Gospel Dating Service (c) David Furrer

„Stillstand gibt es bei uns nicht“ – GOSPEL DATING SERVICE im mica-Interview

Schon 2014 hat die Band GOSPEL DATING SERVICE aus Salzburg und Oberösterreich auf sich aufmerksam gemacht. Mittlerweile hat sie das hochgelobte Album „Champagne“ am Markt und sie strebt nach mehr! Ihr Label „Kleio Records“ hat sich das Ziel gesteckt, österreichische Bands für den internationalen Markt fit zu machen. Also haben die drei Musiker noch einiges vor. Im Interview mit Anne-Marie Darok sprachen sie über ihre Anfänge, ihre Karrierepläne und darüber, warum sie manchmal so aussehen, als wären sie der Serie „Mad Men“ entsprungen.

Wie haben Sie als Band zueinandergefunden? Steckt eine Sandkasten-Freundschaft dahinter oder haben Sie als erwachsene Musiker erste Kontakte geknüpft?

Gospel Dating Service (GDS): Jeder von uns spielte schon während seiner Zeit im Gymnasium in Bands. In der Zeit zwischen Schule und Studium lösten sich die Projekte allerdings alle auf. Glücklicherweise fanden sich kurz darauf David und Christoph und begannen, gemeinsam Musik zu machen, Dave stieß ein paar Monate später dazu.

Sie haben einen ziemlich ausgefallenen Bandnamen. Wie ist es zu Gospel Dating Service gekommen?

GDS: Es gibt viele verschiedene Mythen um unseren Bandnamen. Tatsächlich haben wir bewusst einen Bandnamen gewählt, der die Menschen zum Grübeln bringt und überrascht, denn genau das wollen wir auch mit unserer Musik schaffen: die Leute immer wieder aufs Neue zu fordern und zu überraschen.

Gospel Dating Service (c) David Furrer

Gibt es in Ihrer Band starre Aufgabenbereiche oder sind die Grenzen fließender?

GDS: Seit dem Album-Release hat tatsächlich jeder seinen „Aufgabenbereich“. Davor hat einfach jeder alles gemacht, der eine mehr, der andere weniger. Mittlerweile ist es aber einfach zu viel geworden und so übernimmt einer die Kommunikation mit Label und Booking, ein anderer kümmert sich um logistische Dinge wie Merchandising, Tourbus etc. und der Dritte schaut auf die Finanzen. Natürlich wird aber immer alles abgesprochen.

Sie inszenieren sich auf einigen Pressefotos und auch im Video zu „Red“ als Dandys in schicken Anzügen und mit einer Attitüde, die zur US-Serie „Mad Men“ passen würde. Ist das auch privat Ihr Stil?

GDS [lachen]: Nein, unser privater Stil ist das nicht. Die Idee des Box-Videos zu „Red“ ist tatsächlich schon in der Vorproduktion der Nummer entstanden und wir haben gleich an diesen Stil gedacht. Wir haben das Konzept dann einfach weitergesponnen und uns dazu entschieden, die ersten Pressefotos in diesem Stil zu machen. Es ist vor allem am Anfang einer Bandgeschichte immer wichtig aufzufallen – das ist uns ganz gut gelungen.

Ihr Label „Kleio Records“ existiert erst seit Kurzem. Wie ist es, mit so einem neuen Projekt zusammenzuarbeiten und zu den ersten Bands eines Labels zu gehören? 

GDS: Die Möglichkeiten sind natürlich bei einem jungen, kleinen Label wie Kleio Records etwas beschränkter als bei einem großen Label. Wir ließen das aber nie zu einem Problem für uns werden und haben immer schon professionell gearbeitet und das ebenso vom Label eingefordert. Genauso würden wir das auch bei einem größeren Label machen, das macht für uns keinen Unterschied. Wir fühlen uns sehr wohl bei Kleio Records und glauben, dass es ein sehr gelungener Start war. Mal sehen, wohin die Reise noch geht.

„Ein wesentliches Merkmal international erfolgreicher Musik ist Qualität.“

Die Philosophie des Labels ist es, englischsprachige Bands in Österreich zu unterstützen. Genauer gesagt, Bands, die einen internationalen Anspruch haben. Wie würden Sie den internationalen Anspruch in Ihrem Fall sehen und definieren?

