Ein Leben für den Jazz – PETER GUSCHELBAUER im mica-Porträt

Spricht man von den bedeutenden Persönlichkeiten des heimischen Jazz, kommt man an der Erwähnung seines Namens nicht vorbei. PETER GUSCHELBAUER ist ein seit Jahrzehnten ein höchst umtriebiger Aktivposten, wenn es drum geht, dem Jazz in Österreich eine größere Geltung zu verschaffen. Das Betätigungsfeld des gebürtigen Linzers ist breit gefächert, er ist Musiker, Produzent, Betreiber mehrerer Labels und eines Vertriebs, Veranstalter, Promoter, Festivalintendant, unermüdlicher Netzwerker, Leutezusammenbringer, Förderer und Entdecker vielversprechender Talente. Und obwohl schon im Pensionsalter, denkt er noch keine Minute daran, sein Arbeitspensum auch nur in irgendeiner Form zu drosseln.

Nun, eines kann man über Peter Guschelbauer wohl mit Sicherheit sagen, langweilig wird ihm wohl nie werden. Der seit Kindestagen mit Musik verbundene Oberösterreicher hat seine Berufung zum Beruf gemacht, erst als Musiker, anschließend in vielen, vielen anderen Funktionen im Musikbusiness.

Die Entdeckung einer neuen musikalischen Welt

Begonnen hat alles mit dem Erlernen der Blockflöte im zarten Alter von sechs Jahren, mit acht folgte das Klavier und später noch viele andere Instrumente, wie etwa Gitarre, Bass und Saxofon.  Den Jazz für sich entdeckt hat in den 1960er Jahren über die Platten des amerikanischen Saxofonisten John Coltrane, den er neben dem Jimi Hendrix heute noch als den Beginn seiner musikalischen Sozialisation bezeichnet. Die Klänge Coltranes öffneten ihm die Tore zu einer musikalischen Welt, die er davor nicht kannte, und brachten ihn der Musik solcher Legenden wie Miles Davis näher. Irgendwann entdeckte er dann auch noch den Freejazz.

Peter Guschelbauer begann in diversen Bands zu spielen, die mehr oder weniger seine musikalischen Vorlieben – Jazz, Rock, Fusion – abdeckten, doch mit der Musikkarriere dauerte es noch ein wenig. Bevor es Anfang der 1980er Jahre mit dieser richtig losging, studierte der Oberösterreicher noch das Lehramt Geografie sowie jenes für Italienisch, die er auch relativ schnell abschließen konnte. Mitte der 1970er Jahre besuchte er zwecks klassischer Ausbildung schließlich auch noch das Bruckner-Konservatorium in Linz, brach dieses aber relativ bald wieder ab. Peter Guschelbauer war klar geworden, dass seine musikalische Heimat fortan der Jazz sein wird und er mit diesem sein Leben bestreiten will.

Bild Peter Guschelbauer
Peter Guschelbauer (c) Aleksandra Prünner

Musiker und Produzent

Schon Anfang der 1980er stieg Peter Guschelbauer als Bassist bei der Band des Sängers Ty Tender, die Rockin‘ Fifties, ein, mit der er beachtliche internationale Konzertreisen bis hin nach China absolvierte. Höchst erfolgreich gestaltete sich auch sein Engagement beim Blue Chip Orchestra, mit dem er vor allem in Deutschland und Spanien sehr erfolgreich reüssierte. Was Peter Guschelbauer immer schon auszeichnete, war seinen immense Offenheit, mit der er den unterschiedlichsten Musikstilen begegnete. Er zeigte auch trotz seiner großen Affinität zum Jazz immer wieder das Interesse in andere Bereiche, wie etwa in den Pop oder den Rock – einzutauchen. So klingen all seine Projekte, wie etwa Still Experienced oder Ja’ Soul, wie ein farbenprächtiges Sammelsurium unterschiedlichster Stile und Spielformen. Auch die Namen der Musiker, mit denen er auf der Bühne oder im Studio stand, lesen sich auch heute noch eindrucksvoll Axel Zwingenberg, Vince Weber oder Ian Paice (Deep Purple).

Der Tätigkeitsbereich von Peter Guschelbauer blieb aber nicht nur auf den eines Musikers beschränkt. Fast gleichzeitig mit dem Start seiner musikalischen Karriere, trat der Linzer mit Anfang der 1980er Jahre auch als Produzent in Erscheinung. Begeistert von den sich damals bietenden neuen Aufnahmemöglichkeiten – die zudem auch noch leistbar waren-, nahm er – zunächst noch in kleinerem Rahmen – erste eigene Alben auf. Mit dem Umzug in ein größeres und modernes Studio nach St. Marien im Jahre 1985 erweiterte sich die Produktion von Tonträgern auch auf solche von anderen Bands. 1989 eröffnete er dann in Linz ein zweites größeres Tonstudio für akustische und elektroakustische Aufnahmen. Bis heute sind im Studio von Peter Guschelbauer mehrere hundert Alben entstanden, sowie auch Werbemusik und Musik für Präsentationen und Imagefilme.

