DIE SPRITBUAM – „Ganz Schön Bunt“

Spritbuam 1Wenn man eine Parodie nicht gleich als solche erkennt, man – wie Aug in Aug mit einer Kobra –  von Zweiviertelpolka paralysiert den Pausenknopf nicht findet, dann sind es die höchst professionellen SPRITBUAM, die für eine Berg- und Talfahrt an Körperreaktionen sorgen, wie man sie nur aus „Blairwitch Project“ kennt.

Frecher als Global Kryner, besser als Comedian Harmonists, mit Absicht nicht Fisch und nicht Fleisch, so präsentieren sich die vier jungen Künstler Christoph Bleiberschnig (Gesang, Gitarre), Matthias Liener (Gesang, Akkordeon), Stefan Bleiberschnig (Gesang, „Spritmaschin“) und Martin Eckmann (Tuba) trachtig aufgebrezelt und von Marketenderinnen in Dirndln mit warmherzigen Dekolletés eingerahmt am Cover ihres Debüts.

Von Blasmusikarrangements mit Klarinettenverzierungen von Stefan Mörth bis hin zu Wienerliedern, die dem Praterstern-Billa gewidmet sind, mit Gast Ulli Bäer findet man hier alles Mögliche an nahtlosem Gattungscrossover, wie es nur Könner hinkriegen. Mit viel Schmäh entfalten die Männer ihr Handwerk in erweiterter traditioneller Musik, tragen selbstbewusst ihre Trachten und lassen sich durch missverständliche Interpretationen nicht in schmutzige Ecken stellen.

Ich möchte sagen: Wer reflexartig die CD als „volkstümlichen Schlager“ erkennt, liegt zwar völlig richtig, aber zugleich völlig falsch, denn über Musikgeschmack lässt sich nicht streiten und wenn man nicht unbedingt an Blasmusikarrangements der Sorte „Marc Pircher“ gewöhnt ist, könnte man den fatalen Fehler begehen, dem Tonträger zu wenig Aufmerksamkeit zu schenken.

„Vollegas Leberkas“

Wenn den fesch geschamperten Musikern u. a. eines gemeinsam ist, dann köstlicher, bissfester Wiener Humor in ihren Texten. Die Mensa der Wiener Sängerknaben ist schuld. Mottotage führten bei hilflosen Gesangsauzubildenden offensichtlich dereinst zu einer Überdosis Leberkas und so entwickelte sich wohl aus dem Spaß, statt des züchtigen Tischgebets spontan eine Hymne auf die unvegetarische Speise zu komponieren und zu singen, bitterer Ernst. Dieser brachte die Spritbuam hervor, die jeweils in unterschiedlichsten anderen Bands tätig sind. Mit ihrem Debütalbum stellen sie nun alles in den Schatten, was glaubte, Genregrenzen aufzubrechen oder sich nix zu „sch…“.

Spritbuam 2Die Ganz Schön Feists aus Österreich haben den loyalsten Jazzlern eindeutig voraus, dass sie mit ihrer Gute-Laune-Musik und der Kabarett-Chor-Polka-Mischung „Spritpop“ nicht nur von Mayrhofen bis zum Gschupftn Ferdl und vom Musikantenstadl bis zu Voice Mania alles abdecken können. Gegen jeden Verdacht, dies sei „Berechnung“ aus musikalischer Existenzangst, scheint es wirklich „ihr Ding“ zu sein, sonst tät es anders klingen. Die enorme Breitentauglichkeit sei ihnen besonders vergönnt, weil die Qualität dahinter stimmt.

„Moniker, Moniker! Stö ma an Gin Tonic her!“

Ihre besondere Geheimwaffe, und das macht sie noch außergewöhnlicher, sind die Männer-Chorsätze à la Prinzen oder Münchner Freiheit, auch wenn die spritzigen Buben nicht die Ersten sind, die mit den Sängerknaben an der Front Erfolge einheimsen (z. B. 5/8erl in Ehr’n). Durchblutungsfördernd ist auch die Brutalität ihrer Reime. Wenn man dann wieder Luft bekommt nach obrigen Zeilen und sich fragt: „Was war das gerade?“, dann haben die Vokalisten   die Antwort parat:

„Wir ham den ganzen Tag die Lederhosn an“

Alles in allem sind die Spritbuam das Erstaunlichste, was einem im Moment auf dem Sektor so begegnen kann. Irreführung ist bei ihnen Programm und wer die unterschiedlichen Musikszenen kennt, weiß die Spitzfindigkeiten noch mehr zu genießen. Hinter den schlagerfertigen Polkabeats, die einem bereits bei der Anfangsnummer ins Gesicht springen, verbergen sich Vollegas-Vollprofis auf allen Ebenen. Kompliment!

Alexandra Leitner

Fotos: Lukas Beck

http://diespritbuam.at