GDS: Ein wesentliches Merkmal international erfolgreicher Musik ist Qualität. Sei es Qualität im spielerischen Können, Qualität in der Einfachheit und gleichzeitigen Genialität von Songs oder Melodien – oder schlicht ihre Einzigartigkeit. Die Kunst ist, all das zu vereinen und nach außen zu präsentieren. Unser Anspruch ist und war es immer, Musik zu machen, die hundertprozentig unseren Ansprüchen genügt, ohne uns dabei Grenzen zu setzen oder Trends nachzulaufen.

Gemeinsam mit unseren Produzenten David Furrer und Tom Marsh haben wir das auf unserem Debütalbum geschafft. Wichtig ist für uns aber vor allem auch, dass es sich gut anfühlt und Spaß macht, die Songs live zu performen. Wir entwickeln uns ständig weiter und verfeinern unseren Sound – Stillstand gibt es bei uns nicht. Natürlich wird man dabei auch immer von seinem Umfeld beeinflusst.

Ist es Ihrer Meinung nach wichtig für eine Band, dass man erkennt, aus welchem Land sie kommt? Zum Beispiel bei Bilderbuch: Die Burschen können schon wegen der Sprache, aber auch wegen dem ganz eigenen Schmäh nicht leugnen, dass sie aus Österreich sind.

GDS: Bilderbuch spielen ja absichtlich mit dem wienerischen bzw. österreichischen Schmäh. Bedient man sich absichtlich bei diesen Klischees, dann spielt die Herkunft natürlich eine prominentere Rolle. Oft versuchen Bands aber auch, nach außen hin keine Verbindung zum Heimatland erkennen zu lassen. Bei uns spielt das auf jeden Fall keine Rolle.

War für Sie von Anfang an klar, dass Sie auf Englisch singen, oder haben Sie Versuche unternommen, auch auf Deutsch zu texten?

GDS: Nein, wir haben von Anfang auf Englisch gesungen. Wir fühlen uns sehr wohl mit englischen Texten. Wir finden es ehrlich gesagt etwas feige, wenn Leute plötzlich auf Deutsch singen, nur weil sie sehen, dass deutschsprachige Musik gerade gut funktioniert. Das überlassen wir lieber Bilderbuch oder Wanda – die können das besser.

Die Musik auf Ihrem Debütalbum „Champagne“ ist eine scheinbar zeitlose Mischung aus Indie, Soul, Funk und Pop. Vergleiche wurden unter anderem auch mit den Kooks gezogen. Welche Vorbilder haben für Ihr Debüt wirklich hergehalten?

GDS: Das geht wirklich quer durch den musikalischen Gemüsegarten, aber um einige wenige zu nennen: Foals, Hiatus Kaiyote, Chance the Rapper, Sampha, Action Bronson, Icebird, James Blake und viele mehr.

Was kommt bei Ihnen zuerst: die Lyrics oder die Musik?

GDS: Eigentlich zuerst die Musik. Gleichzeitig wird aber schon an der Melodie gearbeitet. Meist entsteht währenddessen schon die Idee für den Textinhalt, der dann im Laufe der Produktion ausgearbeitet wird.

Im Video zu „Red“ sieht man Sie als passive Zuseher bei einem Kampf der Geschlechter. Wie ist der Clip entstanden und was steckt hinter der visuell extrem ansprechenden Fassade?

GDS: Wie schon erwähnt, ist die Idee für ein Box-Video schon während der Vorproduktion des Songs entstanden. Im Text von „Red“ geht es darum, dass man für seine Ziele und Träume hart kämpfen muss – sowohl als Mann als auch als Frau. So kam es zu der außergewöhnlichen Besetzung. Die visuelle Fassade entstand durch die Zusammenarbeit mit der Regisseurin Martina Trepczyk.

„[…] es lohnt sich, auf den richtigen Moment zu warten.”

Welche Tipps können Sie jungen Musikerinnen und Musikern geben, die gerade in den Startlöchern ihrer Karriere stehen?

GDS: Nichts überstürzen! Gerade wenn es um die erste Veröffentlichung geht, hat man eigentlich alle Zeit der Welt, um seine Arbeit zu perfektionieren. Wir wissen, wie schwer das ist, aber es lohnt sich, auf den richtigen Moment zu warten.

Welche Pläne haben Sie für 2017?

GDS: Sehr viel live spielen und unser Album den Menschen präsentieren. Außerdem wird auch noch ein weiteres Video kommen – und natürlich arbeiten wir schon wieder an neuem Material! GDS over and out!

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Anne-Marie Darok

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