„DAS MACHT FÜR MICH COSMÓ WIRKLICH AUS: ÜBER GRENZEN HINAUS DENKEN“ – COSMÓ IM MICA-INTERVIEW

Ab 12. Mai 2026 ist COSMÓ für Österreich beim 70. Eurovision Song Contest (ESC) am Start – er tritt dabei in große Fußstapfen, denn bisher gab es bereits drei Mal einen österreichischen Sieg. Nach UDO JÜRGENS (1966) und CONCHITA WURST (2014) hat JJ mit „Wasted Love“ den ESC im Jahr 2025 gewonnen. Jürgen Plank hat mit COSMÓ über Erfolg und Misserfolg genauso gesprochen wie über den Hintergrund zu seinem Lied „Tanzschein“. COSMÓ erzählt auch, ob er selbst einen klassischen Tanzkurs gemacht, seinen Tanzschein somit erworben hat und Walzer tanzen kann. Und Cosmó erklärt, warum er in Zukunft möglicherweise ein Lied in ungarischer Sprache singen wird.

Es gibt viele Bands, die am Eurovision Songcontest (ESC) teilgenommen haben, die danach nicht besonders erfolgreich waren. Welche Bedeutung hat ein Bewerb wie dieser karrieretechnisch überhaupt?

Cosmó: Kann ich jetzt gar nicht so sagen. Also, ich werde auf jeden Fall weiter machen, auch nach dem Songcontest. Es gibt viele Songs, die ich gerne zeigen möchte und Geschichten, die ich erzählen möchte. Ich hoffe, dass einige Fans auch nach dem Song Contest noch dabeibleiben, ich hätte auf jeden Fall noch Vieles für die Zeit danach geplant. Aber jetzt liegt der volle Fokus natürlich mal auf der Performance beim Eurovision Song Contest.

Irgendwo habe ich gelesen, dass du das Lied „Tanzschein“ auch für deine Mutter geschrieben hast. Was ist denn die Geschichte hinter diesem Song und hinter diesem Begriff „Tanzschein“?

Cosmó: Ich wurde von meiner Mama inspiriert, weil sie mir oft sagt, dass sie das Tanzen vermisst. Und deswegen habe ich gedacht, möchte ich mal einen Tanz- und Gute-Laune-Song schreiben. Und die Idee hinter dem Song war tatsächlich meine erste Erfahrung in einem Club. Als ich mit Freunden zum ersten Mal in einen Club gegangen bin, war das ziemlich enttäuschend, weil die Menschen eben nicht getanzt haben und nur still dagestanden sind. Ich fand das schade, weil ein Club vor allem für junge Menschen ein wichtiger Ort ist, um mal wirklich loszulassen und eine Pause vom Alltag zu haben. Und deswegen dachte ich, sollten wir in Clubs den Fokus wieder auf die Musik und auf das Tanzen legen.

Hast du jemals einen klassischen Tanzkurs besucht, Tänze wie Walzer gelernt und mit dem Tanzkurs sozusagen einen Tanzschein gemacht?

Cosmó: Ich habe mal für einen Schulball etwas einstudiert und das haben wir dann auch aufgeführt, ich würde sagen: da habe ich meinen Tanzschein gemacht. Eine klassische Tanzschule habe ich noch nicht besucht.

„ICH GLAUBE ALS NÄCHSTES GEHE ICH DEN WALZER AN“

Kannst du dir vorstellen, das zu machen?

Cosmó: Ich bin schon am Überlegen, also es ist schon sehr verlockend. Das werde ich mir nach dem Song Contest überlegen, weil normalerweise bin ich eigentlich immer nur zu Hause, alleine und tanze. Oder ich tanze auf der Bühne. Ja, ich glaube als Nächstes gehe ich den Walzer an.

Bild des msuiers Cosmó
Cosmó © Matthias Heschl

Im Jahr 1974 hat die Band ABBA mit „Waterloo“ den ESC gewonnen. Du hast in einem Interview mal gesagt, das wäre eine Band, die dich irgendwie inspiriert, beeinflusst beziehungsweise beeindruckt.

