Bild Hella Comet
Bild (c) Hella Comet

HELLA COMET – „Locust Valley“

Dass sich die Truppe HELLA COMET in Sachen Rock bestens versteht und ihn wirklich auf mitreißende Weise zu praktizieren weiß, ist eigentlich hinlänglich bekannt. Aber das, was der Vierer aus der Steiermark auf seinem neuen Album „Locust Valley“ (Noise Appeal Records) musikalisch vom Stapel lässt, nun, das hat man vielleicht erhoffen, aber nicht unbedingt erwarten können.

„Locust Valley“ ist ein Stück Rockmusik geworden, das wirklich alle Stücke spielt. Grob zusammengefasst liefern Lea, Frente, Jure und Maex – die vier Köpfe hinter Hella Comet – eine Art Abriss der Geschichte der gitarrenorientierten Musik der etwa letzten 30 Jahre ab.

Cover "Locust Valley"
Cover “Locust Valley”

Irgendwo beim frühen Punk beginnend, zieht die Band ihre musikalische Linie quer durch Noise, Shoegaze und Grunge bis hin zu weiten postrockigen Sounds. Und wenn es passt, taucht die Combo dann auch schon mal dezent in den Pop ein.

Diese Fülle an Einflüssen bedingt in Falle dieser Band erfreulicherweise auch ein sehr hohes Maß an Abwechslung. Die im Klang richtig schön kantig gehaltenen Nummern folgen alle ihren ganz eigenen Regeln, Bögen und Aufbauten, wodurch die ganze Geschichte – mal melodiebetonter, mal weniger – von der ersten bis zur letzten Sekunde eine unvorhersehbare und damit auch spannende und interessante bleibt.

Eine Rockgeschichte der anderen Art

Schon der Opener „Secret Body Nation“ weiß ein erstes dickes Ausrufezeichen zu setzen. Eingeleitet mit einem atmosphärisch dichten und breiten Soundwall entwickelt sich der Song zu einer richtigen Hymne, die einen auf fesselnde Art auf das noch Kommende einstimmt. In Folge wird es dann mal heftiger und vertrackter („Midsummer Heat“), in richtig lässiger Manier dunkel, schwer und düster („Idiots And Slavery“) oder es geht überhaupt einfach nur kompromisslos und ungestüm straight nach vorne („The Wicked Art To Fake It Easy“). Besonders gelungen erklingen auch die reduzierteren Momente auf dem Album, wie etwa der Song „Fortune Sleepers“, der auf seltsam schöne Weise mit Fortdauer immer mehr ins vollkommen Verträumte hineinkippt.

Aber es ist nicht nur allein die große musikalische Vielfalt, die „Locust Valley“ aus der Masse der vielen Rockveröffentlichungen heraushebt. Besonders werden lässt das Album auch Sängerin Lea, die mit ihrer wirklich starken und facettenreichen gesanglichen Performance dem Geschehen zusätzlichen Charakter und vor allem auch eine musikalische Unverkennbarkeit verleiht.

Hella Comet holen mit „Locust Valley“ zu einem richtig großen Wurf aus. Der Rock der steirischen Band sticht in der Tat heraus. Er ist eigenständig und hat diese ganz bestimmte Schwingung, die richtiggehend ansteckend wirkt. Man kennt die Ingredienzen des Gesamtsounds dieser Band und dennoch wird man vom Ergebnis überrascht. Eine Reaktion, die sich bei vielen Veröffentlichungen aus dieser musikalischen Ecke mittlerweile eher selten einstellt. Sehr empfehlenswert.

Michael Ternai

Hella Comet live
13.09. Cafe Glocksee, Hannover (D)
14.09. Pooca Bar, Hamburg (D)
16.09. Chemiefabrik, Dresden (D)
17.09. Stadtwerkstatt, Linz (A)
18.09. Tommyhaus, Berlin (D)
20.09. Circus, Frankfurt (D)
23.09. Galerie Fango, Cottbus (D)
24.09. Tiefgrund, Berlin (D)
30.09. Waves Vienna 2016, Wien (A)
01.10  t.b.a. Graz (A)
27.10. Gleis 22, Münster (D)
29.10. Zuiderklap Festival 2016, Asten (NL)

Links:
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Noise Appeal Records