„Ich habe wirklich einfach nur drauf los komponiert.“ – RUHMER im mica-Interview

Man würde DAVID RUHMER nicht gerecht werden, würde man ihn einfach nur als Musiker bezeichnen. Blickt man auf sein breites Betätigungsfeld – er spielt Schlagzeug, macht Musik, produziert Videos, entwirft Grafiken usw. -, wird klar, dass man es hier mit einem echten Allrounder zu tun hat. Einst Schlagzeuger bei der Band GOSPEL DATING SERVICE sorgt er aktuell beim Erfolgsduo OEHL für den richtigen Takt. Nebenher hat sich der Oberösterreicher vor etwa zwei Jahren auch als RUHMER solo selbstständig gemacht. Seine bisherigen Singles „Kill ME Now“, „Penlove“ und „Universe“ zeigen, dass er auch als Songschreiber eine hervorragende Figur macht. Im Gespräch mit Michael Ternai erzählt DAVID RUHMER über die Entstehung seines neuen Videos, seine musikalischen Einflüsse und seinen Hang zum Perfektionismus. 

Gerade ist – nach „Kill Me Now“ und „Penlove“ – mit „Universe“ deine neue Single erschienen. Ein einmal mehr sehr starker Song mit großem Hitpotential.

David Ruhmer: Universe ist quasi parallel mit „Kill Me Now“ entstanden. Ich bin sogar mit beiden Nummern 2020 bei Labels hausieren gegangen. Aber als „Kill Me Now“ dann draußen war, wollte ich nicht direkt mit „Universe“ die zweite starke Nummer veröffentlichen und mein Pulver gleich verschießen. Ich wollte meine Geschichte langsam und über die Zeit aufbauen. Das ist der Grund, warum „Universe“ erst jetzt erschienen ist.

Das Video zur Single ist ja auch sehr gelungen. Du auf einem Pferd als Cowboy verkleidet in den Bergen reitend. Sehr Western-Style. Überhaupt sind deine Videos alle super gemacht. Inwieweit bis du in die Produktion involviert.

David Ruhmer: Sehr. Ich mag es Videos zu produzieren. Begonnen hat es damit, dass ich einmal – noch bevor ich selber solo gestartet bin – für Krautschädl und Folkshilfe die Videoproduktion gemacht habe. Ich habe mir das Ganze autodidaktisch beigebracht. Irgendwann habe ich durch Zufall ein Video der Band ÄTNA gesehen. Produziert hat dieses Philip Zeller von der mir damals noch unbekannte Berliner Firma Nous Film. Ich habe Philip dann auf Instagram geschrieben, wie genial ich das Video finde und dass es für mich zu den besten der letzten Zeit zählt. Ich habe von ihm gleich auch eine sehr nette Antwort zurückbekommen. Als ich für „Kill Me Now“ jemanden suchte, der zum Song das Video macht, ist mir dann sofort Philip in den Sinn gekommen. Ich schickte ihm den Song, er war sofort Feuer und Flamme und wir machten gemeinsam das Video. Dann ist Corona gekommen, was mich in gewisser Weise etwas in Not gebracht hat, weil ich gerade die Single „Penlove“ veröffentlichen wollte und die Möglichkeiten für einen Musikvideo-Dreh sehr beschränkt waren. Ich half mir so, dass ich aus Archivmaterial und diversen Handyaufnahmen, quasi aus allem was mir zur Verfügung gestanden ist, das Video in ca 100 Stunden zusammengeschnitten habe.
Beim neuen Video „Universe“ konnten Philip und ich endlich wieder zusammen arbeiten, wobei die Geschichte zu diesem Video auch eine recht witzige ist. Wir sind am letzten Abend des „Kill Me Now“-Drehs zusammengesessen und haben uns darüber unterhalten, was wir als nächstes zusammen machen könnten. Dabei hat er erzählt, dass er immer schon ein Video mit Pferden drehen wollte. Wie es der Zufall will, wollte ich genau das auch schon des längeren. Wir beschlossen dann ziemlich schnell: „Ja, lass uns das machen.“ Es hat jetzt zwar etwa ein Jahr gedauert, bis wir es realisieren konnten, aber ich denke, es hat sich gelohnt. Außerdem gab mir dieses Jahr genügend Zeit, reiten zu lernen

Wie ist das Ganze jetzt gedacht? Steht am Ende des Single-Veröffentlichungs-Reigens eine EP oder gar ein Album?

