
Die Inspiration für „Oasen – oases“ schöpfte die aus Kanada stammende und in Österreich aufgewachsene Adriane Muttenthaler vor allem aus ihren Aufenthalten im Waldviertel, jener ruhigen und dünn besiedelten Region im Norden Österreichs, die von nicht wenigen als Rückzugsgebiet, quasi als „Oase“ abseits aller städtischen Unruhe und Hektik, genutzt wird. Genau dort kann man sich erholen, genau dort kann man den Geist öffnen und der Kreativität freien Lauf lassen, und genau dorthin hat die Jazzpianistin auch ihre hochkarätig besetzte Band – Chris Kronreif (Sopransaxophon), Viola Falb (Altsaxophon, Komposition), Michael Erian (Tenorsaxophon, Komposition), Heinrich Werkl (Kontrabass, Komposition) und Patrice Heral (Schlagzeug) – eingeladen, um gemeinsam ungestört an dem neuen Album zu arbeiten. Und diese Atmosphäre der Entspanntheit, Unbekümmertheit und künstlerischen Freiheit ist auch in jeder der aufgenommenen Nummern hörbar.
„Oasen-Zyklus“
Kein Ton wirkt irgendwie überhastet gesetzt, keine Melodie oder Improvisation, kein Wechsel ist eine uninspirierte Ausschmückung, alles hat seinen Platz und geht in Summe in etwas musikalisch sehr Elegantem und spannend in Verbindung Gebrachtem auf. Adriane Muttenthaler malt gemeinsam mit ihren MitmusikerInnen vielschichtige, sehr detailreich ausgearbeitete und spannungsgeladene Klanggemälde, deren Stimmungen ein sehr weites Spektrum an Emotionen abdecken. 
Kompositionen der anderen
Es wäre nicht Adriane Muttenthaler, würde sie nicht auch ihren MitmusikerInnen die Gelegenheit bieten, sich mit eigenem Material einzubringen. So etwa macht die Saxophonistin und Hans-Koller-Preisträgerin Viola Falb in ihrer wirklich schön groovenden Komposition „Just another year“ die von vielen zum Jahreswechsel gefassten und oftmals anschließend wieder gebrochenen Vorsätze zum Thema. Sie selbst sieht es mit diesem alljährlich wiederkehrenden Ritual nicht so eng, was sie auch in musikalisch sehr verspielter Art auszudrücken weiß. Für Michael Erian dagegen war es eine Zugreise nach Deutschland, die ihn dazu bewog, ein Stück zu schreiben. Der Saxophonist saß im Zug „Hugo von Hoffmannsthal“ – daher auch der Titel „Hu-Go“. Auch Heinrich Werkl steuert mit dem in seinem Klang geheimnisvoll angehauchten Track „Mystic“ einen sehr gelungenen Beitrag bei.
Abgerundet wird „Oasen – oases“ durch kurze „Short Cuts“, die während der Aufnahme-Sessions im wavegarden, im Studio von Franz Schaden in Retz, spontan entstanden sind. Hierbei handelt es sich um vier facettenreiche improvisatorische Miniaturen, an denen alle sechs MusikerInnen gleichermaßen mitgewirkt und sich hörbar mit aller Freude im Sinne der Kreativität ausgetobt haben.
Zusammenfassend kann man sagen, dass „Oasen – oases“ ein Album geworden ist, das definitiv darauf abzielt, Bilder im Kopf der HörerInnen entstehen zu lassen. Was es auch in einer sehr eindringlichen Form tut. Kurz: ein wirklich gelungenes und schönes musikalisches Statement, das Adriane Muttenthaler mit ihrer Band Criss Cross hier abliefert.
Michael Ternai
Foto Criss Cross: Fred Eger