„Durch das Album wollte ich mir meine Dornen vorhalten” – ZELDA WEBER im mica-Interview

Bereits ihr Debütalbum “Crude” hat Spuren in der heimischen Soul-Szene hinterlassen. Knapp drei Jahre später meldet sich die Wiener Musikerin ZELDA WEBER mit ihrem Nachfolgealbum “Rose Thorne” (VÖ: 23.01.2026 // Ladies & Ladys) zurück. Ein Album, das geprägt ist von den Kontrasten des Lebens. Im Gespräch mit Ylva Hintersteiner spricht die junge Künstlerin darüber, wie CDs ihr Musikinteresse maßgeblich geprägt haben, über das Aufbrechen von Genregrenzen und darüber, wie es ist, das Album jetzt endgültig loszulassen und der Welt zu übergeben.

Für alle, die den Namen ZELDA WEBER zum ersten Mal hören, kannst du dich kurz vorstellen?

Zelda Weber: Ja, gerne! Ich bin Zelda Weber, Künstlerin aus Wien und mache, wie ich es nenne, Soul Pop Prog. Ob das so hundertprozentig stimmt, weiß ich nicht. Aber es fühlt sich für mich jedenfalls richtig an. Ich schreibe auch Songs und bin mit meiner Band The Rosettes live unterwegs.

Woher kommt eigentlich dein Interesse an Musik?

Zelda Weber: Mein Dad hat nach dem Mittagessen immer auf der Couch Gitarre gespielt. Er ist extrem musikbegeistert. Und wir waren auch ziemlich viel mit dem Auto unterwegs, als ich jung war. Da haben wir sehr viele CDs gehört und ich hab dann auch bald meinen ersten Disc-Man bekommen. Mein Dad war auch so der Erste, der mir CDs gegeben hat und gesagt hat, hör dir dieses und jenes an. Ich habe dann auch relativ bald angefangen zu singen.

Bist du dann auch den klassischen Musikschulweg gegangen?

Zelda Weber: Ich habe eine Zeit lang Klavier gelernt, aber es war mehr so, dass ich meinem Klavierlehrer meine Lieder vorgespielt habe und wir haben darüber improvisiert. Er war ein total toller Mensch und emotional voll bei der Sache. Ich habe ihm oft sehr spezifische Fragen gestellt, zum Beispiel, wie ein Akkord geht, aber grundsätzlich hat er mich sehr viel experimentieren lassen. Ein Jahr lang habe ich auch Gesangsunterricht genommen. Aber ich habe dann für mich recht schnell bemerkt, dass die beste Art Singen zu lernen ist, wenn man viel Musik hört und versucht, exakt mitzusingen.

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„Für mich als Musikerin waren Lieder immer Freunde, die für mich da waren, mit Themen, die ich sonst mit niemanden besprechen konnte.“

Bereits dein Debütalbum „Crude“ ist sehr gut angekommen und du hast im Rahmen des Releases unter anderem den Hubert von Goisern – Kulturpreis gewonnen. Wie schätzt du das für dich persönlich ein?

Zelda Weber: Die Auszeichnung spür ich gar nicht so, glaube ich. Eher das Live-Spielen war dann so ein Wow. Wir konnten Konzerte und eine ganze Tour spielen, das war für mich das Größte. Und ich freue mich über die Leute, die ich bis heute immer wieder bei Konzerten sehe. Die kommen dann auch zu mir und sprechen über gewisse Songs, die sie komplett berühren. Ich kenne das ja auch selber von Liedern, die genau das beschreiben, was ich gerade selbst empfinde. Und dass dies jetzt auch mit meinen Songs geschieht, ist einfach das Schönste und auch mein Ziel als Künstlerin. Für mich als Musikerin waren Lieder immer Freunde, die für mich da waren, mit Themen, die ich sonst mit niemanden besprechen konnte. Die von einer Welt erzählen, die nur darin existiert. Ich bin sehr stolz auf mein “Crude” und freue mich, dass es Leute gibt, denen es gefällt.

