freiStil feiert 5-jähriges Jubiläum

freiStil, das Magazin für Musik und Umgebung, feiert in diesem Jahr sein 5-jähriges Bestehen. Ein in der sich heutzutage sehr schnell verändernden Medienwelt höchst erfreulicher Umstand, denn nicht wenige ambitionierte Musikmagazine mussten während dieser Zeit ihre Segel streichen. Geboten wird den LeserInnen qualitativ hochwertiger analytischer Musikjournalismus, der in die Tiefe gehend, ein umfassendes Bild über aktuelle Entwicklungen abseits des Mainstreams zu zeichnen versucht. Anlässlich des Jubiläumsjahrs veröffentlicht freiStil die CD-Compilation “DAMN! freiStil-Samplerin #2”.  Gefeiert wird natürlich auch. So etwa im Rahmen eines Konzertabends am 9. Dezember im Blue Tomato. Auf dem Programm steht Improvisierte Musik auf höchstem Niveau, dargebracht von einer bunt zusammengewürfelten Truppe, bestehend sechs namhaften MusikerInnen.

freiStil hebt sich in angenehmer Art und Weise von vielen hierzulande erscheinenden Musikmagazinen ab. Den RedakteurInnen und JournalistInnen geht es nicht um irgendwelche Trends oder Strömungen. Nein, hier steht alleine die Musik im Vordergrund. Platz finden auf den Seiten des in Wels ansässigen Magazins alle erdenklichen Spielarten moderner Musik. Egal ob es sich nun um experimentelle Musik, Improvisation, Jazz, Elektronik, Rock oder Pop handelt, die Verantwortlichen von freiStil haben es sich zur Aufgabe gemacht, in ihrem Blatt jenen MusikerInnen, Bands und Ensembles eine Öffentlichkeit zu bieten, denen eine Erwähnung in handelsüblichen Gazetten, aus welchen Gründen auch immer, versagt bleibt.

Die heute mehr als 1.000 AbonnentInnen (Tendenz steigend) aus ganz Österreich und dem mehr oder weniger benachbarten Ausland sprechen eine eindeutige Sprache. Die Leute wollen auch über Dinge und Entwicklungen abseits des Massengeschmacks informiert werden. Sie wollen auf Neues und bisher Unbekanntes gestoßen werden. Ebenso große Anliegen des Magazins sind die Präsentation neuer spannender Kunsträume, die Vorstellung kleiner, idealistisch agierender Platten-Labels sowie eine tiefgehende Auseinandersetzung mit  jugendlicher Kunst.

Zur Illustrierung und Untermauerung dieser Anliegen verfassten die Magazinbetreiber ein Manifest, welches lautet:

„Eine Zeitschrift kann, ebenso wie eine Zeitung oder ein Buch oder jedes andere didaktische Ausdrucksmittel, das im vorhinein auf eine bestimmte Zielgruppe von Lesern, Zuhörern usw. ausgerichtet ist, nicht alle im gleichen Maße befriedigen, nicht für alle im gleichen Maße nützlich sein usw.: es kommt darauf an, dass sie auf alle anregend wirkt, denn keine Publikation kann das denkende Hirn ersetzen oder dort intellektuelle oder wissenschaftliche Interessen aus dem Boden stampfen, wo allein Interesse an Kaffeehausklatsch vorhanden ist … “ (aus: Antonio Gramsci, Gefängnishefte; Gedanken zur Kultur, 1932)

Wer hätte vor fünf Jahren gedacht, dass das gutgeht? Wer hätte gedacht, dass der Arbeits-, der gedankliche und erst recht der finanzielle Aufwand bewältigbar sind? Dass sich ein interessiertes, sympathisierendes und zahlendes Publikum dafür findet? Dass die Luft dafür ausreicht, der Atem lang genug hält, um fünf Jahre lang im Zweimonatsrhythmus 20-32 Seiten speziell für experimentierlustige Musiken zu fabrizieren?

Fünf Jahre ist es nun her, dass die Operation freiStil aus dem Jazzlive hervor- und einen, zwei, viele Schritte weiter geht. Mitstreiterinnen, Förderinnen, Abonnentinnen, Inserentinnen, Sympathisantinnen machen sich fürs Heft stark. Ein Netzwerk aus Clubs, Veranstalterinnen, Labels und Verkaufsstellen ist ein sicherer Schutz vor Prostitution und Doppelbödigkeit in diesem oft gespenstisch prostitutiven und doppelbödigen Land. Umgeben von einer Wüste aus Ignoranz, Borniertheit und dem öden Kommerz diverser Gratisgazetten werden ästhetische, soziale, politische Diskussionen angeregt, „ohne das denkende Hirn zu ersetzen“.

Werden die feministische Serie „beschreiblich weiblich“ (später umbenannt in „hall of femmes“), die daraus generierten Doppel-CD-Samplerin Damn!, die mit Räumen befasste Reihe „space is the place“, „gestaltende Gestalten“ junger bildender Kunst, die „kleine Labelkunde“ und einiges andere mehr (man erinnere sich an „hey hey, my my“ oder ans „Made in Japan“-Tourtagebuch!) an den Haaren in der Suppe der Kostverächter herbeigezogen. Die bescheiden gehaltene Internetpräsenz verdankt sich Dieter Kovacics klingt.org-Plattform – auch so eine Freischärlerinnen-Homebase, die, immun gegen Korruption und andere Zumutungen, autonom dahinwerkt. freiStil: ein Hybrid aus Fanzine, Wissenschafts- und Selbstermächtigungs-Magazin, aus Illustrierter, Special-Interest-Zeitschrift und Agit-Prop. Ein Bastard – und hoffentlich inglorious –, mit Hingebung und Liebe gemacht von einem Team*, für das sich ähnlich gesinnte Redaktionen sämtliche Finger abschlecken können.

Unter diesen Bedingungen, prekär aber prägnant, reißen wir Freizeitmagazinmacherinnen uns für die besten Musiken der Welt den Popo auf. An Perspektiven mangelt es nicht, Pläne werden permanent gewälzt. Die Lust an der Aufklärung blüht unvermindert, die Emanzipation wird mit Hirn und Ei vorangetrieben, die Erotik der Kritik lebe hoch! freiStil, Magazin für Musik und Umgebung: Die Charmeoffensive der Partisaninnen pflegt auch in den nächsten fünf Jahren die Ästhetik des Widerstands, strebt nach Freiheit, bemüht sich um Stil. Es gibt viel zu tun.

Ganz den Idealen der Magazinbetreiber entsprechend gestalten sich auch die anstehenden Jubiläumskonzerte in Wien (9.12), Wels (10.12) und Graz (16.12). So etwa führt der eröffnende Konzertabend im Blue Tomato die BesucherInnen in die facettenreiche Welt der improvisierten Musik. Dabei in wechselnden Konstellationen auf der Bühne zu sehen sind Isabelle Duthoit (Klarinette, Stimme), Ute Völker (Akkordeon), Uli Winter (Cello),  Cordula Bösze (Inversflöte), Susanna Gartmayer (Bassklarinette) und derhunt (Bass). (mt)