YO!ZEPP, CHRISFADER und TESTA haben es mit ihrem Album „Von Seiten der Gemeinde“ unter die Nominierten für den FM4-Amadeus-Award geschafft. Mit sechzehn Tracks beweisen die drei Musiker ein Gespür für das Unübliche, für die Mundart im Pop, im Jazz, in der Volksmusik. Wer das Ohr mal an den Dialekt gewöhnt hat, wird so manchen Inhalt verstehen.
Man muss sich ja nicht gleich einen Bandnamen ausdenken, nur weil ein Album am Entstehen ist. „Von Seiten der Gemeinde“ ist das Werk dreier Musiker, also warum nicht ausschreiben, wer aller dahintersteckt. Yo!Zepp, Chrisfader und Testa eint ihre Herkunft und ihre Ambition, Dialekt und Mundart ihrer Heimat Tirol in das Gewand ihrer Musik zu packen. Über Jahre hinweg haben sich die drei Freunde abendelang zusammengesetzt, um in den Radioaufzeichnungen diverser regionaler Alltagsgeschichten Sprachsampels für ihr gemeinsames Projekt zu entdecken. Man darf also gut und gerne von einem Konzeptalbum sprechen, das in seiner Einzigartigkeit beeindruckt. Damit haben es die drei Musiker nicht nur in die Vorauswahl der 20 Nominierten für den FM4-Amadeus-Award geschafft, sondern sind in die Runde der letzten fünf gewählt worden.
Aber noch mal zurück zum Ursprung. Schon in Tirol waren die drei Hip-Hop-begeisterten Musiker nicht untätig gewesen und erregten mit ihrer Formation LA Splisz die Aufmerksamkeit der lokalen Szene. Nachdem die Truppe nach Wien übersiedelt war, widmeten sich Chrisfader und Testa Projekten wie dem Restless Leg Syndrome und releasten mit „Swapping Swingers“ eine EP voller beatlastiger, leichtfüßiger Four-to-the-floor-Tracks gepaart mit jazzigen Bläsern. 2009 folgte der erste Versuch von Yo!Zepp, sich vom hochdeutschen Rapp zu entfernen, indem er gemeinsam mit Chrisfader und Testa „Bauer to the People!“ produzierte. Die mit sieben, auch für das geschulte Ohr einer Österreicherin bzw. eines Österreichers schwer verständlichen Tracks vollgepackte EP in Tiroler Mundart erschien auf Duzzdownsan, jenem Wiener Label, das auch heute die Basis der erfolgreichen Zusammenarbeit der drei Tiroler bildet.
„Die Deutsche Sprache ist nicht ganz einfach, gerade in Tirol gibt es ja in fast jedem Tal eine eigene Interpretation davon.“

Zu jedem Track ließe sich eine kleine Abhandlung verfassen, derartig durchdacht und detailverliebt wurde ausgewählt, geschnitten, gerappt und instrumentiert. Auf Tiefgänge folgt ein musikalisches Augenzwinkern, ein Genre jagt das nächste. Dieses Album muss man gehört haben, da muss man hinhören und am besten ganz genau zuhören, um zu erkennen, dass es mehr als verdient nominiert und bisher sogar unzureichend rezipiert wurde. Hier ist ein Stück österreichische Musikkultur entstanden, die vielleicht auch bald mit dem österreichischen Musikpreis versehen wird.
Lucia Laggner
Fotos © Derryl Danston