David Ruhmer: Ich habe mich für heuer erst einmal gegen eine EP entschieden. Derzeit konzentriere ich mich sehr stark aufs Songs schreiben. Dafür arbeite ich erstmals auch mit verschiedenen Produzenten zusammen. Mit Philipp Mülleder von Lou Asril zum Beispiel oder Luca Pivetz. In weiterer Folge werde ich aber auch in Deutschland mit Produzenten arbeiten. Eine erste EP ist dann für nächstes Jahre geplant. Bis dahin wird’s aber bestimmt noch einige Singles geben.

Bild Ruhmer
RUHMER (c) Sarah-Maria Hemmerling

„Gedanken über Genres und Ähnliches habe ich mir dabei nicht gemacht.“

Was mir an den Singles aufgefallen ist, ist die große musikalische Breite, die sie abdecken. Jede Single klingt anders.

David Ruhmer: Witzigerweise sind – bis auf „Truth“ – alle bisherigen Singles zur selben Zeit entstanden. Und zwar Ende 2019, als ich mich erstmals dazu entschlossen habe solo Musik zu machen. Ich habe mich damals nach der ersten großen Tour mit Oehl für einen Monat in ein kleines Häuschen im französischen Calais einquartiert, um einfach mal ganz alleine für mich Musik zu machen. Gedanken über Genres und Ähnliches habe ich mir dabei nicht gemacht. Ich habe wirklich einfach nur drauf los komponiert und geschaut, was herauskommt. Das ist vermutlich auch der Grund dafür, dass die Songs in ihrem Stil so verschieden geworden sind. Das wird sich wahrscheinlich auch nicht so schnell ändern, denn das Schöne an einem Soloprojekt für mich ist eben auch genau das: Egal in welche Stilrichtung sich ein Song bewegt, durch meine Stimme, meine Einflüsse und Eindrücke und ganz einfach die Art und Weise, wie ich gerne Musik mache, wird es immer ein grosses Ganzes ergeben. Auch live wurde mir das von einigen Leuten aus dem Publikum bestätigt.
Grundsätzlich kann man aber sagen, dass meine Songs so verschieden geworden sind, war sicher auch der Art und Weise geschuldet, wie ich sie in diesem kleinen Häuschen geschrieben habe. Ich habe mir eine Gitarre, einen Bass und ein Keyboard, aber keine Drums mitgenommen. Entstanden sind die Songs quasi eigentlich alle am iPad.
Bei meinen täglichen Spaziergängen, beim Schauen alter Filme oder beim Lesen habe ich alle Eindrücke aufgesogen. Einmal war aus irgendeinem Fenster ein türkischer Beat zu hören, den ich in einem Song übernommen habe, ein andermal habe ich mich durch die Baseline eines Soundtracks inspirieren lassen. Später habe ich einen Song geschrieben, bei dem der Beat beinahe nur aus gesampelten Fahrrad Sounds besteht. Es ist also nicht wirklich verwunderlich, dass die Songs so verschieden klingen.

Wie bist du eigentlich musikalisch sozialisiert worden?

