MARKUS STEINKELLNER aka IDKLANG veröffentlichte gemeinsam mit der serbischen Sängerin SANJA VERNAČKI aka LEBDI Anfang August das Album „Dystoplaya“ (Wire Globe Recordings). Antonia Seierl sprach mit dem Künstler über den Produktionsablauf, seine Arbeit am Theater und seine Bandprojekte.
Wie sind Sie auf den Namen Idklang gekommen?
Markus Steinkellner: Der Name kommt zum einen von „Identity“ und zum anderen vom lateinischen Word „id“ für das „Es“ aus der freudschen Dreiteilung des Ichs. Die Wichtigkeit des Verhältnisses dieser drei Teile hat für mich damals autobiografisch eine Rolle gespielt und hat sich auch gut auf die Musik übertragen lassen.
Wie sind Sie auf Lebdi als Sängerin gekommen?
Markus Steinkellner: Ich habe vor zwei oder drei Jahren auf einer Balkantour in Belgrad gespielt und Lebdi war der local supporting act. Als sie sich während eines Wienaufenthalts bei mir gemeldet hat, haben wir uns für eine Session getroffen. Ich habe ihr Mikrofon an das Gitarren-Effektboard angeschlossen und wir haben eine Stunde lang gejammt und alles aufgenommen, so sind wir zu den „Dystoplaya“-Tracks gekommen. Wir haben dann auch auf dieselbe Art und Weise ein Konzert gespielt. Von diesem Auftritt gibt es auch eine Nummer am Album – „Branding“. Das ist mittlerweile auch schon wieder zwei Jahre her, aber das Projekt hat mich nie losgelassen, ich habe immer wieder daran herumgemixt und arrangiert. Ich fand die Aufnahmen sehr spannend, ich wusste, dass da viel drinnen steckt. Dann habe ich es Freundinnen und Freunden vorgespielt, die fanden das auch sehr cool, bis es dann gereicht hat und ich beschloss, es endlich abzuschließen und herauszubringen.
Sie waren und sind in vielen Bands. Wann haben Sie beschlossen, allein Musik zu machen?
Markus Steinkellner: Das war eigentlich 2008 und es herrschte das übliche Problem des Bandmachens. Man steckt wahnsinnig viel Zeit und Energie hinein und trotzdem es geht nur sehr schleppend weiter, weil nicht jeder so kann und will wie der andere. Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, allein Musik zu machen – quasi ohne Limits.
Ihr Stil ist kein Mainstream, man kann Sie auch nicht in ein Genre einordnen. Wie würden Sie Ihren Stil selbst beschreiben – womöglich als „Idklang“?
Markus Steinkellner: Warum nicht, das würde ja durchaus als Genrebezeichnung passen. Ich tu mir sonst immer schwer, die Genrefrage zu beantworten, ich bin da von so vielen Sachen beeinflusst, das geht von tibetanischer Ritualmusik bis zu Hardstyle. Bei „Dystoplaya“ war Juke ein wichtiger Einfluss – da läuft ja alles auf etwa 160 bpm und ist sehr tanzbar, aber halt doch irgendwie eigen. Ich bewege mich gerne und viel auf Konzerten und in Clubs und überall bleibt etwas hängen, was mich dann mehr oder weniger beeinflusst.
Im Groben haben Sie es bereits gesagt – wie war der Weg vom ersten Gedanken zum fertigen Album bei „Dystoplaya“?
Markus Steinkellner: Die improvisatorische Herangehensweise stammt aus meiner Erfahrung als Teil von FA TECH, dem Projekt mit Dine und Pascal Holper von Aiko Aiko, das wir 2011 in London starteten, wo wir mit tragbaren Aufnahmegeräten durch die Stadt streiften. Wir hatten unsere Laptops und batteriebetriebenen Verstärker dabei und überall, wo es uns gefallen hat, haben wir uns hingesetzt, die frischen Samples eingespielt und eine Session auf Laptop-Akkulänge gespielt. Es war sehr spannend, sofort mit dem gerade Aufgenommenen zu spielen, ohne viel Schnickschnack. Und ein ähnliches Set-up mit Field Recording Samples habe ich dann auch bei der „Dystoplaya“-Session mit Lebdi verwendet.
„Am Theater ist man Teil eines Ganzen […]“
Sie haben zwischen bzw. während Band- und Soloprojekten immer wieder bei Theater- und Hörspielproduktionen mitgearbeitet. Was ist für Sie der gravierende Unterschied zwischen einer Albumproduktion und einer Theater- bzw. Hörspielproduktion?
Markus Steinkellner: Am Theater ist man Teil eines Ganzen – die Stücke werden geprobt, man reagiert auf Aktionen im Stück, es ist eine Art Teamarbeit. Man wird vom Stück und natürlich der Interpretation der Schauspielerinnen und Schauspieler beeinflusst und reagiert dann darauf.
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Variiert Ihr Sound zwischen Eigen- und Theaterproduktion?
Markus Steinkellner: Ja, bestimmte Sachen unterscheiden sich definitiv, weil sie nur in Bezug zur jeweiligen Inszenierung funktionieren. Aber es passiert auch immer wieder, dass ich manche Stücke aus Theaterproduktionen später in meinen Soloproduktionen verwende. Es bereichert mich also, es entstehen neue Ideen, Herangehens- und Produktionsweisen. Eigen- und Theaterproduktionen beeinflussen einander – mein Stil ist also nicht ein vollkommen anderer im Theater, ich habe die Freiheit, ich selbst bleiben zu dürfen.
„Es gibt sehr viele liegen gelassene Projekte und Ideen, mit denen ich mich beschäftigen möchte.“
Wird es in nächster Zeit mehr von Ihnen allein geben oder mehr Bandprojekte?
Markus Steinkellner: Ich habe gerade Zeit, mich auf die Arbeit an einem Album zu konzentrieren. Es gibt sehr viele liegen gelassene Projekte und Ideen, mit denen ich mich beschäftigen möchte. Mir wird also nicht langweilig. Ich arbeite gerade auch an einer EP mit dem Duo Mermaid & Seafruit – das ist mehr Rap/Hip-Hop. Der Herbst wird also hoffentlich produktiv.
Wird es im nächsten halben Jahr auch Liveauftritte von Ihnen geben?
Markus Steinkellner: Am 12. November spiele ich mit Mermaid & Seafruit in Wien, 19. November gibt’s Idklang live in Graz, wo ich sicher auch „Dystoplaya“-Material spielen werde.
Wird Lebdi bei den Liveauftritten dabei sein?
Markus Steinkellner: Es wäre toll, wenn wir wieder ein paar Live-Sessions spielen könnten. Die Tracks von „Dystoplaya“ zu interpretieren war eigentlich nie eine Idee. Den Entstehungsprozess zu rekonstruieren würde sehr aufwendig werden. Die „Dystoplaya“-Tracks eignen sich so, wie sie sind, sehr gut für die tanzbare Seite meines Live-Sets. Ich habe das Album jetzt auch schon zweimal live gespielt, einmal auf einem Technofestival in Deutschland und einmal in der Linzer Stadtwerkstatt, und beide Male hat es sehr gut funktioniert.
Vielen Dank für das Gespräch!
Antonia Seierl
