„ES IST DIE BESTE ART VON INKLUSION, NICHT ALS INKLUSIVE BAND ANGEKÜNDIGT ZU WERDEN“ – MONKEYS OF EARTH IM MICA-INTERVIEW

Diese Rockband aus Wien lebt Gleichberechtigung: bei MONKEYS OF EARTH sind Menschen mit und ohne Behinderung aktiv. Jürgen Plank hat mit Gitarrist ANTTI KAIKKONEN, der den Laden zusammenhält, und mit Sängerin MANUELA HAUER über das Musikmachen als Empowerment genauso gesprochen wie über die gesellschaftskritischen Texte der Band. Zwischen eigenen Liedern finden sich Covers von AC/DC, RAMONES, DIE ÄRZTE – und auch eine rockige Version von WHAMs „Last Christmas“: RON PFENNIGBAUER spielt bei MONKEYS OF EARTH Bass und singt, LAURA RAMBOSSEK ist am Keyboard und MARKUS KRANZLER (Schlagzeug) komplettiert die Band. Demnächst wird das zehnjährige Bühnenjubiläum mit einem Konzert in Wien gefeiert.

Wie habt ihr vor 10 Jahren mit Monkeys Of Earth begonnen?

Manuela Hauer: Im Jahr 2016. Am Tannhäuserplatz. Dort ist unser Proberaum. Mit Philipp, Laura, Yvonne, Eugen, Antti und Manuela. Schlagzeug, Bass, E-Gitarre und Gesang. Markus am Schlagzeug. Und Ron.

Antti Kaikkonen: Genau, wir haben schon mehrere Proberäume gehabt. Wir haben am Tannhäuserplatz geprobt, auch im t-on. Wir haben in unserem Verein Integration Wien gefragt: wer möchte eine Band gründen? Dann haben sich die Genannten gemeldet, die ursprüngliche Idee war, dass wir die Band für ein oder zwei Semester machen und dann ein Konzert spielen. Aus den zwei Semestern ist eine viel längere Zeit geworden.

Ein Lied von euch trägt den Titel „Gleichberechtigung“ und ist ein gesellschaftspolitisches Statement.

Antti Kaikkonen: Unser Sänger und Bassist Ron hat den Text geschrieben, gemeinsam mit meinem ehemaligen Kollegen Eugen. Die Musik haben wir miteinander gemacht. Das ist ein aussagekräftiges Lied von Ron, er ist auch politisch aktiv und setzt sich für die Rechte von Menschen mit Behinderungen, für deren Gleichberechtigung, für Akzeptanz und gegen Diskriminierung ein.

Zum Thema Gleichberechtigung: habt ihr im Musikbereich Formen von Diskriminierung bemerkt?

Antti Kaikkonen: Die Leute, die uns buchen, wissen wer wir sind und sind auf uns vorbereitet. Ich kann mich nicht erinnern, dass bei den Konzerten mal jemand ungut gewesen wäre.

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Wie entsteht bei euch die Musik zu den Texten?

Antti Kaikkonen: Unsere Lieder sind meistens beim gemeinsamen Jammen entstanden. Wir spielen miteinander und dann entsteht ein Riff und Manuela singt vielleicht etwas dazu. Ich versuche immer mitzuschneiden, und wenn eine Phrase gelingt, dann können wir sie gleich anhören. Unser „Demo Song“ zum Beispiel ist beim Jammen entstanden. Dann haben wir den Text, den Manuela gesungen hat, in einem Studio aufgenommen. Wir haben die Lieder auf den Streaming-Plattformen veröffentlicht.

Inhaltlich seid ihr kämpferisch, politisch und gesellschaftskritisch. Da ist natürlich Punk eine Musikrichtung, die sich anbietet. Ihr spielt auch Reggae, eine Musikrichtung, die historisch ebenfalls für Widerstand und Protest steht. Wie kam es, dass ihr aber hauptsächlich in Richtung Punk geht?

Antti Kaikkonen: Was wir spielen, entscheiden wir in den Proben. Der „Hausmeister Reggae“ ist durch einen Jam entstanden, als wir zur Abwechslung mal einen Reggae gespielt haben. Manuela hat dazu immer wieder „Hausmeister“ gesungen und so ist das Lied entstanden. Wir planen da nicht vor, sondern das entsteht alles beim Musizieren.

Bild der band Monkeys of Earth
Monkeys of Earth © Christopher Mavrič

„WIR HABEN MIT EINIGEN COVERS BEGONNEN, ZUM BEISPIEL 'BLITZKRIEG BOP' VON DEN RAMONES UND 'HIGHWAY TO HELL' VON AC/CD“

Trotzdem habt ihr irgendwann mal entschieden, dass ihr nicht etwa Soft-Pop, sondern Punk spielen wollt.

