Das Mivos Quartet mit Jorge Sánchez-Chiong und Martin Siewert

Welten werden nicht nur in geographischem Sinne aufeinanderstoßen, wenn die aus allen Himmelsrichtungen stammenden MusikerInnen und KomponistInnen des Mivos Quartets, Jorge Sánchez-Chiong und Martin Siewert am Freitag, 22.6. im echoraum aufeinandertreffen. Auch musikalisch werden dabei Grenzen überschritten, ausgeweitet und vielleicht auch neu gezogen werden. Denn schon die Besetzung in der Kombination von klassischem Streichquartett mit E-Gitarre und analoger Elektronik verspricht Ungewohntes, bei dem unterschiedliche Elemente aus Schubladen wie Neuer Musik, Noise und diverser elektronischer Richtungen zu einem neuen Konglomerat verschmelzen. Und auch zwischen den Polen von ausnotierter Komposition und Improvisation ist alles erlaubt. Zudem treten die meisten Ausführenden in mehrfacher Funktion von InterpretIn, ImprovisatorIn und KomponistIn vor das Publikum und schöpfen aus der Stimmung des Moments Inspiration für Ungehörtes.

Die in Wien und Italien aufgewachsene Olivia De Prato kann wohl ohne Zweifel als Allrounderin bezeichnet werden. Als Geigerin fühlt sie sich weniger dem üblichen Kanon verpflichtet, obwohl sie auch diesen abdeckt, sondern weitet ihre musikalischen Felder sowohl solistisch als auch kammermusikalisch in alle Richtungen aus. Und bei dieser Gelegenheit darf man sie in den unterschiedlichen Rollen von der Interpretin über die Improvisatorin bis hin zur Komponistin erleben, dabei stets in vertrauter Zusammenarbeit mit ihren amerikanischen MitstreiterInnen des Mivos  Quartets. Hinzu gesellen sich zwei besondere Vertreter des österreichischen Musiklebens, die sich ebenso wenig von traditionell Üblichem leiten lassen. Jorge Sánchez-Chiong begann mit lange entwickelten, ausnotierten Kompositionen und bewegte sich immer weiter in Richtung Elektronik; in den letzten Jahren hat er sich vor allem mit Turntables und Laptop in den unterschiedlichsten Kontexten bewegt. Wer ihn dabei einmal in Aktion erlebt hat, wird den intensiven Auftritt wohl kaum vergessen. Eine bereits langjährige Zusammenarbeit verbindet ihn mit Martin Siewert der als ebenso schillernder Fisch die musikalischen Ozeane durchstreift und seine Spuren hinterlässt. Ob instrumental oder mit Elektronik, notiert oder nicht, überall scheint er sich zuhause zu fühlen.

Was nun bei der Zusammenkunft der MusikerInnen mit ihrer bezeichnenden Offenheit herauskommt, darauf darf man gespannt sein. Denn ein abwechslungsreicher Abend ist garantiert, der mit seinen ungewohnten Sichtweisen auf Bekanntes das Blickfeld erweitern und die Drehpunkt ändern könnte. (dw)

Foto: Giulia Iacolutti