„IM BESTEN FALL FÜHLT ES SICH FÜR JEDE EINZELNE PERSON INTIM AN” – MARIA BURGER (OSKA) IM MICA-INTERVIEW

OSKA heißt eigentlich MARIA BURGER – und auf “Refined Believer” (VÖ: 20. Juni) zeigt sie, wie man sich neu zusammensetzt, wenn der Glaube an alles mal kurz weg war –  Emotionaler Reset inklusive. Zwischen Waldviertel-Rückzug, London-Luft und Tarotkarten-Magie singt OSKA über Glaubenskrisen, Bühnenmut und das große Vielleicht nach dem Fall. Im Interview mit Ania Gleich erzählt sie, warum vier Uhr früh der perfekte Moment für einen Songdurchbruch ist, was sie gerne ihrer 18-jährigen Version zurufen würde und wie es war, innerhalb von zwei Monaten erst vor zwei Leuten, dann vor 4.000, und später vor 30.000 zu spielen. Spoiler: Alle drei Varianten waren schön. Refined, real  und ein bisschen verliebt ins Leben. 

Du kommst gerade vom Primavera. Bist du noch erfüllt, beflügelt?

Oska: Ja, genau das. Genau diese zwei Wörter. Außerdem bin ich inspiriert und voll.

Was hast du für dich selbst als Musikerin mitnehmen können?

Oska: Ich habe ein bisschen darüber nachgedacht, wie das überhaupt ist: Ich kann das ja nicht ausschalten, dass ich Musikerin bin. Obwohl ich es so gerne manchmal können würde. Selbst bei Konzerten, wo ich einfach nur Fan bin – zum Beispiel bei Angel Olsen – habe ich trotzdem immer mit diesem „Musikerinnen-Ohr“ zugehört. Vielleicht konnte ich es kurz ausblenden, aber gerade in den letzten Jahren analysiere ich alles extrem. Ich frage mich ständig: Wie macht diese Person das? Wie mache ich das? Außerdem glaube ich, dass ich gerade in einer Phase bin, in der ich nicht ganz weiß, wie es für mich weitergeht. Mein zweites Album ist für mich abgeschlossen – es erscheint zwar jetzt erst, aber für mich ist es schon länger fertig. Ich arbeite schon an der nächsten Sache, was auch immer das wird, aber ich weiß noch nicht genau, wie das aussehen soll. Deswegen habe ich gerade viele Fragen in mir. Dann sehe ich Acts und denke mir: Wow, das wäre auch cool. Etwa auf der Cupra-Stage: Da hat z.B. Christian Lee Hutson gespielt. Ich saß da und dachte: Dort würde ich gern spielen. Wie schaffe ich es, dass da so eine Atmosphäre entsteht, wie da drinnen?

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Deiner Erfahrung nach ist das doch gar nicht so weit weg, oder?

Oska: Voll! Und es war echt cool, sich auf einmal so ein neues Ziel zu setzen. Das stand vorher gar nicht auf meiner Agenda. Plötzlich dachte ich: Ich will mal ein größeres Festival spielen. Ich glaube, ich war da früher nicht mutig genug oder habe es mir gar nicht zugetraut. Diesmal war es das erste Mal, dass ich dachte: Okay, es ist noch ein Weg, aber ich glaube, ich könnte das schaffen.

Du rennst ja ohnehin in großen Schritten. Immerhin bist du ja schon wieder am nächsten Album dran?

Oska: Absolut. Es war schon vor dem zweiten Album so, dass ich einiges ändern wollte – vor allem den Prozess. Ich wollte, dass es schneller geht. Beim ersten Album haben wir ewig gearbeitet, was auch cool war, weil ich so viel gelernt habe. Aber es war auch sehr safe, keiner hat darauf gewartet, wir konnten alles nochmal re-recorden. Trotzdem hat mir das ein bisschen Freude genommen. Ich liebe es, Momente festzuhalten – auch wenn nicht alles perfekt ist. Beim zweiten Album wollte ich mutiger sein, und das war ich auch. Wir haben viel ausprobiert. Es ist insgesamt ruhiger geworden als das erste, was auch mit meiner damaligen Stimmung zu tun hatte. Ich finde, ich bin da ein Stück mehr aus mir rausgekommen, aber da geht noch mehr. “Refined Believer” ist trotzdem immer noch sehr gitarrenlastig. Und Gitarre ist zwar mein Instrument, aber ich denke mir: Es wäre spannend, mal eine EP zu machen, ganz ohne Gitarre. Einfach mal schauen, wo mich das hinträgt. Ich mag Synths total und höre gerade viel Musik, wo keine Akustikgitarre im Vordergrund steht.