David Ruhmer: Das ist eine gute Frage. Ich würde sagen, dass mein Vater schon einen relativ guten und vor allem auch sehr diversen Musikgeschmack gehabt und diesen wohl auch mich übertragen hat. Auf der anderen Seite hat mich sicher auch stark der Umstand geprägt, dass ich, seitdem ich Schlagzeug spiele, immer in sehr unterschiedlichen Bands gespielt habe. Angefangen bei Emo, Glam Rock, Stoner Rock, Indie und Alternative Rock und jetzt Oehl – auf eine gewisse Art und Weise habe ich sicher von überall etwas mitgenommen. Daneben höre ich selber auch Musik aus den unterschiedlichsten Genres. Wenn du mich nach Idolen fragst sind es solche Künstler wie etwa Jack White oder Rodrigo Amarante. Das ist sind so die Sachen, die sich bei mir auf jeden Fall durchziehen.

Wann hast du begonnen, an deiner eigenen Musik zu schreiben?

David Ruhmer: Natürlich habe ich früher auch schon Songs geschrieben, aber so richtig losgegangen ist es 2019. Angefangen hat die ganze Sache eigentlich bei der Intertonale, dem Musikseminar in Scheibbs. Bei dem gab es auch einen Songwriting-Workshop mit der Liedermacherin Alicia Edelweiss. Sie hat mir das Buch „The Artist`s Way“ empfohlen. Dieses Buch passte damals perfekt in meine Lebensphase, die für mich auch eine extreme Umbruchsphase war, und hat mir sehr weitergeholfen. Das Buch baut unter anderem das eigene Selbstvertrauen als Künstler auf. Es hat mich in meinem Weg bestärkt, meine Karriere als Solokünstler weiterzuverfolgen, bis ich eben Ende 2019 mich zum Songschreiben nach Frankreich zurückgezogen habe.

„Ich bin, glaube ich, in vielerlei Hinsicht auch einfach ein Perfektionist.“ 

Wenn man sich vor Augen führt, was du alles machst, bis du ein Kontrollfreak?

David Ruhmer: Das könnte man glauben. (lacht) Ich finde es grundsätzlich schon angenehm Verantwortung auch einmal abzugeben. Und einiges übernimmt ja auch mein Management. Es ist schön Leute zu haben, mit denen ich reden und abstimmen kann. Aber das, was ich gelernt habe und auch von anderen Künstlerinnen und Künstlern bestätigt bekommen habe, ist, dass eben niemand anderer mit so viel Herz hinter dem eigenen Projekt steht, wie du selbst. Ich bin, glaube ich, in vielerlei Hinsicht auch einfach ein Perfektionist. Ich habe etwa vom visuellen Auftreten meine ganz eigenen Vorstellungen. Wenn ich die so umgesetzt haben will, dann muss ich entweder mit meist grossem finanziellen Aufwand jemanden beschäftigen – oder ich erledige es selber. Aber dazu muss ich klar sagen, all das macht mir fast immer auch sehr viel Spass. Ich sehe meine Arbeit als Künstler ganzheitlich. Von der Musik bis zu den Videos, Fotos und Texten ist es mir wichtig, ein stimmiges Ganzes zu erzeugen. Was ich in Zukunft aber vorhabe, ist, dass ich nicht mehr alle Instrumente selber einspielen werde. Darum habe ich mittlerweile auch eine Band um mich geschart, die diesen Part zum Teil übernehmen wird.

Du bist ja mit Oehl sehr aktiv. In welcher Relation steht dein Solo-Projekt zur Band.

David Ruhmer: Grundsätzlich würde ich sagen, dass mein eigenes Projekt die oberste Priorität genießt. Wobei auf der anderen Seite Oehl mir es ermöglichen wird, in der nächsten Zeit von der Musik zu leben. Daher ist es klar, dass ich mich auch dieser Band voll und ganz widme. Am Bohemian Pleasures am 27.8 im Böhmischen Prater werden wir zum ersten Mal gemeinsam auftreten. Oehl und RUHMER, darauf freue ich mich sehr!

Herzlichen Dank für das Gespräch! 

Michael Ternai

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