Das Trojanische Pferd – Wut und Disziplin

Dass die Formation Das Trojanische Pferd ihre musikalische Berufung nicht unbedingt im Erfüllen herkömmlicher Indierock-Formate und Standards sieht, sondern sich vielmehr alle Räume offen lässt, um auch das tun zu können, was man wirklich will, war schon auf dem 2009 erschienenen selbstbetitelten und von allen Seiten mit viel Lob bedachten Debütalbum zu hören. Mit „Wut und Disziplin“ (Problembär Records) folgt nun der zweite Streich des Wiener Zweiergespanns. Und schon nach dem erstmaligen Anhören der insgesamt dreizehn neuen Songs ist klar, dass sich an der Einstellung der beiden erfreulicherweise nicht viel geändert hat. Immer noch ist man bestrebt, eine spannende Version von Popmusik mit Tiefgang und Anspruch abzuliefern. Ohne große pathetische Gesten werden von der Band mit dem Ziel, doch etwas anders zu klingen als der Rest, auch diesmal alle möglichen Untiefen der Popularmusik von heute gekonnt umschifft. Mit Erfolg. Präsentiert werden die neuen Lieder am 24. Februar in der Roten Bar des Wiener Volkstheaters.

Ob tatsächlich ein zweites Album dieses Duos jemals erscheinen wird können, stand lange Zeiten in den Sternen. Aufgrund bandinterner Konflikte lag das gemeinsame Projekt von Hubert Weinheimer und Hans Wagner zunächst einmal auf Eis. Für Hubert Weinheimer warf sich sogar die Frage auf, ob er überhaupt noch irgendwann einmal Musik machen würde. Persönlich Krisen ließen ihn ein halbes Jahr kein Instrument in die Hand nehmen. Die Zukunft der Band offenbarte sich also mehr als ungewiss. Doch die Zeit, so scheint es, heilt doch manche Wunden. Natürlich spiegeln sich die gemachten Erfahrungen in irgendeiner Art und Weise auch in den neuen Liedern wider. Und von ungefähr kommt der gewählte Titel des zweiten Albums „Wut und Disziplin“ wohl auch nicht. Doch anders, wie man es sich vielleicht erwarten könnte, handelt es sich hier um keine Abrechnung mit der Vergangenheit, um keine große Aufarbeitung und zur Schaustellung der Leidensgeschichte.

Das Trojanische Pferd – Nicht Wichtig by mica

Vielmehr unterstreichen Hubert Weinheimer und Hans Wagner mit ihrem neuen Album einmal mehr eindrucksvoll, dass sie zusammen, was das hohe Niveau ihrer Arbeit betrifft, ein überdurchschnittliches Singer/Songwritergespann bilden. Mit dem Händchen und dem Gefühl, all ihre Ideen in ungemein spannende und abwechslungsreiche Arrangements zu kleiden, erschaffen sich die beiden ihr ganz eigenes, melancholisch-edles Klanguniversum, das durch ein breites Instrumentarium (Trompete, Cembalo, Geige, Sousaphon,…) erschaffen, vom anspruchsvollen Liedermachertum über Folkeinschläge und hin zum punkigen Rock reicht. Das Schöne an den neuen Nummern ist, dass es keinerlei Wiederholungen gibt. Jedes einzelne Stück, ob nun zurückhaltende Ballade, Popsong oder Rockkracher, steht als alleiniges Kunstwerk für sich. Zusätzliche spannende Facetten verleiht dem Ganzen das Zutun einiger nicht ganz unbekannter Gastmusiker, welche dem Zweiergespann unterstützend zur Seite gestanden sind. Unter anderem ihre Finger mit im Spiel gehabt haben Produzent Thomas Pronai (Bo Candy & His Broken Hearts), Meaghan Burke, Anna Kohlweis (Paperbird, Squalloscope) und Walther Soyka.

Alles in allem muss man sagen, dass Hubert Weinheimer und Hans Wagner einmal mehr ein beeindruckender Wurf gelungen ist. Die Songs besitzen durch die Bank Klasse und büßen auch nach mehreren Durchläufen nichts von ihrem Reiz ein. Ein wunderbares Beispiel zeitloser Popmusik. (mt)

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