In eine elektronische Richtung?

Oska: Nicht wirklich elektronisch – also vielleicht auch ein bisschen. Zum Beispiel habe ich beim Primavera eine Band gesehen, die haben so Singer-Songwriter-Chansons gemacht und plötzlich am Ende gesagt: So, jetzt tanzt mal alle! Und dann kam so ein elektronischer Teil. Das war richtig cool. Ich weiß nicht, ob ich mich da sehe, aber ich hätte es gern ein bisschen rougher. Ich höre gerade viel Kate Bush, Blondie, David Bowie… Die klingen alle nicht so poliert. Es ist nicht, dass es leicht zu machen wäre, ganz im Gegenteil. Aber in diesen älteren Produktionen gibt es oft gar nicht so viele Spuren. In modernen Produktionen ist alles so zugeclustert, finde ich. Die Songs, die mir gerade wirklich reingehen, sind oft sehr reduziert. Dann kann man bestimmte Elemente auch lauter machen – das ist technisch total spannend. Wenn zum Beispiel nur ein Synth da ist, der richtig rausknallt, statt zehn Gitarren übereinandergestapelt.

„MAN MUSS DINGE MACHEN, DAMIT MAN SIE KANN!”

Wegen KI können Musikproduktionen ja auch immer perfekter und komplexer werden.
Mir kommt vor, dass auch deshalb viele Artists wieder simpler und rougher werden wollen. 

Oska: Ja, voll! Und auch beim Machen fühlt es sich manchmal so an, als würde man mit vielen Spuren und Details etwas verstecken wollen. Klar, Liebe zum Detail ist schön – aber bei diesem Album habe ich irgendwann entschieden, mehr loszulassen. Und plötzlich ging vieles leichter von der Hand.

Ich meine, das Loslassen zieht sich ja auch irgendwie durch deine Songs, oder? 

Oska: Total! Bei mir war irgendwann ein Punkt da, wo ich gemerkt habe, dass es schade ist, wenn man als Artist versucht, gut zu sein in etwas, wo man einfach noch nicht ist. Ich musste lernen, zu akzeptieren: Wo bin ich gerade, was kann ich gerade? Auch wenn ich vielleicht etwas anderes gerne können würde – vielleicht bin ich da noch nicht. Man muss Dinge machen, damit man sie kann.

Genau. Und das zweite Album wird dann sozusagen zum Schritt, um das dritte und vierte und fünfte überhaupt machen zu können?

Oska: Genau! Das war voll die wichtige Erkenntnis für mich. Natürlich sehe ich dann beim Primavera diese großen Bühnen und denke mir: Wow, ich will auch sowas mal inszenieren, performen. Aber dann denke ich mir: Ich bin noch ganz am Anfang meiner Karriere. Ich mache jetzt das, was gerade da ist. Und das wird wichtig sein für alles, was noch kommt. Man kann nicht vorspulen. Und man darf auch nicht eifersüchtig werden – das muss man loslassen.

Und irgendwann kommt man vielleicht genau da hin – durch den Prozess. Wenn man Spaß daran hat, wo man gerade steht.

Oska: Und dann war bei mir ganz stark dieses Gefühl: Meine Wien-Zeit ist vorbei. Ich weiß nicht warum, aber es war ganz klar. Ich bin nicht in Wien aufgewachsen, sondern im Waldviertel. Nach der Matura bin ich nach Wien gezogen – es war eine gute Zeit, aber es war abgeschlossen.

Bild Oska
Oska © Ines Futterknech

Und dann kam das Land?

