“FAKE REALITY” – so der Titel des diesjährigen donaufestivals 09, welches vom 22. April an in Krems über die Bühne geht. An zwei inhaltlich geballten Wochenenden versuchen Künstler und Künstlerinnen aus aller Welt, in Form von Performances und musikalischen Darbietungen der Frage nachzugehen, wie wirklich die heutige Wirklichkeit denn ist. Zentraler Punkt ist der Versuch, mit Hilfe unterschiedlichster Kunstformen ein kritisches Bild auf die “Unwirklichkeit der Wirklichkeit” der Gegenwart zu entwerfen.
Dass es sich durchaus lohnt, hin und wieder auch neue Wege zu beschreiten, zeigt der Erfolg des donaufestivals. Schon im letzen Jahr wurde ersichtlich, dass sich das Festival für zeitgenössische Kunstformen auch im internationalen Rahmen etablieren konnte. Das rege Interesse seitens des Publikums belegt den Zuspruch für dieses neuartige Festivalmodell. Kein Wunder eigentlich, stellt die von Tomas Zierhofer Kin geleitete Veranstaltung, doch einen absoluten Gegenpol zu den herkömmlichen Musikfestivals dar. Das Programm bewegt sich im Grenzbereich zwischen Theater, Musik, Medienkunst und Performance, wobei sich der künstlerische Schwerpunkt im Vergleich zu den vergangenen Jahren verstärkt in die Richtung der performativen Kunst und deren Einbeziehung in pop- und subkulturelle Ausdrucksformen verlagert hat. Damit ist es den Veranstaltern gelungen, eine lange Zeit vorhandene Lücke zu schließen.
“FAKE REALITY”, so der übergeordnete Titel der diesjährigen Veranstaltung, will in kritischer Art und Weise die Auseinandersetzung mit vermeintlichen Realitäten suchen. Angesichts der Fülle medialer und generierter Bilderwelten und der Inhalte von abertausend Cyber-Parallelwelten ist der Begriff der Wirklichkeit eigentlich nicht mehr fassbar. Was ist nun wirklich, was nur ein Abbild? Die KünstlerInnen sind dazu angehalten, in ihren Arbeiten an diesen Fragen anzuknüpfen, diese zu beleuchten und in künstlerischer Weise fortzusetzen.
Wie gewohnt wartet das Programm auch heuer mit einer Fülle an Höhepunkten auf. Ein Blick auf die Namen der in diesem Jahr auftretenden KünstlerInnen beweist, dass in der Tat keine Mühen gescheut worden sind, auch 2009 etwas Außergewöhnliches auf die Beine zu stellen. So stehen neben den Noise-Rock-Legenden Sonic Youth am ersten Wochenende unter anderem The Butthole Surfers, Spiritualized und Yo! Majesty am Programm. Am zweiten Wochenende unterstützen Moderat und Stereolab die befreundeten Antony and the Johnsons und CocoRosie. Ebenfalls mit Spannung erwartet werden darf der Auftritt von Richard D. James alias Aphex Twin hinter dem DJ-Pult.
Auch der Anteil an österreichischen KünstlerInnen kann sich sehen lassen. So gibt sich etwa mit Christian Fennesz einer der umtriebigsten heimischen Elektro-Musiker die Ehre. In absurder Maskerade und schrägen Outfits abrocken werden die Wiener Glutamat mit ihrem musikalischen Mix aus Artrock über Electro-Pop und Glam-Punk. Zu einer fiktiven Podiumsdiskussion über Michael Hanekes Medienreflexion “Funny Games” mit electronic noise laden Zoon. Ebenfalls vielversprechend klingt Fritz Ostermayers Tanz-, Sing- und Rührstück “Born-To-Sit-Company”, welches er mit Unterstützung solch illuster Gäste wie etwa Anja Plaschg, Christoph Grissemann und Oliver Welter zur Uraufführung bringen wird.
Alles in allem ist es Tomas Zierhofer Kin und seinem Team erneut gelungen, ein ungemein facettenreiches und in manchen Punkten vielleicht auch sehr kontroversielles Programm auf die Beine zu stellen. Wohl bei keiner anderen Veranstaltung stehen Anspruch, Qualität und Unterhaltung so nah bei einander, wie sie es in diesem Falle tun. Rein Objektiv betrachtet, muss man das donaufestival ab diesem Jahr zu den wichtigsten Kulturveranstaltungen des Landes zählen.(mt)