Bild der Liedermacherin Zelda Weber
Zelda Weber © Markus Morianz

Knapp 3 Jahre nach „Crude“ steht der Release deines zweiten Albums „Rose Thorne“ an. Hat sich etwas an deiner Arbeitsweise im Vergleich zum Debüt geändert?

Zelda Weber: Ich bin sehr beschützerisch, was meine Arbeit angeht. Ich schreibe meine Songs immer noch alleine und meistens am Klavier. Ich habe aber jetzt auch ein paar auf der Gitarre geschrieben – das ist neu. Dieser Wechsel hat mir auch geholfen, weil ich etwas ausdrücken wollte, dass das Klavier für mich nicht mehr konnte, weil wir uns schon so gut kennen. Sonst war ich auch sehr froh, mit einem Produzenten, Paul Gallister, am ganzen Album arbeiten zu können. Bei “Crude” habe ich ja mit verschiedenen Leuten zusammengearbeitet und es war sehr spannend, den Unterschied zu erleben.

„So ein Chor kann dir das Schwert ins Herz rammen, es aber kurz darauf auch wieder flicken.“

Wie war die Zusammenarbeit mit Paul Gallister?

Zelda Weber: Wir haben uns für den ersten Song getroffen – “Secrets”. In der Früh haben wir uns zusammengesetzt und am Abend war die Version fertig, die am Album zu hören ist. Es hat einfach geklickt. Uns war schnell klar, welche Rolle uns am besten passt und Entscheidungen waren schnell fixiert, ohne dass wir lange darüber reden mussten. Ich schätze sehr, wie entschlossen er ist und groß träumt. Ich habe die Zusammenarbeit sehr genossen. Und dann war auch noch Ali Baltz dabei, mit dem ich Vocal-Chöre aufgenommen habe und das war auch total toll. Die ganzen Stimmen, die gar nicht so bewusst wahrgenommen werden, haben aber so viel Einfluss auf die Emotionen. So ein Chor kann dir das Schwert ins Herz rammen, es aber kurz darauf auch wieder flicken. Mit den Beiden zu arbeiten war toll.

Du beschreibst deinen Sound als Soul Pop Prog. – kannst du diese Bezeichnung ein wenig näher beschreiben?

Zelda Weber: Als Kind war ich total verknallt in Soul-Künstler:innen und Soul-Musik. So habe ich angefangen Musik zu lieben. Das ist dann fast unbewusst eingedrungen in die Musik, die ich schreibe. Ich mag aber auch die Pop-Ästhetik. Ich mag fertige, runde Songs. Mir ist wichtig, dass es ein Song schafft, in klaren, bündigen Worten das rüberzubringen, was eigentlich viel zu komplex ist. Und Prog. weil ich mir die Freiheit lassen will. Es geht doch manchmal in andere Richtungen. Ich habe auch viel Brit-Pop und Hip-Hop in meiner Kindheit gehört. Schlussendlich ist es doch eine Mischung aus all den Einflüssen. Ich halte mich auch nicht an irgendwelche Genreregeln. Da will ich mich einfach nicht einschränken lassen.

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Hat es Künstler:innen oder Alben gegeben, die du während der Entstehungszeit von “Rose Thorne” besonders viel gehört hast?

Zelda Weber: Ich habe viele Nächte mit diversen Alben am Donaukanal verbracht (lacht). Von Lauryn Hill habe ich “Miseducation” rauf und runter gehört. Sie hat für mich ganz viel beschrieben, was ich gerade zu der Zeit durchgemacht habe. Dann meine Lieblingsband seit jeher, The Fratellis, die mir so ein Lebensgefühl vermitteln, das ich gar nicht so genau beschreiben kann. Adele zählt auch für mich zu jenen Künstlerinnen, die ich immer hören kann. Generell bin ich auch wieder sehr stark in Brit-Pop reingekommen. Aber auch D’Angelo war für mich sehr wichtig, genauso wie Donny Hathaway. Und einige Newcomer, wie etwa Esther Rose, finde ich aktuell sehr spannend.

Eigentlich eine blöde Eigenschaft, sich selbst so als Heilige zurechtzulegen und dabei zu versuchen, all die unangenehmen Seiten zu verstecken.“

„Rose Thorne“ ist ein spannender Titel und spiegelt die Dualität von Rosen – Schönheit und Schmerz – sehr gut wider. Spielt diese Dualität im gesamten Album eine Rolle?