Bild Peter Guschelbauer
Peter Guschelbauer (c) Aleksandra Prünner

Label, Verlag, Künstleragentur

Wenn man schon die eigene Musik selber produziert und auf ein Album presst, so ist der Weg, dieses herauszubringen, auch kein allzu langer mehr. Mit PG Records macht der Oberösterreicher den ersten Schritt zum Labelchef. PG Records entwickelt sich im Laufe der Zeit mehr und mehr zu einer wichtigen Veröffentlichungsplattform für junge heimische Musiktalente aus fast allen musikalischen Richtungen, die zur damaligen Zeit von den großen Majorlabels mehr oder weniger unbeachtet blieben. PG Records ermöglichte es ihnen, die ersten Schritte in Richtung Ausland zu machen und auf dem internationalen Parkett Aufmerksamkeit zu generieren. Besonders mit der Gründung eines eigenen Verlags 1987 sowie ein Jahr später mit der eines eigenen Vertriebs konnte Peter Guschelbauer seinen Aktionsradius deutlich erweitern. SOUNDDESIGN AUSTRIA war geboren. Der Linzer exportierte seine Produkte unter anderem nach Deutschland, Dänemark, Frankreich, Italien, Portugal, Spanien, Slowenien, Kroatien, Polen, Japan, Korea, Taiwan, Singapur und Indonesien. Zudem war er in seiner neuen Funktion regelmäßig bei den wichtigen Musikmessen wie etwa der PopKomm in Köln, der MIDEM in Cannes, der MIDEM Asia (1995/96/97) in Hongkong, der MIDEM Latina in Miami, der Jazzahead in Bremen oder der WOMEX zugegen.

Als ob das noch nicht genug wäre, rief Peter Guschelbauer auch noch mit Art Connection Int’l eine eigene Künstleragentur ins Leben, mit der er für mehrere Jahre die Promotion für so namhafte Künstler wie den legendären Joe Zawinul (2002 – 2007) übernahm. 2004 folgte schließlich die Gründung seines zweiten Labels Alessa Records, das sich fast ausschließlich auch reine Jazzproduktionen fokussiert und in der Vergangenheit zahlreiche internationale Größen der Szene, wie etwa die amerikanischen Jazzmusiker John Abercrombie und Uri Caine, und viele, viele junge Newcomer veröffentlichte.

Bild Peter guschelbauer
Peter Guschelbauer (c) Aleksandra Prünner

… und auch noch erfolgreicher Veranstalter

Man hat bei Peter Guschelbauer mit jemanden zu tun, der wie kaum ein anderer, Jazz lebt. Mit der Erfahrung, die er gesammelt hat, und den Geschichten, die er erzählen kann, könnte er unzählige Bücher füllen. Das Schöne ist, dass er bis heute nichts von seinem Elan verloren hat und immer noch im Dienst der Musik, seine Tätigkeiten verrichtet. Kein Wunder also, dass man auch in Sachen Liveveranstaltungen auf sein Wissen vertraut. Konzerte im kleineren Rahmen hat er immer schon organisiert, ein größeres Festival zu leiten, mit dieser Aufgabe ist er vor 14 Jahren von der Stadt Steyr betraut worden. Und auch hier war es so, dass er klein und mit wenigen Mitteln begonnen hat. Doch mit seiner Überzeugungskraft und dem richtigen Händchen bei der Erstellung eines Programmes ist es ihm gelungen, auch dieses Event auf eine erfolgreiche Schiene zu bringen. Heute zählt das Jazzfestival Steyr zu den bedeutendsten Festivals dieser Musikrichtung in Österreich. Last but not least zeigt sich der gebürtige Linzer seit nunmehr zehn Jahren auch noch für das STIWA Jazzforum im oberösterreichischen Hagenberg und für die Serie Tuesday the Bluesday in der Linzer AK verantwortlich, sowie für etwas schrägere Töne im Kunsthaus Linz, in dessen Rahmen er regelmäßig Konzerte stattfinden lässt.

Michael Ternai

Links:
Alessa Records
Sounddesign Austria
Jazzfestival Steyr
AMSEC
Kunsthaus Hafenstraße