„ES IST WIE, ALS WÜRDEN WIR STOLPERN UND DANN PASSIERT IRGENDWAS“ – TOPSY TURVY im Mica-Interview

Punkige Attitude und DIY-Anspruch – das sind TOPSY TURVY alias Theresa Strohmer (Gitarre), Victoria Aron (Bass) und Lena Pöttinger (Schlagzeug). Das St. Pöltner Trio gibt am 14.6.2024 auf Siluh Records mit „Butt Sore“ sein Debüt, geprägt von einem vielfältigen Soundkosmos, der auf Amerikas Westküste eingefangen und von TOPSY TURVY zu einem Album transformiert wurde. Produziert wurde das Album von PETER T., den man bereits von EUROTEURO kennt. Wieso es für gute Songs manchmal eine Flasche Sangria braucht, woher die vielen verschiedenen Einflüsse kommen und ob der Name wirklich Programm ist, haben TOPSY TURVY im Interview mit Katharina Reiffenstuhl verraten.

Ich bin mir sicher, ihr hattet auch vor der Gründung eurer Band schon einen persönlichen Bezug zur Musik. Aus welchen musikalischen Ecken kommt ihr?

Theresa Strohmer: Bei mir war es viel klassischer Rock’n’Roll und Musik aus den 60ern und 70ern. 

Lena Pöttinger: Mein Papa war immer sehr musikinteressiert und hat auch viel klassischen Rock’n’Roll und punkige Musik gehört. Meine Schwester und ich haben das dann anfangs sehr verweigert, weil er das cool fand. (lacht) Da wollten wir dann erst recht Kronehit hören. Irgendwann haben wir dann realisiert, dass das doch gute Musik ist, und haben dorthin zurückgefunden.

Victoria Aron: Ich komme auch aus einem sehr musikalischen Haushalt, aber ganz anders. Meine Mama hat klassischen Gesangsunterricht gegeben und auch selbst in einer Coverband gesungen. So gesehen habe ich den Zugang zu etwas alternativerer Musik nicht über meine Familie kennengelernt. Ich habe später mit 16 angefangen, Punk und Rock’n’Roll zu hören. Das war voll meins. Wir drei sind mit einem ziemlich leichten Zugang zusammengestoßen, daraus haben wir dann etwas Eigenes gemacht.

Eure erste Single ist im März erschienen, das komplette Album kommt gleich drei Monate später. Das ist schnell gegangen. Wie lange gibt es euch denn schon?

Theresa Strohmer: Im Februar waren es eineinhalb Jahre. Im Februar 2023 haben wir unser erstes Konzert gespielt, die paar Monate davor haben wir geprobt und Songs geschrieben. Ab da haben wir dann ziemlich viel live gespielt, sodass wir uns letzten Winter gedacht haben, jetzt wäre es mal cool, etwas aufzunehmen. Das hat dann mit dem Flo (Anm.: Peter T.) ganz zufällig funktioniert und wir haben im März die erste Single rausgebracht. Heute tatsächlich die zweite. Es geht wirklich schnell, es ist wie, als würden wir stolpern und dann passiert irgendwas.

Theresa und Lena, ihr seid auch Teil der Band LAUNDROMAT CHICKS. Was ist bei TOPSY TURVY anders?

Lena Pöttinger: Dass wir die Musik selbst schreiben. Bei LAUNDROMAT CHICKS schreibt vor allem der Tobi (Anm.: Tobias Hammermüller), jetzt auch immer mehr ein bisschen die Resi. Aber TOPSY TURVY ist von uns allen das Herzensprojekt, wo wir alle Input reingeben. 

Theresa Strohmer: Ich merke vor den Shows, es ist viel persönlicher. Mit TOPSY TURVY ist es viel aufregender, ein Konzert zu spielen, weil es die eigenen Sachen sind und alles von uns kommt. Aber ich möchte beides nicht missen. Ich finde es genauso cool, wie entspannt und routiniert so ein LAUNDROMAT CHICKS – Konzert abläuft. Gleichzeitig finde ich auch die Abwechslung cool, bei TOPSY TURVY passiert immer irgendwas und wir überlegen jedes Mal selbst, was wir heute machen und was für Ideen wir heute haben.

