
“Breite deine Flügel aus, Liebste. Nimm dir so viel Raum wie du willst.“
Henri bietet seiner frisch angetrauten Frau Grâce das nötige Kleingeld und ein Haus mit 28 Zimmern. Eine einzige Türe müsse jedoch verschlossen bleiben. Carole Fréchettes atemberaubender Blaubart-Horrortrip wirbelt das Paar samt Verwandtschaft durch ein Labyrinth voller Abgründe und Rätsel.
Mysterium Familie – Kraftplatz und Hort der Ungeheuerlichkeiten und Tabus. Lackfläche, gezeichnet von korrodierenden Lügen über gut gemeinte Übergriffe. Vaterlose Gesellschaft auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Konvention ist der Mörtel, Gehorsam das Baumaterial für das Kellerverlies der Kleinfamilie Mustermann.
Carole Fréchette
geboren 1949 in Montréal.
1995 erhält die Prosa- und Theaterautorin den Governor General’s Award für ihr Drama “Les quatre morts de Marie”, 1998 den Floyd S. Chalmers Preis für die englischsprachige Erstaufführung desselben Dramas in Toronto. Auch außerhalb ihrer Heimat werden die Stücke der Kanadierin rezipiert, in Deutschland wird ihr Drama “Elisas Haut” 2001 durch das Münchner Galerie Theater in der Black Box im Gasteig erstaufgeführt. 2002 erhält sie den Prix de la Francophonie und schließlich den gut dotierten Siminovitch-Preis. Die Jury begründet die Entscheidung wie folgt: “… Ihre Stücke lassen im Bekannten Unbekanntes, im Fassbaren das Unfassliche anklingen, eine Verbindung, die Kennzeichen großer Kunst ist.”
Barbara Klein (Regie)
Schauspielerin, Kabarettistin, Autorin und Regisseurin. 1975 Schauspieldiplom am Reinhardt-Seminar, Schauspielerin u.a. am Theater der Courage, Wiener Volkstheater, Gruppe 80, Ensemble Theater. Mitwirkung bei zahlreichen TV-Filmen. 1993 Gründung des Theaterverlags Bunte Bühne. 1996/97 Mitinitiatorin des ersten österreichischen Frauenvolksbegehrens, 1997/98 Entwicklung des Konzepts „Frauenraum“ und Konstituierung des Vereins LINK.* Verein für weiblichen Spielraum. 1998 Besetzung des ehemaligen Pornokinos Rondell in der Riemergasse, 2000 Gründung von „kosmos.frauenraum“, künstlerische und kaufmännische Leitung, 2003 in „KosmosTheater“ umbenannt. 2003/04 Ergänzungsstudium und Magisterium artis am Institut für kulturelles Management der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Regiearbeiten im KosmosTheater: 2003 „Macht Anstalten“, Texte von Autorinnen und 2007 “Business Class” nach Martin Suter.

geboren in Turin, Tanzausbildung an der Bella Hutter Schule unter der Leitung von Anna Sagna, Abschluss in Ausdruckstanz. 1980 Mitglied der Bella Hutter Contemporary Dance Group. 1986 Gründung der Gincobiloba Company, bis 1991 war sie als Choreografin und Tänzerin an allen Produktionen beteiligt. 1994 Gründung der Gruppe AGAR, auch hier arbeitet sie als Choreografin und Tänzerin in allen Projekten. Außerdem Zusammenarbeit mit bildenden KünstlerInnen und FilmemacherInnen, Auftritte im RAI, sowie spartenübergreifende Projekte wie gastronomisch-theatrale Events zur Verbindung von Literatur und Speise (2001). Zuletzt Arbeiten als Choreografin und Performerin an folgenden Produktionen: HaccaH (2004), Torino Attraverso l’Opera Per Kirkeby (2004), Monocore – odissea dell’immobilità #1 (2004), Double-face – odissea dell’immobilità #2 (2005), Kytos – in potere – odissea dell´immobilità #3 (2005), Chrónoshomo – odissea dell´immobilità #4 (2006), Corpus Hominis (2006), Come Conigli (2007), Cessione (2009), uno (2010), duplica (2011). Paola Bianchi ist mit ihren Arbeiten auf zahlreichen internationalen Theater- und Tanzfestivals vertreten. Im KosmosTheater zeichnete sie in der Produktion „Business Class” (2007) für die Choreografie verantwortlich und erarbeitete 2009 gemeinsam mit Olga Neuwirth das Stück „körper.klang.maschine“ im Rahmen des Festivals „phonoFemme“. Zuletzt gestaltete sie am KosmosTheater gemeinsam mit homunculus einen Doppelabend mit dem Titel „UNO:UNA“. www.paolabianchi.com
Susanne Kirchmayr alias Electric Indigo (Komposition)
arbeitet seit über 20 Jahren als internationale DJ und Musikerin, ihr Name steht für die intelligente Interpretation von Techno und elektronischer Musik. Sie erforscht seit 2002 auch das Live-Improvisieren und freie musikalische Experimentieren, wobei sie in Zusammenarbeit mit Musikerinnen wie Pia Palme, Annelie Gahl oder Dorit Chrysler gängige Genregrenzen missachtet. 2011 produziert Kirchmayr das VLP Album “Terrain“, zur Zeit arbeitet sie an der Komposition “Structuring Contours”, UA im September 2011 beim Festival Klangspuren.
