HEIMO ERBSE PREIS 2026 geht an Anna Buchegger

Der Heimo Erbse Preis ist ein privat gestifteter Förderpreis zur Unterstützung von Musiker:innen aus dem Großraum Salzburg. Dotiert mit 3.000 €, soll er den Preisträger:innen helfen, ihre künstlerischen Vorhaben zu realisieren, sei es in Form von Aufnahmen, Visualisierungen, Promotion oder anderen produktionstechnischen Schritten. Zu den Preisträgern gehören u.a. die Steaming Satellites, Mynth, Please Madame, Mel Mayr, The More Or The Less (Tobias Pötzelsberger), Aymz und Flirtmachine. Die Jury, bestehend aus Markus Melms, Christian Salic, Michael „Stootsie“ Steinitz, Max Kickinger, Herbert Fraungruber und Martin Pöheim haben sehr lange ausdebattiert, wem der Förderpreis in diesem Jahr zukommen soll. Der Heimo Erbse Preis 2026 geht an: Anna Buchegger.

Anna Buchegger ist eine der markantesten Stimmen der österreichischen Gegenwartsmusik. Geboren 1999 in Abtenau im Salzburger Tennengau, fand sie schon früh zur Musik, begann mit Hackbrett und Klavier und entwickelte früh eine eigenständige musikalische Sprache. 2021 gewann sie die ORF‑Castingshow Starmania, wo sie mit eigener Komposition und Präsenz überzeugte. Seither hat sie konsequent an einem Werk gearbeitet, das traditionelle Elemente des Alpenraums mit zeitgenössischer Pop‑ und Jazzsprache verbindet und zugleich Fragen nach Identität, Herkunft und Ausdruck aufwirft.

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Mit ihrem Debütalbum Windschatten aus dem Jahr 2024 schuf Buchegger eine Art musikalische Neuverhandlung von „Heimat“, indem sie Folk‑, Pop‑ und Jazztraditionen auf eine Weise zusammenführte, die weder nostalgisch noch rückwärtsgewandt ist; das Album wurde mit zwei Amadeus Award‑Nominierungen, dem Hubert‑von‑Goisern‑Kulturpreis und einem ARTE‑TRACKS‑Porträt wahrgenommen und markierte den Beginn einer intensiven Auseinandersetzung mit Klang, Sprache und kultureller Verortung.

2025 setzte sie diese Linie fort – mit dem Album Soiz, dessen Titel viel mehr ist als ein Wortspiel: er verweist auf das Salz als Metapher für Identität, Erinnerung und Ambivalenz. Die Songs dieses Werkes mischen Dialekt, pop‑ästhetische Elemente, experimentelle Spielarten und eine erzählerische Direktheit, die Hörer:innen herausfordert, sich mit dem Vertrauten ungeschützt auseinanderzusetzen. Buchegger nimmt alpenländische Traditionen auf, um sie nicht zu konservieren, sondern in einen Dialog mit gegenwärtigen Perspektiven zu bringen – musikalisch, textlich und kulturell. Aktuell ist sie für 3 Amadeus Awards nominiert.

JURYBEGRÜNDUNG

Die Zukunft tanzt Polka.
Wie bewertet man Musik? Wer ist besser: Sting oder Beyoncé? Wer bekommt den Grammy: Billie Eilish oder Harry Styles? 87 Punkte für Madonna oder 92 Punkte für Pharrell? Da haben wir den Salat: Musik von einer Jury bewerten zu lassen, ist wie Architekt:innen ihre Entwürfe tanzen zu lassen. Die Jury des Heimo Erbse Preises stellt sich dieser Aufgabe. Machmal dauert es bis tief in die Nacht. Nicht so dieses Jahr: da ging es schnell. Angestoßen wurde auf Anna Buchegger. 50 Konzerte hat sie für 2026 geplant – und jedes ist eine Zumutung.

Anna Buchegger mutet alten weißen Männern zu, sich eine Geschichte über alte, weiße Männer anzuhören – übergriffige Kommentare inklusive, so wie in »Z’fü«. Sie mutet uns Flecken auf der Bluse zu, ein aufgeschlagenes Knie und ihre »Maria« lächelt uns mit einem Goldzahn an. Das alles im Dialekt. Moment mal, hatten wir das nicht schon? Dialekt? Und kritische Auseinandersetzung mit der Heimat, mit Brauchtum und Bräuchen? Ja, hatten wir. Bloß nicht so frisch, so rotzig und so selbstbewusst. Und schon gar nicht so gekonnt: Sorry, Hubert, Wolfi und Georg: aber einen Eb7#11-Akkord braucht Anna nicht erst in der Grifftabelle nachzuschlagen. Autotune hat bei ihr sowieso Pause. Denn mit Anna als Sängerin hätte auch Ella Fitzgerald ihre Freude. Wobei, das ist ja auch schon wieder eine Zumutung: ein Popstar, der einfach mal so die ärgsten Jazzläufe raushaut.

Übrigens, Bob Dylan hat 2016 den Nobelpreis für Literatur gewonnen. Richtig, für Literatur, nicht für Musik. Diese Entscheidung ist von den Vertreter*innen der reinen Schule vernichtet worden. Man kann es nicht allen Recht machen. Das wissen wir von der Jury nur allzu gut. Danke, dass du das gar nicht erst versuchst, liebe Anna Buchegger – und herzlichen Glückwunsch zum Heimo Erbse Preis 2026!

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