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TOPSY TURVY bedeutet “chaotisch”. Der Name wurde also bewusst gewählt.

Theresa Strohmer: Ja. Ich habe hier irgendwo diese „Mr. Men & Little Miss“ Bücher stehen. Da gab es den Mr. Topsy Turvy und ich habe mir gedacht “He, TOPSY TURVY passt voll gut, da können wir machen, was wir wollen!”(lacht)

Victoria Aron: Das lässt noch alles offen.

Stimmt es, dass ihr eure Bühnenoutfits selbst schneidert?

Theresa Strohmer: Die Lena.

Lena Pöttinger: Ich habe eine dreijährige Schneiderausbildung gemacht, also zuerst Modekolleg und dann die Masterclass für Bühnenkostüm. Ich war eigentlich nicht mal so gut, meine Lehrer haben mich immer voll gestresst und meinten “Du bist so langsam, bla bla bla”. Jetzt fürs neue Album habe ich unsere Outfits in zehn Tagen genäht, da war ich richtig stolz. Ich wollte das immer verbinden, das war eigentlich immer mein Traum. Früher dachte ich, dass ich für Filme Kleidung machen möchte, aber eigentlich am liebsten eh für meine eigene Band. Weil die Resi und die Vici total offen dafür sind, funktioniert das halt auch super. Das wertet die Bühnenpräsenz schon noch einmal auf.

Ist euch das sehr wichtig, aufzufallen und unique zu sein?

Lena Pöttinger: Ja, schon. So macht es auch mehr Spaß einfach.

Theresa Strohmer: So hat man einen gewissen Wiedererkennungswert. Ich habe das Gefühl, es ist auch einfacher, sich aufs Konzert einzustellen. Das ist wie ein Ritual: Anziehen, schminken – und jetzt sind wir TOPSY TURVY. Es wäre komisch ohne mittlerweile. 

Victoria Aron: Es ist auch einfacher, weil man sich nicht überlegen muss, was man anzieht. Man weiß es genau, alles ist vorgefertigt. 

Wie ist die Zusammenarbeit mit PETER T. entstanden, der euer Album produziert hat?

Theresa Strohmer: BAD WEED Release-Show. Unser erstes Konzert. Das war ein bisschen irgendwas. Und dann ist er zu uns gekommen und hat gesagt “Ich will jetzt im Studio ein paar Bands recorden, hättet’s ihr Lust?”. Und wir waren so “Ja, jaja”, aber haben das nicht ganz ernst genommen. Dann hat er uns auf Instagram nochmal geschrieben, wir haben uns getroffen und das war eine richtig schöne Erfahrung. Das hat richtig gut funktioniert und war einfach ein richtig guter Zufall

Topsy Turvy © Anja Pöttinger

Euer Sound klingt sehr nach American-West-Coast-Surfer-Lifestyle. Spiegelt euch das wirklich wider oder ist das ein rein musikalischer Einfluss?

Victoria Aron: Das spiegelt uns schon auch wider, oder?

Lena Pöttinger: Ja.

Inwiefern denn?

Theresa Strohmer: Ich finde tatsächlich, mich spiegelt das gar nicht wider. Ich bin richtig in dieser britischen Musik drin. Ich kann mit diesem Lifestyle bzw. der Optik von dieser Surfmusik eigentlich wenig anfangen. Darum finde ich es sogar einfacher, das zu machen.

Victoria Aron: Ich glaube schon, dass ich mich damit identifizieren kann, weil es einfach lange meine Musikrichtung war, die ich gerne gehört habe und auch immer noch höre. Ich finde den surfy Vibe einfach cool. Aber man merkt ja auch jeweils die einzelnen Einflüsse von uns.

„MAN KANN SCHON ETWAS ERWARTEN VOM ALBUM, ABER IRGENDWIE WIRD ES DOCH ANDERS“

Warum habt ihr “Marcelino” zum Focustrack gemacht?

Lena Pöttinger: Ich finde, es ist einfach ein sehr sommerliches Lied. Deswegen passt das ganz gut. Es ist auch so anders zu “Oh So Calm”, aber ich finde es cool, dass die Singles so unterschiedlich sind, damit es spannend bleibt und nicht wirklich etwas über das Album verrät.

