieren wir aktuell Teile für unser Duo und werden auch ein Werk daraus uraufführen.
Prinzipiell halten wir aber unsere Augen und Ohren immer offen für neue Impulse, da diese Arbeit sehr wichtig für uns ist. Es gibt noch vergleichsweise wenig Musik für Akkordeon und Cello. Durch die Schaffung neuer Werke wird diese Besetzung auch in Zukunft etabliert und ihren Platz in der Historie bekommen.

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Von welchem Komponisten würdet ihr gerne ein Stück geschrieben bekommen, wenn ihr es euch aussuchen könntet?

Michael: Jagoda Szmytka, eine polnische Komponistin. Sie hat gerade ihr zweites Werk für Akkordeon-Solo fertiggestellt, welches mir gewidmet ist und ebenso für Cello hat sie bereits einige Werke geschrieben. Ich denke durch ihre unverkennbare, eigene Tonsprache und teils originellen Zugänge zur Musik würde sie unser Repertoire bereichern und gleichzeitig ein tolles Werk für die Bühne schaffen.

Marlene: Mich inspirieren besonders Kompositionen von Cellist:innen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sie oft besonders schöne Seiten des Instruments zum Vorschein bringen – vielleicht, weil sie die technischen und klanglichen Möglichkeiten aus der Innenperspektive kennen. Wenn ich frei wählen dürfte, würde ich mir also ein Werk von Matthias Bartolomey oder Stephan Braun wünschen. Beide schreiben auf ihre ganz eigene Art beeindruckende und berührende Musik. Für unser Duo wäre es spannend, die häufig von ihnen verwendeten erweiterten Cello-Spieltechniken, mit dem Akkordeon in den Dialog zu bringen.

Was kommt dieses Jahr an Konzerten auf euch zu? Was sind die Highlights?

Marlene: Wir dürfen uns in diesem Jahr auf viele besondere Konzerte freuen. Im Sommer sind wir Teil des Rheingau Musik Festivals, was für uns eine große Ehre ist. Gemeinsam mit dem renommierten Vogler Quartett gestalten wir Konzertabende bei den Internationalen Kammermusiktagen Homburg sowie den Kammerkonzerten Neubrandenburg. Darüber hinaus werden wir mehrere Konzerte im Rahmen der Jeunesse an verschiedenen Leitstellen Österreichs spielen und weitere spannende Konzerte sind gerade in Planung.

Findet man euch im Netz?

Michael: Seit ein paar Wochen ist unsere eigene Website online!! – www.duoklangtreff.com.
Darüber freuen wir uns sehr, weil das ein wichtiger Schritt für uns war um sichtbarer zu werden und alle Informationen gebündelt an einem frei zugänglichen Ort zur Verfügung zu stellen.
Natürlich sind wir auch auf Social-Media (Instagram, Facebook) aktiv. Da bieten wir eher Einblicke in unsere gemeinsame Arbeit und halten ebenso über neueste Aktivitäten, Kooperationen und Konzerte am Laufenden.

Habt ihr vor, euer Programm auf einem Tonträger zu veröffentlichen?

Marlene: Ja – das ist ein großes Projekt, an dem wir gerade intensiv arbeiten. Wir befinden uns aktuell in einer kreativen Konzeptionsphase und überlegen, wie wir unsere künstlerische Handschrift auch ohne die visuelle Komponente eines Live-Konzerts erlebbar machen können. Uns ist wichtig, dass ein Album einen stimmigen Querschnitt unseres Repertoires bietet und die Kernaussage unseres Duos transportiert.
Wir möchten Innovation und Tradition miteinander verbinden und zeigen, wie facettenreich und harmonisch Cello und Akkordeon zusammenwirken können. Neben der künstlerischen Planung beschäftigen wir uns gerade auch mit der organisatorischen Seite – von Sponsoring über Label-Fragen bis hin zur Produktion. Wir freuen uns sehr auf diesen Prozess und werden unsere Community auf unseren Social-Media-Kanälen regelmäßig mit Updates mitnehmen.

Wir danken herzlich für das interessante Gespräch!

Philipp Tröstl

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Links:
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