Cosmó: Für mich ist das eine ganz besondere Band, weil ich mit ABBA groß geworden bin. Denn meine Mama hat mir, da war ich drei oder vier Jahre alt, „Mama Mia“ auf DVD gezeigt, damit ich Englisch lerne. Aber ich habe mich sofort in die Musik verliebt. Für mich strahlen die einfach so eine Positivität aus, aber auch eine Individualität. Damals beim Song Contest, das habe ich jetzt gelernt, war es eigentlich unüblich, wie sie sich angezogen haben, wie sie sich präsentiert haben. Für damals war das fast schon revolutionär. Das finde ich inspirierend und das hat mich als Musiker auch sehr geprägt. Es ist wirklich eine Band, die mich mein ganzes Leben lang begleitet hat.

Hast du analysiert, wie sich Sieger-Bands oder erfolgreiche Bands beim Song Contest präsentiert haben?

Cosmó: So richtig analysiert habe ich das nicht. Mich beeindruckt immer, wenn jemand etwas mit Leidenschaft macht und eine Einzigartigkeit hat. Vor Cosmó war ich eigentlich immer frustriert, weil ich das Gefühl hatte, dass ich meinen Stil nicht finde. Letztes Jahr hatte ich dann so einen Moment, in dem ich mir gedacht habe: Okay, ich lasse wirklich mal alles los und probiere, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen und über Grenzen hinaus zu denken. Durch diese Einstellung entstand dann eigentlich Cosmó.

Wie hast du die Konkurrent:innen bei der Österreich-Vorausscheidung zum Song Contest erlebt?

Cosmó: Es fällt mir schwer, Konkurrent:innen zu sagen, denn es war echt cool mit den anderen. Ich durfte alle kennenlernen, das waren nette Leute und wir hatten eine schöne Zeit zusammen. Das war eine Woche gemeinsam im ORF-Zentrum, es war sehr aufregend, in einem Fernsehstudio mitzumachen. Ich und meine Band, wir haben unsere Chancen gar nicht als groß erachtet. Es war für uns auf jeden Fall eine Überraschung, dass „Tanzschein“ so gut angekommen ist. Wir haben uns einfach gesagt: Hey, wir ziehen unser Ding durch und haben den Spaß unseres Lebens. Und so war es dann auch.

Dieses Video auf YouTube ansehen.
Hinweis: Mit dem Abspielen des Videos laden sich sämtliche Cookies von YouTube.

In Amsterdam gab es vor kurzem eine Preparty zum Eurovision in Concert. Da waren 27 der aktuellen ESC-Teilnehmer:innen dabei. Haben die Fans in Amsterdam die Choreographie zu „Tanzschein“ getanzt?

Cosmó: Ja, haben sie. Das war für mich echt Gänsehaut pur. Ich glaube, fast die ganze erste Reihe hat den Tanz mitgemacht. Das während der Performance zu sehen, war ein Energieschub. Das hat man wirklich auf der Bühne gespürt.

Haben auch manche den blauen Stern, den du als Markenzeichen etabliert hast, verwendet?

Cosmó: Ja, das haben einige gemacht. Ich glaube, ich habe vier, fünf Leute mit einem aufgemalten blauen Stern getroffen, einige waren im Publikum dabei. Ich freue mich jedes Mal darüber.

„ICH FINDE, COSMÓ MACHT MICH EIN BISSCHEN EXTROVERTIERTER, DENN PRIVAT BIN ICH EHER SCHÜCHTERN“

Was bedeutet der Stern für dich und könntest du dir vorstellen, den Stern vielleicht an anderer Stelle, also nicht ums Auge herum, als Tattoo stechen zu lassen?

Cosmó: Bei Tattoos bin ich mir immer so unsicher, weil ich nie weiß, wo ich das hingeben soll. Und das geht dann ja nicht mehr weg. Was mache ich, wenn ich das Tattoo an eine andere Stelle geben möchte? Ich weiß nicht, da bin ich unentschlossen. Aber für mich ist der blaue Stern wirklich das, was Cosmóausmacht. Und wenn ich mir den aufmale, dann schlüpfe ich sozusagen in eine Rolle beziehungsweise zeige ich dann eine Seite von mir, die Cosmówirklich ausmacht. Dann bin ich in meiner Stage-Persona. Ich finde, Cosmó macht mich ein bisschen extrovertierter, denn privat bin ich eher schüchtern. Ich bin eher ein ruhiger Mensch und als Cosmó kann ich mal so richtig die Sau herauslassen.

Dieses Video auf YouTube ansehen.
Hinweis: Mit dem Abspielen des Videos laden sich sämtliche Cookies von YouTube.