Antti Kaikkonen: Die Mitglieder haben sich bei der Gründung darauf geeinigt: Ron ist sehr in Richtung Rock, Punk und Metal orientiert. Der Gitarrist und der Schlagzeuger waren damals auch auf dieser Schiene. Laura, unsere Keyboarderin, kommt tatsächlich von der Klassik, das ist auch spannend. Sie hat sich aber sehr schnell wohl gefühlt mit unserem Stil. Wir haben mit einigen Covers begonnen, zum Beispiel „Blitzkrieg Bop“ von den Ramones und „Highway To Hell“ von AC/CD.

Ihr spielt auch Songs von der deutschen Band Die Ärzte. Was gefällt dir an dieser Band?

Manuela Hauer: Gefällt mir gut. „Schrei nach Liebe“. [Anm.: singt das Lied „Schrei nach Liebe“]

Wie ist die Szene inklusiver Bands in Österreich?

Antti Kaikkonen: Ich kenne die Szene nicht sehr gut, aber ich kenne schon einige inklusive Bands in Wien. Zum Beispiel die All Stars Inclusive Band von der Uni Wien. Dann kenne ich ein DJ-Kollektiv, Fire Fly, das Menschen mit Behinderungen zu DJs ausbildet. Mir kommt vor: Wenn man zu Mainstream-Veranstaltungen geht, sieht man eher selten inklusive Bands. Ich mag es lieber, wenn wir uns nicht als inklusive Band, sondern einfach als Band für ein Konzert oder ein Festival bewerben. Es ist die beste Art von Inklusion, nicht extra als inklusive Band angekündigt zu werden. Sondern, dass wir einfach so zur Veranstaltung kommen wie wir sind und dann taugt es den Leuten oder nicht. Aber meistens schon.

Booker:innen wissen natürlich, welche Band sie booken und somit ist es für die Veranstalter:innen immer klar, wer ihr seid. Wie wichtig ist die IGMI Österreich [Anm.: Interessensgemeinschaft Musik Inklusiv]? Die schreibt in einem Impulspapier, an dem auch euer Bandmitglied Ron Pfennigbauer mitgearbeitet hat: „Jeder Mensch darf am musikalischen Leben teilnehmen“.

Antti Kaikkonen: Ich finde es grundsätzlich super, wenn mehr in die Richtung von Menschen mit Behinderungen gearbeitet wird und mehr inklusive Bands bei nicht-inklusiven Events dabei sind. Damit mehr inklusive Bands vom Mainstream gebucht werden. Ich finde es wichtig, dass die Sichtbarkeit zunimmt. Es muss nicht groß angekündigt werden, dass es um eine inklusive Band geht.

Bild der band Monkeys of Earth
Monkeys of Earth © Christopher Mavrič

Gibt es ausreichend Möglichkeiten für euch Konzerte zu spielen? Werdet ihr in Radios gespielt oder ist es eher schwierig wahrgenommen zu werden?

Antti Kaikkonen: Ich finde, es gibt viel Interesse an uns, und oft bekommen wir nach einem Konzert eine Anfrage für ein nächstes Konzert. Oft von Instanzen, die für Inklusion und ähnliche Werte stehen. Aber auch Leute, die einfach sehen, dass wir auf der Bühne eine gute Stimmung machen.

Wo habt ihr bereits überall gespielt, Manuela?

Manuela Hauer: Wir haben bei einem Nirvana-Abend gespielt. Im WUK, beim Volksstimmefest. Kaffeehaus 7stern. Arena Wien.

Antti Kaikkonen: In der Arena haben wir zwei Mal gespielt.

Manuela Hauer: Beim Ute-Bock-Cup am Sport-Club-Platz.

Was war für dich der bisher schönste Auftritt?

Manuela Hauer: Am Sportclub-Platz.

Der Fußballverein Wiener Sport-Club ist insbesondere dafür bekannt, dass er eher linke, politisch interessierte, gesellschaftskritische Fans hat. Seid ihr deshalb zu diesem Auftritt gekommen?

Antti Kaikkonen: Manu ist eine wichtige Person auf der Friedhofstribüne am Sport-Club-Platz. Sie ist da schon seit Jahren dabei und hat ein eigenes Plakat auf der Friedhofstribüne.

Manuela Hauer: Schon lange. Ich fahre auch bei den Auswärtsspielen mit.

Antti Kaikkonen: Da muss ich schon einen Gruß an den Sport-Club schicken. Das ist der inklusivste Verein, den ich kenne. Die werben gar nicht mit Inklusion, aber sie machen das einfach super. Und wir passen da gut ins Konzept.

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Rund 8 Prozent der Menschen in Österreich haben eine Behinderung. Würdet ihr sagen, dass behinderte Künstler:innen in Österreich ausreichend repräsentiert sind?

Antti Kaikkonen: Von Künstler:innen, die man im Fernsehen sieht, sind nicht 8 Prozent mit Behinderung, das ist klar.Es gibt in diesem Bereich sicherlich alle möglichen Hürden. Dass wir zum Musizieren kommen, kann zum Beispiel schon eine Hürde sein. Wenn man Rollstuhl-Fahrer:in ist, kann es schwierig sein, zur Probe zu gelangen. Unser erster Gitarrist war Rollstuhl-Fahrer und da muss man darauf schauen, dass man einen barrierefreien Proberaum hat. Da gibt es nicht so viele. Das ist eine konkrete Hürde, denn Proberäume sind oft im Keller.