Oska: Ich habe dann überlegt, wo ich hinziehen will. Berlin war lange ein Thema. Und dann – lustigerweise – hat mir meine Schwester, wie jedes Jahr seit ich 18 bin, Tarotkarten gelegt. Und die Karten haben ganz klar gesagt: Berlin auf keinen Fall. Es wird sich was anderes ergeben. So bin ich dann offiziell zurück zu meiner Mama ins Waldviertel gezogen. Und gleichzeitig hat sich ergeben, dass ich viel in London war. Mein Label hat vorgeschlagen, dort Sessions zu machen. Ich war eine Woche dort – und habe so viele Leute kennengelernt, wo ich gleich gespürt habe: Da kann ich anknüpfen. Ich habe in dieser ersten Woche auch den Produzenten kennengelernt, mit dem ich dann das Album gemacht habe.

Was für ein Leichtfüßigkeit – vor allem bei so einer Riesenmetropole wie London.

Oska: Ja, total! Es war so lustig. Ich habe zu meiner Mama gesagt: „Es wäre so cool, wenn ich in London ein Zimmer hätte, zu dem ich immer wieder kommen kann.“ Und am selben Abend geht sie ins Theater, trifft einen österreichischen Anwalt, der in London lebt – sie erzählt ihm von mir, und er sagt: „Wenn sie ein Zimmer braucht, ich hab eines.“ Es war total crazy. Und plötzlich war ich dann immer wieder dort.

Manchmal fügen sich die Dinge einfach.

Oska: Ja, total. Es war ganz komisch – aber eben auch richtig schön. Und natürlich war das mit Wien nicht unbedingt eine negative Sache, sondern einfach ein Ablauf. 

Und jetzt bist du immer noch im Waldviertel?

Oska: Ja, ich bin dort. Aber ich bin so viel unterwegs, dass ich manchmal erschrecke, wie wenig ich wirklich dort bin. Meine Geschwister leben noch in Wien, also bin ich oft da und dort unterwegs.

Aber dann hast du schon noch beides – der Welt-Tumult und die Ruhe des Waldes.

Oska: Ja, und ich brauche diese Ruhe. Jetzt kommt ja dann auch das Album raus – verständlich, dass es da trubelig ist. Wir haben sogar eine WhatsApp-Gruppe, die heißt „Maria sucht Obdach“. Und da frage ich dann immer: „Bei wem kann ich heute schlafen?“

Das ist so süß! Aber ja – vielleicht ist es eh ganz gut, dass du nicht nach Berlin gezogen bist. Es gibt so viele Wiener Artists, die nach Berlin gehen und dann… 

Oska: … es wird irgendwie entzaubert? Ich finde, die Wiener Szene ist aktuell außerdem viel spannender als die Berliner!

„DU WIRST NOCH VIEL LERNEN, AUCH WENN DU DENKST, DU HAST SCHON ALLES VERSTANDEN.”

Vielleicht können wir jetzt ein bisschen über das Album reden. Hast du durch dieses Album ein neues Selbstbild für dich definiert?

Oska: Ja, total. Auch durch die vielen Fragen, die mir zum Album gestellt wurden, musste ich darüber erst selbst nachdenken. Ich glaube, wir alle sehnen uns gerade nach etwas, an das man glauben kann – weil so viel abhandengekommen ist, auch im nicht-religiösen Sinn. Für mich war es so: Das erste Album war wie ein erster Job. Du probierst aus, sammelst Erfahrungen und merkst, was dir gefällt und was nicht. Und dann hatte ich ein paar richtig schwierige Situationen, die mich an allem zweifeln ließen – auch daran, ob es überhaupt für mich weitergeht. Ich war immer sehr idealistisch, dachte, es wird schon irgendwie, die Welt steht mir offen. Aber ich habe zum Beispiel auch den Glauben an Beziehungen verloren – nicht nur romantisch. Ich hatte einen großen Konflikt mit einer Person, die mir extrem nahe stand. Und dann denkst du dir: Wenn selbst das zerbricht – was dann noch alles? Ich erinnere mich an ein Konzert in Vorarlberg, vor ein paar Jahren. Mein Bruder war in der Menge, und da war ein Paar, das sich während unseres Konzerts umarmt und dann gesagt hat: „Die sind so jung, die wissen noch gar nicht, was ihnen alles noch passieren wird.“ Und sie haben dann sogar angefangen zu weinen. Das war total berührend – weil ja, man ist jung und alles strahlt, aber plötzlich passieren einfach Dinge, die einen komplett aus der Bahn werfen.

