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ClickCollective: Die neue Community für Frauen und Nicht-Binäre Menschen in der Musikszene

Dass Frauen und Nicht-Binäre Menschen in der Musikszene unterrepräsentiert sind, ist keine Neuigkeit. ClickCollective ist eine Anfang 2021 gegründete Plattform in Form einer Facebook-Gruppe, die genau diese Menschen unterstützen möchte. Ob mittels günstiger Workshops, Masterclasses, oder kostenloser Songwriting-Sessions, ClickCollective hilft Musiker*innen dabei, sich zu informieren und weiterzubilden. Die Community ist außerdem dazu da, sich gegenseitig zu unterstützen und bietet einen Raum, in dem Probleme aller Art thematisiert und gemeinsam nach Lösungen gesucht werden. Die Musikerin CHRISTINA KERSCHNER ist die Gründerin des ClickCollectives und erzählt im Gespräch mit Itta Francesca Ivellio-Vellin, wie es dazu kam.

Wie geht’s dir?

Christina Kerschner: Vielen Dank, mir geht’s voll gut!

Wow, das habe ich lange nicht mehr von einem*r Gesprächspartner*in gehört!

Christina Kerschner: Ja, ich weiß. Mittlerweile ist das tatsächlich meine Standard-Antwort. Früher habe ich auch immer nur „Ja, passt eh“ geantwortet. Aber mir geht es zurzeit einfach echt gut. Ich hab‘s geschafft, die Situation für mich ein bissl umzumünzen. Ich habe jetzt Zeit, ich konzentriere mich mehr auf mich und meine Arbeit. Ich schreibe gerade sehr viel und lern sehr viel dazu. Ich bin dankbar, dass ich es geschafft habe, sagen zu können, dass es mir gut geht. ClickCollective trägt da auch sehr viel bei, allein das Community-Feeling, das dabei entstanden ist.

Apropos ClickCollective: Wie bist du denn auf die Idee gekommen?

Christina Kerschner: Begonnen hat es eben damit, dass ich eine Phase hatte, in der es mir ganz schlecht ging, und, in der es vielen Sängerinnen, die ich zum Beispiel von der Uni kenn, genauso ging. Wir haben auch ein kleines Grüppchen, in dem wir regelmäßig Video-Calls abhalten. Nach einer Woche des Nichtstuns habe ich begonnen, mir Input zu holen, zum Beispiel mit Songwriting-Tipps auf Youtube. Und ich hatte voll die Motivation, auch umzusetzen, was ich da gelernt hab. Also habe ich es in diese Online-Treffen mit der Uni-Gruppe mitgenommen. Ich war aber unsicher, weil ich diese Treffen, die eigentlich nur zum Quatschen da sind, nicht mit solchen Sachen nerven wollte. Deshalb dachte ich, es sollte so eine Community geben, in der man solche Sachen lernen kann. So ist ClickCollective entstanden. Diese Online-Community bezieht sich allerdings nicht nur auf Songwriting, sondern auch auf Producing und marketing-relevante Themen und vieles mehr.

Bild Christina Kerschner
Christina Kerschner (c) Isabella Hewlett

Wie funktioniert ClickCollective?

Christina Kerschner: Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, einmal im Monat eine Masterclass zu hosten. Die erste hatte das Thema Producing in Logic mit Philipp Zaininger und die nächste findet am 21. Februar 2021 mit der Musikerin und Produzentin Veronika Sterrer aka no:no statt. Sie wird über Sampling und Ableton sprechen. Außerdem gibt es mittlerweile alle zwei Wochen eine Songwriting Session, bei der wir uns auf Zoom treffen. Ich bring da immer ein bissl Input, und wir üben dann gemeinsam. Es ist einfach schön, mit Leuten wieder Kontakt zu haben – auch wenn’s nur indirekt ist. Für mich ist es das größte, wenn Leute anschließend zu mir sagen, „Hey, war cool gestern, ich habe den Song echt fertig geschrieben“. Das beflügelt total.

Soweit ich das verstanden habe, sind die Songwriting-Sessions kostenlos, aber die Workshops und Masterclasses sind mit Kosten verbunden, ist das korrekt?

Christina Kerschner: Ja, genau. Die Workshops und Masterclasses kosten etwas, weil ich die Leute, die ich da einlade, natürlich auch bezahlen möchte. Momentan ist es noch nicht unfassbar viel, aber wir stehen noch am Anfang.

ClickCollective ist in erster Linie auf Frauen ausgerichtet, nicht wahr?

Christina Kerschner: Naja, für Frauen und Non-Binary Personen. Ich möchte mich auf diese Gruppen konzentrieren, da die in der Musikindustrie komplett unterrepräsentiert sind. ClickCollective sehe ich da als Möglichkeit, sich künstlerisch, aber auch im besten Fall persönlich weiterzuentwickeln, da es einen Raum bietet, in dem man Probleme ehrlich ansprechen kann und wo eine Community da ist, die vielleicht Lösungen dafür findet. Es gibt aber auch ein paar Sessions, bei denen alle teilnehmen können. Auf Instagram möchte ich zum Beispiel noch mehr anbieten, was natürlich für alle Interessierte zugänglich ist. Aber die Facebook-Gruppe ClickCollective ist nur für Frauen und Nicht-Binäre Menschen da.

Gerade die Facebook-Gruppe ist auch schon ziemlich groß – sie hat über 250 Members!

Christina Kerschner: Ja, voll crazy! Aber es ist immer noch so ein bisschen ein Monolog, also, die Einzige, die etwas da reinschreibt, bin ich, aber es wird mitgelesen. Ich freue mich aber darauf, wenn ein Austausch stattfindet. An dem arbeite ich noch. Aber ich hoffe, das kommt noch.

Du bist ja selbst musikalisch ziemlich breit gefächert mit der Bruckner University Big Band, Deladap sowie deinem neuesten Singer/Songwriter-Projekt Nnoa, natürlich neben vielen anderen Projekten. Wie hat sich das eigentlich entwickelt?

Christina Kerschner: Ich glaub, vor allem durch das Studium. Also, dadurch, dass ich an der Bruckner Uni studiere, habe ich einfach einen besonderen Zugang zu Musik. Und durch die Uni bin ich ja auch in der Bruckner University Big Band, durch die ich auch andere Strukturen kennenlernen darf. Wir waren schon zweimal auf Tour, und das sind natürlich ganz tolle Erfahrungen. Ich habe allerdings schon das Bedürfnis, diese Bandbreite an Projekten etwas zu schmälern, und mich eben auf die drei, die du erwähnt hast, voll zu konzentrieren. Man kann sich zwar in den verschiedenen Bands voll gut ausprobieren und neu kennenlernen, aber langsam wird die Sehnsucht nach einer eigenen musikalischen Identität größer.

Und das entwickelst du gerade mit Nnoa, stimmt’s?

Christina Kerschner: Ja, genau. Die erste EP kommt voraussichtlich Ende dieses Jahres.

Ich freu mich drauf! Vielen Dank für das Gespräch!

Itta Francesca Ivellio-Vellin

 

Masterclass: Track Deconstruction w/ no:no (Ableton Live)
21. Februar 2021, 11 Uhr
https://www.facebook.com/events/501005644202430

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