Welche Hürden gibt es noch für euch?

Antti Kaikkonen: Dann gibt es Leute mit kognitiven Beeinträchtigungen, bei denen man schauen muss, dass sie zur Probe begleitet werden. Eine solche Art von Unterstützung brauchen manche. Überhaupt ein Instrument zu erlernen: da braucht es von den Eltern eine Initiative.

In Proben und bei Konzerten geht es darum, einen Song immer wieder – zumindest ähnlich – zu reproduzieren.

Antti Kaikkonen: Unsere Musiker:innen sind da top, die haben ein gutes Verständnis von Musik. Die Keyboard-Spielerin Laura, zum Beispiel, kann nichts sehen, aber sie spielt alle Stücke nach dem Gehör. Wenn ich ihr die Akkordfolge ein Mal sage, weiß sie die für immer. Unser Bassist Ron hat erst spät angefangen mit dem Bass, hat aber sehr schnell gelernt. Er hat ein gutes musikalisches Verständnis und kann es hören und korrigieren, wenn er mal falsch spielt. Laura studiert am Konservatorium Klavier und kann wunderschön Chopin und Schubert spielen. Am Konservatorium sagen ihr die Lehrer:innen zum Teil die Noten vor und sie nutzt ein Diktiergerät. So lernt sie dann die Stücke zu Hause. Bei unseren Bandstücken ist das nicht so, sie sagt, dass unsere Punk-Songs viel leichter zu spielen sind. Sie kann die Akkorde auch heraushören, sie hat ein perfektes Gehör und weiß dann schon, wie sie sich mit dem Keyboard ins Arrangement einfügt. Zu den Proben und Konzerten muss sie begleitet werden. Es wäre hilfreich, wenn es da für behinderte Menschen ein Taxi-Service geben würde.

Ihr spielt unter anderem ein Lied von der Gruppe Wham, nämlich „Last Christmas“. Wie kam es dazu?

Antti Kaikkonen: Wir produzieren für unsere Follower:innen in den sozialen Medien jedes Jahr einen musikalischen Weihnachtsgruß. Das ist jedes Jahr ein anderes Weihnachtslied. Wir haben auch bei der Licht ins Dunkel-Gala ein Weihnachtslied gespielt, wir werden von Lichts ins Dunkel finanziell gefördert.

Ihr habt einige Lieder auf den Streaming-Plattformen veröffentlicht. Gibt es bereits Rückmeldungen?

Antti Kaikkonen: Wir haben die Lieder kurz vor Weihnachten 2025 hochgeladen, aber ich glaube, wir sind noch unter 1000 Aufrufen auf Spotify.

Bild der Band Monkeys of Earth live
Monkeys of Earth © Christopher Mavrič

Improvisiert ihr die Texte auf der Bühne, in der Live-Situation?

Antti Kaikkonen: Der „Hausmeister Reggae“ ist ein Lied, bei dem wir den Text bei jedem Konzert neu erfinden. Es gibt eine Live-Aufnahme, die wir auf Spotify veröffentlicht haben. Die meisten Textpassagen sind gleich, aber Manuela improvisiert oft bei den Konzerten. Das ist auch für mich ein spannender Moment, in dem ich nicht weiß, was entsteht.

„UNSER NÄCHSTES KONZERT IST IM TÜWI“

Welche Musik hörst du gerne, Manuela?

Manuela Hauer: Rockbands, die Ärzte, Rasmus. Auch die Kelly Family. Backstreet Boys, Angelo Kelly, EAV und Jazz-Gitti. Sigi Maron. Andreas Gabalier brauchen wir nicht.

Was macht dir am meisten Spaß bei Monkeys Of Earth?

Manuela Hauer: Schön, mir gefällt’s. Unser nächstes Konzert ist im Tüwi.

Habt ihr dort schon mal gespielt?

Manuela Hauer: Ja, super gespielt. Viele Leute. Gejubelt, nicht gekreischt.

Antti Kaikkonen: Wir haben beim Tüwi-Fest gespielt, im Türkenschanzpark, letztes Jahr. Die haben uns gefragt, ob wir spielen wollen. Jetzt spielen wir im Tüwi-Beisl das Konzert zu unserem zehnjährigen Jubiläum.

Welche Lieder werdet ihr am 26. März im Tüwi-Beisl spielen?

Manuela Hauer: „Gleichberechtigung“, „Hausmeister Reggae“. Etwas von Blur. Und das war’s.

Herzlichen Dank für das Interview.

Jürgen Plank

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Live:
26.3.2026, 19h, Tüwi-Beisl, Nedergasse 27, 1190 Wien

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Links:
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