http://indigo-inc.at
Pia Palme (Komposition)
Geboren in Wien, ist Pia Palme seit Jahren international im Bereich neuer und elektronischer Musik tätig. Neben dem Studium der Mathematik und Darstellenden Geometrie an der TU Wien studierte sie Musik in Wien und Improvisation an der Naropa University in Colorado. Als Komponistin entwirft Pia Palme vielschichtige Konzepte unter besonderer Berücksichtigung der Aufführungsorte, experimentiert mit Vokal- und Instrumentalmusik und verwirklicht interdisziplinäre Arbeiten gemeinsam mit anderen KünstlerInnen. Als Interpretin spielt sie eine im Jahr 2007 neu entwickelte zwei Meter große Subbassblockflöte des Schweizer Instrumentenbauers Küng. Der differenzierte Klangreichtum dieses Instruments hat sie mehrfach zu speziell dafür geschriebenen Kompositionen angeregt. Eine ganz andere Klangwelt liefert ein ausgefeiltes elektronisches Setup, das Palme bei Liveauftritten einsetzt. Sie moduliert und verarbeitet damit externe Klangquellen, mikrofoniert unter anderem ihre bisweilen zerlegte Subbassflöte auf verschiedene Arten und hat speziell für ihr Instrument eine ausbalancierte Feedbacktechnik entwickelt. 2007 gründete Pia Palme gemeinsam mit der Stimmperformerin Gina Mattiello das jährlich stattfindende Festival „e_may“ für neue und elektronische Musik. 2011 folgten längere Konzertaufenthalte in Teheran, ein Kompositionsauftrag für die Klangspuren Schwaz sowie der Release eines Albums unter dem Titel „idyllic noise“ gemeinsam mit Electric Indigo und JSX. www.piapalme.at
Silke Felber (Dramaturgie)
geboren 1982 in Wels. Lebt und arbeitet in Wien. Studium der Theaterwissenschaft sowie Romanistik in Wien und Bologna. Regieassistenzen sowie dramaturgische Arbeiten an diversen Wiener Theatern (u.a. Theater Gruppe 80, Drama X, Volkstheater Wien, KosmosTheater). Wissenschaftliche Publikations- und Vortragstätigkeit. Dozentin am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien. Seit 2008 Veranstaltungsorganisatorin am KosmosTheater.
Helen Farnik (Lichtdesign)
geboren 1983 in Baden bei Wien. Freiberufliche Arbeiten als Veranstaltungs- und Eventtechnikerin. Zahlreiche Licht- und Visualisierungskonzepte für Performance-, Tanz- und Theaterproduktionen. (z.B. für Miki Malör, Katrin Schurich, Claud Wagner). Seit 2006 Tontechnikerin der Hörspieltage Neulengbach/Berging. Diverse Regieassistenzen sowie erste Regiearbeit “Und ewig bockt das Weib” (Herbskulturtage Schwechat, 2006). Am KosmosTheater seit 2003, Technische Leitung seit 2007.
Fotos Bettina Frenzel