Zwei Jahre sind seit ihrem bisher letzten und von allen Seiten hochgelobten Album „The Ground Below“ vergangen. Im April meldet sich die Grande Dame der österreichischen Singer/Songwriterszene Clara Luzia nun mit ihrem neuen, inzwischen vierten Album „Falling Into Place”(Asinella Records) zurück. Und das auf eine mehr als eindrucksvoll Art und Weise. Die diesmal vorwiegend in Eigenregie entstandenen Stücke liefern einmal mehr den Beweis, dass es sich bei der gebürtigen Niederösterreicherin um eine der talentiertesten Liederschreiberinnen des Landes handelt. Was Clara Luzia hier nämlich abliefert, sind Songs so voller wunderbarer melancholischer Melodien, die, exzellent arrangiert und teils sehr zurückhaltend, teils hoch dramatisch in Szene gesetzt, schlicht und einfach berühren und begeistern.
Nach eigenen Angaben versteht Clara Luzia ihr neues Album als eine Art „Befreiung“, als ein Hintersichlassen des Zustands einer inneren Zerrissenheit, als ein Stück Weg hin zu einem Ort, an dem sie als Künstlerin aber auch als Mensch selbst bestimmen kann. Wer bereits die wunderschöne melancholische Single „Sink like a stone“ (lässt einen kaum mehr los) kennt, der kann sich vorstellen, dass es sich bei „Falling Into Place” um ein hochemotionales Stück Musik handelt. Um eines jedoch, das trotz aller Gefühlsoffenbarungen zu keinem Moment auch nur in irgendeiner Weise Gefahr läuft, in den seichten Gewässern des Mainstream-Pop hängen zu bleiben. Pathetik und große Gesten sind nicht wirklich das Ding von Clara Luzia, vielmehr gibt die Songwriterin mit der zerbrechlichen und berührenden Stimme eher nachdenklich distanziert.
Clara Luzia – Sink like a stone (Single edit) by Asinella Records
Was aber den insgesamt zwölf sehr abwechslungsreichen, zwischen dunklen Stimmungen und Momenten der Zuversicht pendelnden Indiepop-Nummern mit zum Teil folkigen Einschlag sehr gut ansteht. Anders noch wie auf dem Vorgängeralbum „The Ground Below“, welches dann doch schon ein wenig in Richtung hin zum orchestralen Pop tendierte, gibt sich die Liedermacherin in ihren neuen Stücken in Sachen Sound deutlich entschlackt. Wunderbar, mit wie wenigen Mitteln es der Künstlerin gelingt, dichteste Atmosphäre zu erzeugen.
Entstanden ist „Falling Into Place“ quasi in kompletter Eigenregie von Clara Luzia (Gesang, Gitarre) und ihrer, aus Ines Perschy (Schlagzeug, Percussion), Heidi Dolak (Cello) und Max Hauer (Piano, Gitarre, Bass, Ukulele) bestehenden Begleitband. Einzig zwei Außenstehende, nämlich Hubert Mauracher (Mauracher, Ping Ping) und Philipp Staufer, durften an den neuen Songs Hand anlegen und diesen einen sehr warmen Grundsound verpassen. Was ihnen auch vortrefflich gelungen ist.
Mit „Falling Into Place“ positioniert sich Clara Luzia einmal mehr als eine höchst eigenständige musikalische Persönlichkeit, der es erneut gelungen ist, ihre ganz eigene und ungemein spannende Version von Popmusik zu konzipieren, welche sich durch eine enorme Vielfalt, hohe Eigenständigkeit und viel Charakter auszeichnet. (mt)
Foto: Sarah Haas