Victoria Aron: Man kann schon etwas erwarten vom Album, aber irgendwie wird es doch anders.

Theresa Strohmer: Es ist nochmal so kurz und knackig dazwischengehaut, zwischen Single- und Album-Release. Ein kleines Lied, das sommerlich und fröhlich ist. 

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Hat das Album für euch einen roten Faden?

Theresa Strohmer: Das sind so die ersten Lieder, die wir je geschrieben haben. Dann sind auch neue Sachen dabei, Sachen, die uns im Studio eingefallen sind. Man merkt auch, finde ich, wie sich das verändert hat. Da sind dann teilweise mehr Country-Elemente drinnen, als wir anfangs geplant haben. Und trotzdem – wenn ich mir die Tracks in der Reihenfolge anschaue, macht das alles Sinn. Es war nicht im Vorhinein überlegt, aber im Nachhinein ergibt es Sinn.

Ihr habt euch mit „Toads On The Roads“ auch einen kleinen Abstecher zu Blues nicht nehmen lassen. Wie ist der Song entstanden?

Lena Pöttinger: Da sind die Resi und ich zusammen bei mir im Zimmer gesessen, waren ein bisschen betrunken und haben dann einfach so zusammen musiziert. (lacht) Daneben ist ein Buch von mir gelegen, da hat die Resi einfach daraus vorgelesen und spontan mitgesungen.

Victoria Aron: Das ist auch genau die Aufnahme geworden.

Theresa Strohmer: Die Aufnahme ist so halb im Bett, unter der Decke. Sangria haben wir uns gekauft, ge? Wir wollten dann auf eine Party gehen und haben das schnell aufgenommen. Ich schicke das in die Gruppe rein, und die Vici sagt: “Was ist das bitte für ein arger Sound?”. Und ich so “Ja, das war leider unter der Bettdecke”. Die Vici meinte “Na, das ist ur cool, das nehm’ ma genau so”. Dann haben wir mit dem Flo gemeinsam entschieden, dass das lustig wäre, wenn das am Album mit drauf wäre.

Victoria Aron: Da haben wir echt erst in den letzten Tagen entschieden, dass wir das dazu hauen. 

Also hat es wirklich die Originalaufnahme von damals aufs Album geschafft?

Theresa Strohmer: Ja, das ist die einzige, die es gibt. Wir konnten es auch bis jetzt nicht rekonstruieren. 

„DEN LEUTEN GEFÄLLT ES IMMER, WENN ES EIN BISSCHEN UNERWARTET UND CHAOS IST“

Welcher Song auf dem Album macht euch am meisten Spaß?

Victoria Aron: “Butt Sore”.

Lena Pöttinger: Ich glaube, für mich ist “Dressless” am coolsten, weil ich da das Schlagzeug so gerne mag.

Theresa Strohmer: Bei mir ebenfalls “Butt Sore”.

Was macht “Butt Sore” besonders? Ihr habt ja auch das Album so genannt.

Victoria Aron: Ich finde das Lied einfach superlustig, der Vibe stimmt und man kann dazu tanzen, wenn man spielt. Das ist auch meistens unser Schlusslied, wenn wir live spielen. Auch den Leuten gefällt es immer, wenn es ein bisschen unerwartet und Chaos ist, und trotzdem ist es aber irgendwie harmonisch. Vom Spielen her ist es auch der einfachste Song.

Theresa Strohmer: Es ist aber immer anders und das macht es so lustig. Ich habe das Gefühl, da spielen wir gemeinsam. Nicht jeder für sich, sondern man schaut, was die anderen machen. 

Victoria Aron: Es war auch voll lange ohne Struktur, also wir haben das ein halbes Jahr gespielt, ohne, dass wir einen Aufbau gehabt haben. Es hat funktioniert.

Wie wird “Toads on the Roads” eigentlich live gespielt? Nehmt ihr eine Decke mit auf die Bühne?

Lena Pöttinger: Das geht schon. Wir müssen es halt noch fertig schreiben. (lacht)

Theresa Strohmer: Es wird anders klingen, aber wir werden es bei der Release-Show auf jeden Fall schaffen. Ob mit oder ohne Bettdecke.

Dankeschön für das Gespräch!

Katharina Reiffenstuhl

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Links:
Topsy Turvy (Instagram)