Was macht Cosmó noch aus?

Cosmó: Cosmó macht seine Weltoffenheit aus. Cosmó ist ja die Kurzform für Cosmopolitan und für mich bedeutet das, über Grenzen hinaus zu denken. Andererseits spielt der Name auf meine Herkunft an. Ich bin in Ungarn geboren, meine Mama ist aus Ungarn und mein Papa aus Deutschland, ich bin aber in Österreich aufgewachsen und hier ist für mich mein Zuhause. Trotzdem hatte ich halt Einflüsse aus drei verschiedenen Ländern, die mich sehr geprägt haben. Letztes Jahr war es zum Beispiel so, dass ich dann diese Offenheit auch musikalisch über Grenzen hinausdenken konnte und dann plötzlich auch auf Deutsch geschrieben habe, in einem ganz anderen Stil. Das macht für mich Cosmó wirklich aus: über Grenzen hinaus denken.

Kommt vielleicht auch mal ein Song auf Ungarisch von dir oder eher nicht?

Bild des Musikers Cosmó
Cosmó © Matthias Heschl

Cosmó: Das ist auf jeden Fall möglich, aber für jetzt bleibe ich mal bei Deutsch.

Was wäre für dich ein erfolgreiches Abschneiden beim ESC?

Cosmó: Für mich ist es schon ein großer Erfolg, beim Eurovision Song Contest dabei zu sein, aber ich gehe natürlich mit der Einstellung hin, dass ich gewinnen möchte. Wir können das erreichen, indem wir alles geben. Für mich ist der größte Erfolg einerseits, wenn die Menschen während der Performance mittanzen und andererseits, wenn wir dann im Greenroom nach der Performance sitzen und uns denken: Okay, super, wir haben alles gegeben und jetzt liegt es beim Publikum und bei der Jury.

Österreich hat bisher drei Mal beim ESC gewonnen, aber es gab auch schon acht Mal den letzten Platz für österreichische Teilnehmer:innen. Wie würdest du mit einem Misserfolg umgehen?

Cosmó: Das ist schwer zu sagen, weil ich glaube, es kommt ganz auf diese drei Minuten an. Auch wenn man eine erfolgreiche Karriere hinter sich und ganz viel Erfahrung hat: Es sind wirklich diese drei Minuten, die alles ausmachen. Deswegen bin ich einfach sehr gespannt, wie diese drei Minuten sein werden, ich werde auf jeden Fall mein Bestes geben. Und wenn es dann eine Platzierung weiter unten ist, dann freue ich mich, dass ich dabei war. Es ist so oder so eine schöne Reise und ich bin jetzt schon stolz, einerseits auf mein Team, das ich durch diese Reise gefunden habe und andererseits darauf, dass ich natürlich beim Eurovision Song Contest dabei bin.

Du hast vorhin erzählt, dass du im letzten Jahr Songs geschrieben hast. Wird es bald ein Album geben?

Cosmó: Ich habe auf jeden Fall einige Songs in der Schublade, die letztes Jahr entstanden sind. Wann das alles kommt, weiß ich noch gar nicht. Ich bin gerade mit vollem Fokus beim ESC und es ist gerade schwer, an andere Sachen zu denken. Aber ich weiß, dass es weitergehen wird.

Herzlichen Dank für das Interview.

Jürgen Plank

++++

ESC: ab 12.5.2026

Support Shows
14. Juni 2026: Graz – Support Folkshilfe
19. Juni 2026: Kufstein – Support FoHi + Aut of Orda
11. Juli 2026: Waidhofen – Support FoHi
29. August 2026: Amstetten, Eishalle – Opener bei Pizzera & Jaus
05. September 2026: Stadion Kitzbühel – Opener bei Pizzera & Jaus

Club Tour
04. Oktober 2026: Hamburg, Nochtspeicher
05. Oktober 2026: Berlin, Privatclub
06. Oktober 2026: München, Kranhalle
08. Oktober 2026: Wien
09. Oktober 2026: Linz – Support von Aut of Orda
10. Oktober 2026: Graz
14. Oktober 2026: Salzburg
15. Oktober 2026: Innsbruck
16. Oktober 2026: Dornbirn

++++

Links:
Cosmó
Cosmó (Instagram)
Cosmó (TikTok)
Eurovision Song Contest