Klar, Mitte 20 …

Oska: Ich finde, von 18 bis 25 sind das so „Null-Jahre“, in Erwachsenenjahren. Du bist 23 und fühlst dich wie 5. Du glaubst, du bist groß – aber du bist halt noch so jung. Ich finde das ein gutes Bild für junge Erwachsene: Du musst noch nicht alles wissen. Du wirst noch viel lernen, auch wenn du denkst, du hast schon alles verstanden.

Und auf der anderen Seite hast du dann dieses alte Negative – dieses „Ach, das haben wir alles schon erlebt“-Gefühl bei älteren Generationen. Es gibt ja zum Glück auch ältere Menschen, die sich ihre Neugier bewahrt haben. Aber viele rutschen in diesen Zynismus.

Oska: Ich glaube, das Paar in Vorarlberg hat für uns ein bisschen mit getrauert – liebevoll. Vielleicht waren sie gerade selbst in einem Tief und dachten: Die Armen, was noch alles auf sie zukommt. Aber ich finde auch, es ist so wichtig, sich diesen positiven Outlook zu erhalten. Und deshalb mag ich den Titel „Refined Believer“ auch so gern. Weil ich darin wirklich viel Negatives bespreche – auch dieses Loslassen. Im letzten Lied geht es z. B. um diesen Gedanken: „It’s gonna take all my life to get over this hump.“ Klar, das stimmt nicht ganz – Zeit heilt Wunden. Aber trotzdem bleibt das, was ich da erlebt habe, irgendwie ein Leben lang. Das Album fasst eine Phase zusammen – und obwohl sie abgeschlossen ist, nehme ich alles daraus mit.

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Es gibt ja auch die These, dass die Zeitwahrnehmung mit dem Alter kürzer wird, weil der Neuheitswert von Erfahrungen nachlässt.

Oska: Das finde ich voll spannend – weil ja, wenn man jung ist, kommt einem alles ewig vor. Alles ist neu.

Genau. Aber man kann sich das Gefühl ja auch bewahren. Auch mit 40 oder 50 kann man neue Erfahrungen wirklich als neu wahrnehmen – wenn man will. Viele tun das leider nicht.

Oska: Ich finde das so schön, dass du das sagst. Letztes Jahr hatten wir noch kein neues Album, aber die „Forever Blue“-Tour. Da habe ich ein Bühnenbild gestaltet und wir haben gesagt: Wir machen einen amerikanischen Prom.

Das klingt sehr cool!

Oska: Ja! Die Idee war, dass man im Alltag oft gar keinen Raum hat, Dinge richtig zu fühlen. Alles muss schnell verarbeitet werden. Aber als Teenager fühlt man alles so intensiv. Und ich wollte diesen Raum schaffen – dass man beim Konzert alles fühlen darf. Auch wenn man schon 40 oder noch viel älter ist. Viele sagen über meine Musik, sie sei jugendlich oder romantisch – manchmal stört mich das. Aber vielleicht ist es genau das. Und vielleicht gebe ich mit meiner Musik den Raum dafür. Und damit verlangsamt sich auch die Zeit. Weil man wieder im Moment ist.

Ich merke auch schon bei Leuten Mitte 30 einen Pessimismus – da denke ich mir: Entschuldigung, du bist Mitte 30, nicht 85!

Oska: Total. Und gleichzeitig wird einem Ende Zwanzig gesagt: Du bist ja noch nicht 30, du verstehst das noch nicht. 

Aber come on – fünf Jahre machen keinen Weisheits-Ozean.

Oska: Ich habe mit einem Freund geredet, der fünf Jahre bei Siemens gearbeitet hat, und er hat meinte: Das war so schlimm. Die 50-Jährigen dort waren zum Teil richtig gemein zu ihm. Ich glaube, es war Eifersucht – weil er noch jung war. Und gleichzeitig waren sie einfach so festgefahren in ihrem Arbeitsalltag.

Das ist dieser toxische Kreislauf – nach unten treten, alles wiederholt sich. 