Zelda Rose: Ich würde sagen, im gesamten Leben. Manchmal versuche ich mir das Gegenteil zu beweisen, aber es kommt immer wieder darauf zurück. Es ist ja auch irgendwie absurd, dass manchmal aus den hässlichsten Sachen, die schönsten Dinge entstehen und sich die schönsten Dinge ins Hässlichste verändern. Darum gehts auch im Album. Um Brüche, wo ich Leute leider verloren habe, durch blöde Streits, aber auch generell durch Veränderungen im Leben. Plötzlich wird einem der Boden unter den Füßen weggerissen, obwohl das Leben davor wunderschön war. Gerade als ich nach Wien gekommen bin, war alles toll und plötzlich hat es angefangen zu bröckeln. Der Titel spiegelt auch die Seiten an mir wider, für die ich mich geschämt habe, die ich an mir nicht so mag. Eigentlich eine blöde Eigenschaft, sich selbst so als Heilige zurechtzulegen und dabei zu versuchen, all die unangenehmen Seiten zu verstecken. Durch das Album wollte ich mir meine Dornen vorhalten. Es sind Songs drauf, auf die ich inhaltlich nicht stolz bin und die ich auch nicht verteidigen kann, warum ich so gefühlt habe in dem Moment. Manchmal möchte man einfach die ganze Welt anschreien. Und Rose Thorne ist für mich auch so eine Art Persona, die schon in meiner Kindheit existiert hat. Sie war sehr stolz auf das, was sie ist – mit ihren schönen Seiten, aber auch mit ihren Dornen. Es geht darum, das eigene Leben zu leben, ohne sich für alles zu entschuldigen.

Bild der Liedermacherin Zelda Weber
Zelda Weber © Markus Morianz

In deiner Presseaussendung steht „Du schreibst über Dinge, die du lieber verstecken würdest“. Wieviel Mut braucht es, diese Dinge durch die Musik offen zu kommunizieren?

Zelda Weber: Musik war immer schon der Ort, wo ich ehrlicher war als im echten Leben. Da kann ich so offen sein und es fällt mir auch nicht schwer. Ich hab mich durch das Album auch ein wenig aus der Scheiße rausgezogen, die mich zu dem Zeitpunkt beschäftigt hat. Vieles ist einfach auch von selbst rausgekommen. Ich möchte mich auch nicht vor der Welt verstecken und irgendwie müssen die Gefühle ja raus. In der Musik fällt es mir nicht schwer, sonst ist es schon sehr schwer.

Musikalisch ist mir vor allem „Parade“ im Ohr geblieben. Da nutzt du Sprechgesang, um dem Lied eine besondere Struktur zu verleihen. Wie kam es zu der Entscheidung, den Song so zu gestalten?

Zelda Weber: Spannend, dass du “Parade” erwähnst, weil, das ist der Song, der am allerlängsten gebraucht hat, weil es auch um eine Geschichte geht, die sich extrem lange gezogen hat. Es geht um einen stillen Konflikt, bei dem so arg voneinander vorbeigeredet wird und man sich gegenseitig so unglücklich macht, ohne dass man das eigentlich will. Gespräche werden zu Spiralen und obwohl man die Person ja eigentlich mag, ist man nicht richtig füreinander. Genauso lang wie diese Situation hat sich auch dieses Lied gezogen. Das war auch der einzige Song, den wir noch im Studio fertig gemacht haben. Sonst bin ich immer mit fertigen Liedern gekommen. Ich hab immer das Gefühl gehabt, der ist noch nicht dort, wo er sein soll. Und so kam es, dass der Song nicht durchwegs gesungen wurde, weil es keinen Sinn ergibt. Es kommen so viele Gedanken auf, die nicht ausgesprochen werden. Umso mehr Text hat dann der Song. Ich hab ihn auch ganz lange gehasst. Ich wollte ihn nicht anhören und habe ihn nicht ausgehalten. Aber heute finde ich es gut, dass es ihn gibt. Das Gefühl im Song war einfach so schwer zu verarbeiten und das hat seine Zeit gebraucht.

