„Es geht nicht um mich, sondern es geht darum, dass ich den Song zum Leben erwecke“ – HADU BRAND im mica-Interview

Hadu Brand 1Seine Debüt-CD „Fourteen Songs“ erschien im Jahr 2009: Vor Kurzem hat HADU BRAND seine zweite CD, „Pink Nose Ring“, vorgelegt. Aufgewachsen ist der Singer-Songwriter in Oberösterreich, in einem kleinen Ort in der Nähe von Linz. Jürgen Plank sprach mir HADU BRAND darüber, wie das neue Album entstand und wie ihn die Begegnung mit dem irischen Musiker GLEN HANSARD prägte.

Wie hat Ihr Musikmachen begonnen?

Hadu Brand: Ich habe im Zuge des Studiums begonnen, Musik zu machen. Ich bin eher ein Spätzünder. Ich habe zwar schon immer Gitarre gespielt, aber erst mit 19 oder 20 Jahren begonnen, mit Bands zu arbeiten.

Was war eines Ihrer ersten Bandprojekte?

Hadu Brand: Zunächst war da die Band Rough and Rugged, das war eine Folk-Rock-Band. Der Name war unaussprechbar und schwer zu vermarkten und wurde jedes Mal falsch geschrieben. Wir haben begonnen, im Chelsea zu spielen, und das war eine tolle Zeit. Die Band hat sich vor sechs Jahren aufgelöst und seit damals mache ich das Solo-Projekt Hadu Brand. Ich habe die Struktur geändert und spiele heute nicht immer mit den gleichen Musikerinnen und Musikern zusammen.

Wie ist denn die aktuelle CD „Pink Nose Ring“ entstanden?

Hadu Brand 3Hadu Brand: Der Produktionsprozess ist auf mich zugeschnitten. Wenn es wieder genügend Material für ein neues Album gibt, spiele ich die Lieder meinem Produzenten Christoph Burgstaller vor und dann entscheiden wir gemeinsam, wie die Songs produziert werden sollen. Nach einer groben Strukturierung kommen die Musikerinnen und Musiker dazu und spielen ihre Spuren ein. Innerhalb von zwei bis drei Wochen wird so ein Album aufgenommen.

Wie würden Sie die Themen Ihrer Lieder beschreiben?

Hadu Brand: Jedes Lied hat ein persönliches Thema. Die Lieder entstehen meist so, dass mir zu einem Gitarrenriff eine Textzeile einfällt. Daraus entsteht dann das Lied, manchmal sehr konkret, manchmal will ich eher einen Gefühlszustand vermitteln.

„Der Inhalt eines Liedes muss mir etwas bedeuten, sonst könnte ich den Song nicht transportieren.“

Greifen Sie bitte ein Lied heraus, worum geht es dabei?

Hadu Brand: Beim Lied „Raven“ ist es so, dass jede Strophe für sich eine kleine Geschichte erzählt, und zusammen ergibt das den ganzen Song. Oder „Pink Nose Ring“ behandelt das Thema, dass man oft Dinge aufschiebt, auf morgen oder irgendwann. Es geht darum, dass man gerne etwas anderes machen möchte, als man gerade macht, aber man tut es nicht. Da geht es darum, dass man jetzt Sachen anpacken soll – und nicht irgendwann später. Das Thema kenne ich von mir selbst. Der Inhalt eines Liedes muss mir etwas bedeuten, sonst könnte ich den Song nicht transportieren.

In „10000 years“, dem ersten Track der CD, singen Sie: „I do never anymore what I was told.“ Was steckt hinter dieser Aussage?

Hadu Brand: Das ist wahrscheinlich mein Lebensthema. Da geht es darum, dass man aus den Zwängen, in denen man steckt, eigentlich ausbrechen möchte. Aus sozialen Zwängen etwa, denn jeder hat gelernt, was er machen soll und was er nicht machen darf. Da würde ich manchmal gerne ausbrechen. Dieser Satz steht für mich für eine Art innere Revolution, für das Sprengen der eigenen Grenzen.

Welche musikalischen Bezugspunkte gibt es für Sie?

Hadu Brand: Mir gefällt zum Beispiel die Gruppe Wilco, atmosphärisch. Mir taugt die Musikalität und wie die Akkordfolgen der Songs aufgebaut sind. Die Platte „The Whole Love“ von Wilco lege ich gerne auf, da entsteht eine wunderbare Atmosphäre. Es wird nie langweilig, Wilco zu hören, man findet immer wieder ein neues Arrangement, eine Nuance, die man noch nicht gehört hat.

