Bild Simone Kopmajer
Simone Kopmajer (c) Tina Reiter

„ES HAT SICH GUT ANGEFÜHLT, DAS ALBUM JETZT ZU VERÖFFENTLICHEN“ – SIMONE KOPMAJER IM MICA-INTERVIEW

Bevor ihre Karriere auch in Europa Fahrt aufgenommen hat, war SIMONE KOPMAJER schon in Asien berühmt. Aus dem Corona-Lockdown meldet sich die steirische Jazzsängerin mit dem Album „My Wonderland“ (Schallter Records) zurück. Im Interview mit Jürgen Plank erzählt SIMONE KOPMAJER, warum das Album früher als geplant erscheint und warum sie sich für das neue Album mit Latin-Jazz und Bossanova auseinandersetzen wollte. Zudem berichtet die Jazzsängerin von der Zusammenarbeit mit dem Saxofonisten Terry Myers, der mit so berühmten Musiker*innen wie Ray Charles und Natalie Cole gespielt hat.

Wie wäre die Veröffentlichung von „My Wonderland“ geplant gewesen und warum haben Sie sich dafür entschieden, das Album jetzt zu veröffentlichen?

Simone Kopmajer: Die Veröffentlichung wäre später vorgesehen gewesen, wahrscheinlich erst am Anfang des nächsten Jahres. Aber weil Corona uns so viel Zeit gegeben hat, haben wir es jetzt fertig gestellt. Ich fand die intensive Arbeit am Album schön. Aufgenommen haben wir es schon im Jänner mit dem amerikanischen Saxofonisten Terry Myers, als der hier in Österreich mit uns auf Tournee war. Arbeiten wie Mixing und Mastering sind  jetzt in der Zeit des Lockdowns passiert.

Solche Arbeitsschritte kann man gut in Distanz voneinander machen, weil jemand in einem Studio sitzt und mastered. 

Simone Kopmajer: Genau. Das hat Paul Urbanek gemacht. Wir haben immer wieder Videokonferenzen miteinander gehabt, uns besprochen und die nächsten Schritte geplant. Das war ein toller Prozess. Es hat sich gut angefühlt, das Album jetzt zu veröffentlichen. Da sind hauptsächlich Bossanovas drauf, also Latin-Jazz-Stücke. Ich denke, das ist Musik, die gut tut, und Fröhlichkeit und Leichtigkeit nach Hause bringt. Ich glaube, das passt jetzt ganz gut. 

Der Saxofonist Terry Myers hat schon mit berühmten Leuten wie Ray Charles oder Natalie Cole gespielt. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? 

Bild Simone Kopmajer
Simone Kopmajer (c) Tina Reiter

Simone Kopmajer: Wir haben uns vor 8 Jahren in Florida kennen gelernt, als ich dort auf Tournee war. Unser erstes gemeinsames Konzert haben wir in Heidi’s Jazzclub in Coco Beach gespielt und so haben wir uns kennen gelernt. Heidi Deleuil, der der Club gehört und die auch meine Managerin in den U.S.A. ist, hat mir Terry ans Herz gelegt und mir vorschlagen, mit ihm zu spielen. Terry wurde gefragt und er hat auch gleich eingewilligt. So hat sich zwischen uns eine Freundschaft ergeben. Terry hat mich immer wieder nach Amerika eingeladen. Vor zwei, drei Jahren habe ich ihn dann zum ersten Mal nach Europa eingeladen und seitdem spielen wir ein, zwei Konzerte pro Jahr in Österreich. 

Welche Ausstrahlung hat ein so erfahrener Musiker wie Myers bei einem gemeinsamen Konzert? 

Simone Kopmajer: Mit ihm auf der Bühne zu stehen, hat etwas Großartiges, Schönes. Er hat eine große Ruhe und keine Scheu davor, etwas Neues auszuprobieren. Er hat eine wahnsinnige Disziplin und eine gute Kenntnis davon, was gerade zum Publikum passt. Während eines Konzertes sagt er in einer kurzen Pause zwischen zwei Liedern: Jetzt würde dieses Stück gut passen! Und ich denke mir: Genau, das stimmt eigentlich. Er hat einfach diese Erfahrung. Auch davon, wie er die Musikwelt sieht, kann man viel lernen. Da ist er ein großes Vorbild. Er kommt in Österreich an und stellt sich ein paar Stunden nach seiner Ankunft am Flughafen schon mit uns auf die Bühne. Er ist gerade 80 Jahre alt geworden, würde aber nicht jammern und etwa sagen, dass er müde ist und gerne schlafen möchte. Das ist eigentlich unglaublich, wie er das macht. Großen Respekt!

Wie waren die Aufnahmen mit Terry Myers und ihrer Band? Seid ihr so gut eingespielt, dass jeder einfach die Songsheets bekommt und dann geht es ab ins Studio? 

Albumcover My Wonderland
Albumcover “My Wonderland”

Simone Kopmajer: Wir haben im Herbst begonnen, Lieder auszuwählen. Viele Liedervorschläge kamen von meinem Mitmusiker Paul Urbanek, der dann erste Entwürfe erstellt und uns als MP3s geschickt hat. Quasi Demos zu jedem Lied, Danach habe ich dann mit ihm verstärkt daran gearbeitet. Anschließend sind die Songsheets an die Band gegangen, sodass sich jeder vorbereiten konnte. Im Jänner gab es schließlich eine Probe mit Terry und dann sind wir ins Studio gegangen und haben das Album live eingespielt.

„Ich habe viele Songs im Repertoire, die Klassiker aus dem American Songbook sind”

Das Album beschäftigt sich mit Latin-Jazz und Bossanova. Was war reizvoll für Sie, sich diesen Genres anzunähern? 