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Im gesamten Album geht es unter anderem um Reue und Abschied. Ist das Fertigstellen des Albums für dich jetzt auch eine Art von Schlussstrich?

Zelda Weber: Ja, würde ich gerne so sehen. Ich habe auch schon wieder so ein wenig einen Fluchtgedanken. Deswegen auch am ersten Album “Go” und jetzt “Leaving”. Ich bin jetzt auch ein Monat nach London abgehauen. Aber es ist eigentlich keine gute Herangehensweise an Dinge. Aber ich kann dann besser damit umgehen, wenn ich es einmal als Song niedergeschrieben habe. Dann schaffe ich es auch leichter, die Punkte anzusprechen. Und ich nehme es jetzt einfach als Teil meines Lebens wahr. Genauso, wie wir vorher über Kontraste gesprochen haben – alles Gute, bringt was Schlechtes und alles Schlechte, bringt auch gute Seiten hervor. Man muss sich halt trauen, das Leben zu leben.

Es ist an der Zeit, dass andere das Album für sich beanspruchen.“

Apropos Schlussstrich, im letzten mica-Interview hast du erwähnt, dass du Neuanfänge liebst. Ist es befreiend, ein Album abzuschließen und neue Ideen anzugehen?

Zelda Weber: Ich habe lang an dem Album festgehalten. Ich wollte noch mehr Zeit damit verbringen. Aber jetzt fühlt es sich richtig an, das Album rauszubringen. Es ist an der Zeit, dass andere das Album für sich beanspruchen. Ich habe eine sehr intensive Zeit mit dem Album gehabt und bin sehr dankbar dafür – ich liebe es heiß. Und ich hoffe, es kann für die Leute etwas sein, das Teil ihrer Geschichte wird.

Live spielst du ja gemeinsam mit deiner Band The Rosettes. Wie unterscheidet sich Zelda Weber auf Platte im Vergleich zu Zelda Weber live?

Zelda Weber: Grundsätzlich ist es ja ein Soloprojekt. Aber live sind wir eine Band. Wir sind jetzt seit drei Jahren zusammen und wir wachsen gemeinsam immer weiter. Ich bin sehr stolz darauf, was wir bisher geschafft haben und wie wir uns weiterentwickeln. Dadurch ist es live auch ein eigener Sound, weil es nicht nur ich bin, sondern man hört die ganze Band. Und wir wollen uns auch die Freiheit nehmen, die Songs immer wieder neu zu entdecken. Lieder ändern sich auch immer wieder, sie sind nie ganz fertig. Auch die Geschichte zu den Songs, weil man mit der Zeit anders über sie denkt. Ein Song, der früher eine Ballade war, wird plötzlich wütend und der darf dann auch mal knarren. Andere wiederum bleiben immer gleich, weil sie so etwas Grundlegendes in sich tragen, das sich gar nicht verändern kann. Live ist immer ein wenig eine Überraschung – aber es klingt toll!

Wo findet dein nächster Liveauftritt statt?

Zelda Weber: Am 10.02. findet unsere Albumreleaseshow im Radiokulturhaus statt. Das ist das nächste große Konzert.

Abschließend, weil wir noch recht früh im Jahr sind. Hast du dir etwas für 2026 vorgenommen – natürlich abgesehen vom Albumrelease?

Zelda Weber: Das meiste dafür ist eh schon letztes Jahr passiert (lacht). Ich hab jedenfalls vor, so viel wie möglich live zu spielen. Aber ich möchte auch eine Weile nach London gehen und will dort Songs schreiben. Es gibt schon wieder Einiges, über das ich schreiben könnte. Generell brauche ich den Ortswechsel, um Wien auch wieder vermissen zu können. Ein Album schreibe ich dann wieder, wenn ich etwas loswerden muss.

Vielen Dank für das schöne Gespräch!

Ylva Hintersteiner

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Zelda Weber live
10.02. – Radiokulturhaus, Wien Tickets
24.04. – Kulturhof (Linz)
03.07. – Streetfood and Sound Festival (Guntramsdorf)
09.07. – Theater am Spittelberg (Wien)

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