Vor Kurzem haben Sie als Vorgruppe für Son Of The Velvet Rat solo im RadioKulturhaus gespielt. Wie ist es, solo zu spielen, im Vergleich zum Bandarrangement im Studio?

Hadu Brand 2Hadu Brand: Das war sehr spannend, muss ich sagen. Ich habe das davor schon in Graz in der Postgarage ausprobiert. Ich denke, dass die Lieder das aushalten, dass ich sie solo spiele. So wurden sie ja auch komponiert. Bei einem Soloauftritt ist es wichtig, die Spannung aufrechtzuhalten und den Auftritt so abwechslungsreich zu gestalten, dass es für die Zuhörerinnen und Zuhörer spannend bleibt. Ich bin froh, dass ich diesen Auftritt nicht schon mit zwanzig Jahren habe machen müssen. Aber so war es ganz cool.

Was war Ihr bisher tollstes Erlebnis als Musiker?

Hadu Brand: Da gibt es viele schöne Erlebnisse, ein herausragendes Erlebnis war sicher im Jahr 2002, als ich in der Vicar Street in Dublin, Irland, gespielt habe. Diese Location fasst ungefähr 2.500 Besucherinnen und Besucher – sitzend. Ich wurde eingeladen, ein Lied zu spielen. An diesem Abend sind auch Glen Hansard und Damien Rice aufgetreten. Das war für mich ein großartiges Erlebnis, dort zu spielen. Damals habe ich es als selbstverständlich genommen, danach war es natürlich herausragend.

Was können Sie noch nennen?

Hadu Brand: Ein volles Chelsea mit wunderbarer Atmosphäre und auch der Auftritt im RadioKulturhaus, das waren sicher auch Highlights für mich.

„Ich hatte damals das große Glück, Glen Hansard in Wien kennenzulernen. Wir haben im selben Haus gewohnt.“

Wie ist dieser Auftritt in Dublin zustande gekommen?

Hadu Brand: Das ging über den persönlichen Kontakt mit Glen Hansard. Ich hatte damals das große Glück, Glen Hansard in Wien kennenzulernen. Wir haben im selben Haus gewohnt. Zwei Wochen lang waren wir in Wien immer gemeinsam unterwegs und haben Gitarre gespielt. Das hat auch meine Einstellung zur Musik auf einen anderen Level gehoben. Diese Begegnung war für mich wie ein Turbozünder. Hansard hat mich dann gefragt, ob ich an diesem Abend in Dublin dabei sein möchte.

Was nehmen Sie mit von dieser Begegnung mit Hansard, was haben Sie von ihm gelernt?

Hadu Brand: Zum Beispiel in Bezug auf Soloauftritte: Da habe ich viel von Glen Hansard gelernt. Wie er etwa die Intensität eines Songs zelebriert. Der Song ist wichtig und nicht, dass man irgendetwas auf der Bühne macht. Es geht nicht um mich, sondern es geht darum, dass ich den Song zum Leben erwecke. Du bist der Diener des Songs. Es geht nicht um eine Selbstdarstellung, sondern es geht darum, die Performance so abzuliefern, dass der Song bei den Zuhörerinnen und Zuhörern ankommt. Hansards Einstellung und Hingabe zu diesem Beruf sind außergewöhnlich.

Wie sind denn die Reaktionen auf das aktuelle Album?

Hadu Brand: Über die Feedbacks bin ich sehr glücklich. Die Medien sind dem Album gegenüber sehr positiv und offen. Mir ist aber bewusst, dass ich mit dieser Musik keine Rotation im Radio erreichen kann. Ich habe aber immer nur das gemacht, was ich machen wollte. Ich könnte keine Ö3-Songs schreiben, aber ich bin sehr zufrieden mit dem Feedback der Medien.

Was bedeutet eigentlich der Name Hadu Brand, ist das ein Künstlername?

Hadu Brand: Das ist eine ganz lustige Geschichte, mein Vorname ist Hadubrand, aber der Name war mir immer sehr fremd. Ich wurde aber immer Hadu genannt, als Künstlername war Hadu Brand insofern stimmig.

Das aktuelle Album ist beim steirischen Label Pumpkin erschienen. Inwiefern sind Sie in der Steiermark verortet?

Hadu Brand: Der Bezug zur Steiermark ist ein reiner Zufall, Wolfgang Pollanz ist der Betreiber von Pumpkin Records, das ist ein relativ umtriebiger Mensch. Er veröffentlicht nur, was ihm gefällt. Das Label hat einen guten Namen in der Szene und insofern habe ich mich da einfach angeschlossen.

Danke für das Gespräch.

Jürgen Plank

 

Fotos Hadu Brand: archiv band/schmitz

http://www.hadubrand.com
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