Oska: Und deshalb will ich mir das bewahren – diese Freude. Ich habe so viele Dinge noch nicht erlebt, auf die ich mich freue. Verlieben, neue Freund:innen, neue Ideen. Ich war auch in Therapie in der Zeit und hab da mal gesagt: „Ich hab das noch nicht.“ Und mein Therapeut meinte: „Genau – noch nicht.“ Sprache ist so wichtig. Das macht was. Und das hat mir geholfen, im Moment zu leben und das zu genießen, was gerade da ist.

Ja. Denn meistens hat man schon irgendetwas Wunderschönes und sieht es nur nicht.

Oska: Voll.

„ES LIEGT IN MEINER VERANTWORTUNG, EINE ATMOSPHÄRE ZU SCHAFFEN.”

Gab es denn einen Song auf dem Album, der dir besonders viel abverlangt hat – ob emotional oder musikalisch? 

Oska: Lass mich kurz überlegen… musikalisch war es, glaube ich, „Like A Song“. Mit dem habe ich ewig herumgezankt. Das war der allererste, den ich für das Album geschrieben habe – auf Tour, in Schweden, in einem kleinen Haus. Da hatte ich nur die Zeile „I’m here in Sweden, you got me feeling like a song“ – aber ich bin einfach nicht weitergekommen. Auch akkordmäßig nicht. Es gab so viele Versionen davon. Zwei Jahre später hat es dann endlich Klick gemacht – und da hat er mir richtig Spaß gemacht. Ich war damals grad mit Marian Plösch im Studio – er hat auch viel vom Album produziert – und es war vier Uhr morgens. Wir hatten den Song in einer Endlosschleife laufen, haben alles Mögliche ausprobiert, nichts hat funktioniert. Ich war kurz davor, zu sagen: „Ich geb auf, ich geh jetzt heim.“ Und genau in dem Moment kam dieser Loop nochmal – und ich habe einfach spontan das gesungen, was jetzt auf der Platte ist. Der Chorus war plötzlich da: „You got me feeling like I could believe in something bigger than myself, I want you and no one else.“ Ab da wusste ich: Okay, das ist das Ende des Chorus. Dann hat es noch ein halbes Jahr gedauert, bis ich den Vers gefunden habe. Dieses „da da da da da da“ – das hat lang gedauert. Aber es war schön, das so Stück für Stück zu entdecken.

Ein anderer Song, der schwierig war, war „Gloria“ – da war es mehr das Gefühl. Ich wusste sofort, was ich sagen wollte. Ich habe die Lyrics in zehn Minuten geschrieben. Aber ich hatte Angst vor dem Release, weil es eine Geschichte ist, die mir nah ist – und die auch andere Menschen. Ich habe zwar mit ihnen darüber geredet, aber ich war nervös: Ob das für sie okay ist, ob sie sich dabei noch wohlfühlen.

Songs abstrahieren sich sowieso. Oft ist es das Schöne, dass andere sich darin wiederfinden können, obwohl es deine Geschichte ist.

Oska: Genau, voll. Es ist immer schön, wenn Menschen ihre eigenen Geschichten darin entdecken.

Du warst ja in den letzten Jahren viel unterwegs – auch mit größeren Acts. Hast du das Gefühl, dass sich dein Live-Auftritt verändert hat? 

Oska: Ich habe immer schon viel gespielt. Aber 2022 war heftig – ich habe mich wie eine Praktikantin gefühlt. Ich war mit einem kleineren Act – Stu Larsen – auf Tour durch ganz Europa. In Madrid habe ich mal vor zwei Leuten gespielt. Die hießen Paula und Oskar – ich erinnere mich bis heute an sie. Zwei Monate später hab ich in Madrid vor Tom Odell gespielt – vor 4000 Leuten. Das war verrückt. Aber beide Konzerte waren besonders. Ich habe so viel gelernt – wie connecte ich mit zwei Leuten? Wie mit 4000? Ich habe früher viel Straßenmusik gemacht, das hat sicher geholfen. Aber ich hab richtig gemerkt: Es liegt in meiner Verantwortung, eine Atmosphäre zu schaffen. Das ist mir voll wichtig.

Bild Oska
Oska © Ines Futterknech

Solange die Atmosphäre da ist, ist die Menge an Menschen egal? 

