FUZZYBRAINS ist ein Duo aus Wien. „The Less I Know“ ist der Titel des Debütalbums, das am 18. November 2022 auf SEAYOU RECORDS erschienen ist. Während die Rhythmusgruppe stark von Funk und Soul inspiriert ist, transportieren Rhythmik und Synthesizer Programmierung die Atmosphäre in Richtung Trip Hop. Sobald die Stimmen von Amalia Hauser und Benjamin Steiger einsetzen, gibt es jedoch keinen Zweifel an der Gegenwärtigkeit der Produktion.
Schließt man die Augen, sieht man Amalia Hauser und Benjamin Steiger vor einer Glaskugel sitzen, während sie den Hörer:Innen die Zukunft ins Ohr hauchen. Genauer gesagt erzählen die Songs von den derzeit gängigen Themen wie Angst, Verlorenheit, Einsamkeit und Depression. Die Zukunft, oder besser gesagt die Aussicht auf eine glückliche solche, legt sich wie ein grauer Schleicher über sämtliche Wahrnehmung und lässt die Musik wie in einem hypnotischen Dauerzustand erklingen.
Der Instrumentalpart strahlt Spielfreude aus, erinnert hier und da ein wenig an The Cure, und ist ein Kontrast zu den Vocals. Die Melodieführung verharrt im antriebslosen energiesparenden unteren Register, mit einer Tendenz zum Fallen. Denn in den Fuzzybrains scheinen alle Emotionen glattgebügelt. Keine Höhepunkte. Dafür aber konstant. Zwischen „lost“ und „love“ liegt oft nur ein Halbton. So kommt das Album auch wie ein langes Mixtape daher, deren Formteile sich durch einen interessanten Wechsel der beiden Vokalisten voneinander abheben und niemals eintönig wird.
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Die fröhlichste Nummer, quasi der „Sommerhit“ des Albums ist „Outside Again“. Im Video läuft Sänger und Gitarrist Benjamin Steiger durch die vom Lockdown leergefegten einsamen Gassen Venedigs. Mit Sicherheit eine einmalige Erfahrung. Bringt einen aber auch nur bedingt auf andere Gedanken und erheitert das Gemüt auf ähnliche Weise wie der Sommerurlaub im Krankenbett.
Ans Bett gefesselt, scheint jedenfalls die passende Metapher für „Lost“ zu sein. Im Video zum Song treiben die Beiden regungslos auf Matratzen im dunklen Ozean bis sie rücklings in die Tiefe sinken. Das Gesangregister hat hier in den dystopisch erzählenden Strophen auch den Grund erreicht.
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Vielleicht kommt daher die Gewissheit, dass alles auch wieder aufwärts gehen wird. Die Hoffnung schimmert durch den Nebel der Depressionen. Bleibt einem auch nicht viel anderes übrig, als sich an das “neue Normal“ zu gewöhnen.
Dominik Beyer
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