Hans Landesmann ist 75 – Neue Weichenstellung für Kontracom?

?Zunächst: Hans Landesmann, einer der innovativsten und aufgeschlossensten Kulturmanager Österreichs, feiert heute, am 1. März 2007, seinen 75. Geburtstag. Das mica gratuliert herzlich. Dass Landesmann agil bleibt und nicht an seinem Altenteil zehrt, brauchen wir ihm nicht zu wünschen. Denn er ist der neue Player in der Diskussion um die Nachfolge des umstrittenen Salzburger Kontracom-Festivals. Geschäftsmann mit Kunstsinn

Der 1932 geborene Hans Landesmann, der in Wien ein Klavierstudium absolvierte, dann an der Sorbonne in Paris und in New York Chemie studierte, trat 1957 in den Familienbetrieb (Fleischimport und -export) ein. Das war ihm aber zu wenig. Bereits Mitglied des Konzerthausdirektoriums, wurde er 1977 Generalsekretär des Wiener Konzerthauses. Den Betrieb führte er – bis heute – parallel weiter. (Dem falter verriet er in einem Interview mit für ihn charakteristischem Understatement: “Das ist insofern nicht so schwer, als unsere Branche ein Frühgeschäft ist. Und in der Kultur ist ja normalerweise vor zehn, halb elf nicht sehr viel los.”)

Als Generalsekretär des Konzerthauses war er zwischen 1977 und 1983 maßgeblich an der Öffnung des Wiener Konzertbetriebs für die Musik des 20. Jahrhunderts beteiligt. Er gründete unter anderem das Gustav-Mahler-Jugendorchester, richtete ein Webern-Fest aus und führte sein Publikum in neuen Konzertreihen geduldig und mit viel programmatischem Gespür Schritt für Schritt an die musikalische Gegenwart heran. Immer wieder beriet er auch Programmmacher im internationalen Bereich und redete bei der Besetzung wichtiger Funktionen im Kulturbetrieb mit.

Maßgeblich war er an der Gründung des Festivals Wien Modern beteiligt. 1989 wechselte er als kaufmännischer Leiter und Konzertdirektor zu den Salzburger Festspielen, wo er Gérard Mortier die zuletzt reaktionäre Ära Karajan überwinden half. Mit Konzertprojekten um Pierre Boulez, Maurizio Pollini, György Ligeti und György Kurtág setzte er moderne Akzente, ermöglichte das von Markus Hinterhäuser und Thomas Zierhofer-Kein ausgerichtete “Zeitfluss”-Festival. 2001 verließ er mit Mortier das Festival und wurde Musikdirektor bei den Wiener Festwochen. Auch hier setzte er sich für die neue Musik besonders ein. So war ein erneuter Webern-Marathon im Konzerthaus (mit dem Klangforum Wien und anderen Ensembles) eine seiner Großtaten, die in der Öffentlichkeit viel zu wenig Würdigung erfuhren.

 

Neue Musikreihe statt Kontracom

Nun soll der versierte Kunstmanager in Salzburg mit der Ausrichtung einer neuen Musikreihe im Zwei-Jahresrhythmus, die das “Kontracom”-Festival ablösen soll, in die Bresche springen. Eine Aufgabe, die viel Sensibilität von ihm erfordert – Salzburgs Kunstschaffende hatten gegen die Sistierung vehement protestiert.

“Kontracom” hatte vor allem mit den Projekten bildender Kunst, wie dem Bauzaun des Künstlers Hans Schabus und dem umgedrehten Hubschrauber auf dem Residenzplatz nach einer Idee von Paola Pivi, mehr Empörung und intensivere Diskussionen über Kunst im öffentlichen Raum losgetreten wie selten zuvor in Salzburg. Allerdings muß eingeräumt werden, dass neben den Aufregern in den Schlagzeilen im Bereich der Projekte der bildenden Kunst das Festival gerade im Musikbereich – ungeachtet mancher guter Beiträge – nicht sehr professionell organisiert und vermarktet wurde. Das täte einer Veranstaltung im Vorfeld der Festspiele, die zeitgenössische Kunst auch beim internationalen Publikum positionieren soll, zweifellos not.

Offen bleibt auch die Frage, was mit der bildenden Kunst-Schiene nun passieren soll. Landesmann jedenfalls äußerte sich dieser gegenüber in einem Interview mit der Salzburger Netz-Kulturzeitschrift DrehpunktPunktKultur reserviert. “Für beides reicht das Geld nicht”, so Landesmann dezidiert.
Wie die Salzburger Nachrichten gestern berichteten , ist die Stadt und Altstadt-Marketing GmbH vertraglich verpflichtet, alle zwei Jahre für eine Biennale je 300.000 Euro bereitzustellen. Somit sei ein Budget von 600.000 Euro für ein Nachfolgefestival von “Kontracom” im Jahr 2008 bereits sicher. Ob auch das Land einen Beitrag leisten werde, sei noch nicht entschieden, sagte der für Kultur zuständige stellvertretende Landeshauptmann Othmar Raus (SPÖ). Allerdings erinnerte er an das Prinzip der Kulturförderung, dass große Initiativen von Gemeinden in der Regel vom Land mitunterstützt würden.
Im Mozartjahr hatten alle drei Partner – Stadt, Land Salzburg sowie Altstadt-Marketing GmbH – 450.000 Euro, insgesamt also 1,35 Mill. Euro dafür aufgebracht.
Auf die Konkretisierung des neuen Musik-Projekts durch Hans Landesmann sind wir gespannt. Und glücklich, dass wir über ihn weiter berichten können, vielleicht auch mit ihm streiten müssen – in aller Noblesse. Alles Gute!

Heinz Rögl