DAVID STELLNER – „Wenn da Vollmond scheint“

Der Multiinstrumentalist, der in die Schlagzeilen geriet als U-Bahn-Picknicker, wie er Birgit Denk bei einer Montagsveranstaltung in der Kulisse erzählte, scheint mit Leib und Seele der Umganssprache verfallen. „Reim di oda i friss di“ ist nicht. Starke Stücke für‘s Jetzt dagegen schon. Soweit muss Austropop gehen. 

Raue Stimme, inwendige, unkitschige Lyrics und Revolutionsbereitschaft stecken in ihm von der Sorte „Scheiß ma nix, i hob wos zum Sogn“. Dabei lässt sich Stellner nicht unbedingt festnageln, denn nicht nur Extrem-Picknicken pflegt er ohne Hintergedanken und Zwangsbotschaft: Interpretation muss Interpretation bleiben, manches lässt er auch in der Musik dem Hörer offen. In diesem Sinn führt der Gitarrist, Sänger, Harmonikaspieler u.v.m. in seiner persönlichen Gedankenreise durch den elf Titel beinhaltenden Tonträger und wirkt in jeder Sekunde glaubhaft.

„Warum hoib, wenn ma gaunz hob’n kann“…

…meint auch, sich nicht zu sehr zu verbiegen.  Kompromisslosigkeit spürt man bei diesem Musiker dadurch, dass er sich offenbar lieber eine Hand abhacken lassen würde, als einen abgedroschenen und/oder schlechten Reim zuzulassen. Das verleiht dem Ganzen eine spezielle Note von „Theatersprache“ und angenehme Ungeniertheit diesbezüglich. Die selbst arrangierten Lieder (vorwiegend sogar selbst komponiert) und Texte kommen unbemüht und treffen oft direkt ins gehirnliche  Emotionszentrum.

„Treibhoiz“ fetzt lässig, „Hätt‘ i gwusst“ hingegen berührt peinlich und handelt von der Unwiederbringlichkeit von Momenten und lieb gewonnenen Menschen. „Wenn da Vollmond scheint“, gehen die Hormone mit ihm durch und an einem anderen einsamen Abend denkt er sich vielleicht: „Schenk ma nur a letzte Nocht“. Was darf man daraus schließen? „Des Leben is a Hua, die da jedesmoi zu vü varrechnet“. Eine geniale Textzeile für das kleine „Hey Joe!“-Gefühl des Gemütlichkeitsrauchers, hier statt in Reggae sogar in Wienerliedmanier gefeiert. Alles in allem leckere Stückerln!

Eine Armada von MitmusikerInnen…

…begleitet den Singersongwriter auf der CD. An den Strings und oft auch auf der Bühne fungiert Raffael Widmann. Mundharmonika, Synthesizer, Bass, Klavier, Perkussion und fette Stimmbänder im Hintergrund tragen die Lieder. Gekonnt werden sie mehr als bedient von  Helena Maertelaere, Maria Luise Nutz, Andrea Nutz Stefan Haslinger, Florian Aschauer, Peter Power, Bernhard Zimmermann und Florian Fitz.

Die erste Palatschinke…

…wird naturgemäß  immer schwarz und ist somit unzumutbar. Dies gilt aber nicht für David Stellner und im Bezug auf seine Alben. Der Zug ist für Austropop lange noch nicht abgefahren, zumindest nicht, wenn er sich so präsentiert. Ohne „covern“, unbemüht, unabgelutscht, angebracht, mit Rap von Tayler Kazy kommt er in Stellners Fall zeitgemäß und unpeinlich daher. Der Biss, mit dem schon Good-old Woifferl per „Hofa“ den Zeitungeist manch zu bequemer Berufslebenskünstler aushebelte, schlägt wieder zu, nicht nur bei Vollmond.

Alexandra Leitner

http://www.davidstellner.com