Simone Kopmajer: Das Unbekannte ist der Reiz. Ich habe so etwas noch nie so intensiv probiert. Ich habe viele Songs im Repertoire, die Klassiker aus dem American Songbook sind. Und ich habe auch schon Latin-Klassiker aufgenommen, aber trotzdem war es für mich neu, Lieder wie „Voce e eu“ oder „So danco samba“ aufzunehmen. „So danco samba“ habe ich live schon oft gespielt, insofern war der Reiz groß, sich noch mehr in diese Richtung zu bewegen und etwas Neues zu probieren. Diese Musik gefällt mir persönlich gut und ich höre sie auch zu Hause. Wir sind natürlich keine Latin-Band, sondern spielen die Lieder, so wie wir sie fühlen und wie sie für uns sind. Dadurch ist das Album, glaube ich, authentisch geworden.

Das Album heißt „My Wonderland“, wieso passt denn Duke Ellingtons „Caravan“ dazu?

Simone Kopmajer: Das Duke Ellingtons-Stück hat für mich eine große Bedeutung, weil ich es fast bei jedem Konzert als Zugabe spiele. Am Konzertende, wenn die Euphorie groß ist, ergibt das Lied ein Glücksgefühl. Deswegen habe ich mir gedacht, dass das gut auf dieses Album passt.

Bild Simone Kopmajer
Simone Kopmajer (c) Tina Reiter

„So danco samba“ von Antônio Carlos Jobim haben Sie bereits erwähnt. Jobim hat sehr viele Titel komponiert, was hat bei der Auswahl für dieses Stück gesprochen? 

Simone Kopmajer: Paul Urbanek hat es vorgeschlagen und ich habe „So danco samba“ auch gekannt, weil ich es in meiner Studienzeit viel gespielt habe. Paul hat dann dafür ein tolles Arrangement gemacht, mit einem Call-Response-Schema.

Ihre Karriere lief von Anfang an international, insbesondere in Asien. Wie hat sich denn das ergeben? 

Simone Kopmajer: Im Alter von 20 Jahren habe ich für das japanische Label Venus Records meine erste CD – „Moonlight Serenade“ – aufgenommen und diese Platte war über Wochen auf Platz eins in der Hitparade. So hat es sich ergeben, dass ich mir in Japan eine große Fanbase aufgebaut habe, noch bevor ich in Österreich Konzerte gespielt habe. Und ich habe sieben oder acht Alben in Asien veröffentlicht, bevor es in Österreich von mir jemals eine CD gegeben hat. Ich habe also meinen Weg über Asien und Amerika gemacht und erst eher spät in Europa Fuß gefasst.

„Vom Publikum her ist Asien anders als Amerika, wo die Leute eher mitgehen und Zwischenrufe machen”

Wenn man in Asien als Musikerin unterwegs ist, gibt es sicherlich auch lustige Erlebnisse. Was fällt Ihnen an Erlebnissen ein? 

Simone Kopmajer: Vom Publikum her ist Asien anders als Amerika, wo die Leute eher mitgehen und Zwischenrufe machen. Da gibt es viel Interaktion. In manchen Teilen von Asien war es bei einem Konzert öfters mal so, dass nach einem Stück nicht geklatscht wurde. Für uns Musiker war das fast ein wenig unangenehm, weil wir gedacht haben, dass sich das Publikum vielleicht etwas ganz anderes erwartet hat. Wir haben dann so ein Konzert ohne Zwischenapplaus zu Ende gespielt. Das Publikum hat das wahrscheinlich wie ein Klassik-Konzert gesehen und am Schluss gab es zehn Minuten lang standing ovations. Das war ganz komisch.

Gab es sonst noch interkulturelle – vielleicht auch positive – Missverständnisse, die sie mit der Musik erlebt haben? 

Simone Kopmajer: Natürlich gibt es da witzige Erlebnisse. In Thailand zum Beispiel, in Bangkok, ist eine CD von mir sehr populär gewesen. Ich bin am Flughafen in Bangkok angekommen und sie haben die CD gespielt. In jedem Hotel und jedem Kaufhaus ist meine Musik gelaufen. Die Plattenfirma hat mir aber nie berichtet, dass die Musik so gut ankommt. Vom Flughafen weg ist dann gleich zur ersten Show gegangen, von der ich aber nicht wusste, welcher Art sie war. Während ich für diese hergerichtet wurde, habe ich immer wieder gefragt, was ich jetzt denn zu erwarten habe, ob ich jetzt vielleicht zu einer Pressekonferenz muss. Mir wurde dann gesagt, dass wir nur einen Song spielen sollten. Erst später sind wir draufgekommen, dass es sich um eine Show wie Wetten dass? gehandelt hat, der 7 Millionen Menschen live zugesehen haben – da schluckt man dann mal.

Für heuer hatten Sie noch ein Weihnachtsalbum in Planung. Wie sieht es damit aus? 

Simone Kopmajer: Das wird auf jeden Fall gemacht. Da bin ich bereits seit Jahren an den Vorbereitungen dran, das werden wir heuer realisieren. Dieses Album wird in Amerika mit österreichischen Musikern und Gästen und mit Volksmusikinstrumenten aufgenommen werden. Das wird eine größere Sache werden, aber da darf ich noch nicht so viel verraten.

Herzlichen Dank für das Interview.

Jürgen Plank

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Simone Kopmajer live
04.07.2020: Porgy & Bess, Wien
05.08.2020: Ausseer Festsommer
29.08.2020: Theater am Spittelberg, Wien
15.10.2020: Tischlerei, Melk
07.11.2020: Musikheim, Guntramsdorf
04.12.2020: Theater am Spittelberg, Wien
11.12.2020: K.U.L.T., Salzburg
28.02.2021: Stadtsaal, Vöcklabruck

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