Oska: Voll, total. Und ich habe echt viel mitgenommen – z. B. habe ich bei diesen kleinen Shows dann auch die Leute nach ihren Namen gefragt. Paula z. B. hatte weiße Locken, war schon etwas älter – sie hat sich so gefreut über diese halbe Stunde Konzert. Das war großartig. Ich glaube, ich habe 2022 über 100 Konzerte gespielt – ich war ständig unterwegs. Das war ein Traum, der in Erfüllung ging. Und ich habe auch viel Selbstbewusstsein zurückgewonnen. 2023 war ich dann wieder allein auf der Bühne – und ich hatte diese Selbstsicherheit, die mir 2020 komplett gefehlt hat. Da war ich so verunsichert, auch durch die Covid-Jahre.

Wenn ich jetzt zurückblicke, sehe ich mich damals fast wie ein Kind. Ich würde diese Version von mir so gerne umarmen. Da kamen ganz viele Ängste hoch – wahrscheinlich auch aus der Kindheit. Aber über Mega-Shows – wie z. B. bei der Coldplay-Tour – habe ich so viel Selbstbewusstsein gewonnen. Ich glaube, das waren knapp 30.000 Menschen. Das hat mich extrem geformt. Und es geht ja auch nicht nur um mich – es geht um eine Atmosphäre, um Miteinander. Denn selbst wenn 30.000 Leute da sind – im besten Fall fühlt es sich für jede einzelne Person intim an.

Vielleicht ist das ein schöner Abschluss: Du hast vorhin gesagt, du würdest deine jüngere Version gern umarmen. Was würdest du ihr denn sagen – der Oska von vor fünf Jahren oder zu einem anderen Zeitpunkt?

Oska: Ich erinnere mich gut – mit 17, 18 habe ich mich extrem gestresst. Da habe ich zum ersten Mal Leuten meine Musik gezeigt, die sich „auskennen“. Gesangslehrer, Professoren. Ich dachte, ich muss auf die Musik-Uni. Und da kriegt man halt so Einzellektionen vorher. Was mir da gesagt wurde, hat mich lange verfolgt: “In Österreich kann man nur mit Kommerz-Musik Geld verdienen.” Oder: “Wenn man es als Frau mit 30 nicht geschafft hat, dann schafft man es gar nicht mehr.” Solche Sätze wurden mir gesagt – und sie sind hängengeblieben. Ich würde der jüngeren Oska heute sagen: Keiner kennt dich so gut wie du selbst. Und wie kann jemand, der dich eine Stunde gesehen hat, glauben, er wüsste, was du willst, was du kannst? Du kennst dich. Vertraue auf dich. Mach dich nicht fertig, nur weil dir jemand sagt, du bist nicht genug.

Schön. Das ist ein starker Abschluss. 

Oska: Vielen Dank dir!

Ania Gleich 

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OSKA – Live 2025
27.06.2025       DE –  Braunschweig, Lokpark Open Air (w/Philipp Poisel) 
04.07.2025       AT – Wien, Arena Open Air (w/Christina Stürmer) – sold out
11.07.2025       AT – Gmunden, Salzkammergut Festwochen
12.07.2025       AT – Feldkirch, Poolbar Festival
13.07.2025       DE – Köln, Even Flow Festival
14.07.2025       DE –  Trier / Brunnenhof (w/Philipp Poisel) – sold out
15.07.2025       DE –  Karlsruhe, Tollhaus  (w/Philipp Poisel)
17.07.2025       DE – Deggendorf, Donaufest 2025 (w/Christina Stürmer)
19.07.2025       DE – Tuttlingen, Ruine Honberg (w/Christina Stürmer) – sold out
25.07.2025       AT – Linz, Domplatz (w/Christina Stürmer)
27.07.2026       AT – Wien (TBA)
30.08.2025       DE – Darmstadt, Golden Leaves Festival
21.11.2025       DE –  Berlin, Prachtwerk
23.11.2025       AT –  Wien, Stadthalle (w/Tom Odell)
26.11.2025       DE – Hannover, Kulturzentrum Pavillon
27.11.2025       NL –  Amsterdam, Cinetol
29.11.2025       DE –  Hamburg, Nochtwache

+ Ö-Tour 2026

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