BTZM: Spektakuläre Kombinationen aus Ensemblemusik, Elektronik, Puppenspiel und E-Gitarren

Vier abwechslungsreich programmierte Konzerte präsentiert die italienisch-deutsche Komponistin und künstlerische Leiterin CLARA IANNOTTA beim diesjährigen Festival der “Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik“. Den Rahmen bilden zwei große Werke von Steven Takasugi und Pierluigi Billone, die eine Kombination aus Ensemblemusik, Elektronik, Puppenspiel und Theater beinhalten sowie mit zwei E-Gitarren den Raumklang ausloten. Im Gespräch mit Silvia Thurner erzählt die künstlerische Leiterin unter anderem von ihren Anstrengungen, mehr Publikum für das Festival zu interessieren und wie sie es schafft, das kleine, aber feine Festival international zu positionieren.

Welche Überlegungen haben Sie bei der Konzeption des diesjährigen Festivals geleitet?

Clara Iannotta:
Ich habe für das aktuelle Programm lediglich die Komponisten zur Mitwirkunge ingeladen. Sie haben individuell entschieden, welche Projekte sie verwirklichen und mit welchen Musikern sie zusammenarbeiten möchten. Diese Art der Programmierung war sehr spannend. Die Theatralik im diesjährigen Programm ist durch das Musiktheater von Steven Takasugi repräsentiert. Weiters wird installative Musik von Poliks zu erleben sein, visuelle Aspekte sind in den Werken von Marino und Steen-Andersen wichtig. Abschließend untersucht Billone in seiner Komposition die Grenzen zwischen Klang und Raum.

Jugendliche ansprechen

Sie unternehmen besondere Anstrengungen, um möglichst viel Publikum anzusprechen. Welche Aktivitäten gibt es im Vorfeld des Festivals?

Clara Iannotta: Im vergangenen Jahr haben wir mit Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums in Bludenz gearbeitet. Ich habe rund 80 Jugendliche getroffen und ihnen zeitgenössische Werke vorgestellt, dann kamen sie zum Eröffnungskonzert. Für die meisten von ihnen war es ihr erstes Konzert und die Reaktionen waren sehr unterschiedlich. Einige sind daraufhin jeden Tag gekommen, weil sie mehr über zeitgenössische Musik erfahren wollten. Dieses Jahr treffe ich die Schüler erneut und ich werde sie in die neuen Werke einführen. Darüber hinaus haben wir eine Kompositionswerkstatt, öffentliche Proben und Werkpräsentationen, die öffentlich zugänglich sind.

Nach vier Tagen nicht vorbei

Sie haben im vergangenen Jahr die ersten Erfahrungen als künstlerische Leiterin der Bludenzer Tage gesammelt. Was hat Ihnen gut gefallen, was war eine Herausforderung und welche Dinge waren eine Anstrengung?

Clara Iannotta: Die btzm des vergangenen Jahres waren sehr interessant und zugleich anstrengend für mich, weil ich nicht wusste, was mich erwartet. Ich war sehr beeindruckt von den Auftragswerken. Die meisten der Uraufführungen des vergangenen Jahres hatten mehrere Wiederaufführungen und neue Projekte mit den gleichen Komponisten und Musikern wurden initiiert. Zu wissen, dass das Festival nicht nach vier Tagen vorbei war, ist wahrscheinlich das schönste Geschenk, das ich im letzten Jahr hatte. Das Programm ist Weltklasse, aber die größte Herausforderung ist es auf jeden Fall, mehr Publikum anzusprechen.

Sie haben auch angekündigt, die Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik über die Landesgrenzen hinaus zu bewerben und das Festival international bekannter zu machen. Haben Sie diesbezüglich schon Aktivitäten gesetzt?

Clara Iannotta: Neben dem internationalen Programm, habe ich einen Wettbewerb für Komponistenworkshops initiiert, der den Bludenzer Tagen zeitgemäßer Musik viel Aufmerksamkeit unter den jungen Komponisten eingebracht hat. Eine andere Formen von Werbung sind Einladungen für Journalisten aus anderen Ländern.

E-Gitarren und Raumklang

Pierluigi Billone hat im Auftrag der btzm ein Stück für 2 E-Gitarren komponiert. Ich verbinde dieses Instrument eher mit dem Jazz und der Pop/Rockmusik. Gibt es in diesem Werk Verbindungen in diese Richtung?

Clara Iannotta:
Billones Annäherung wird anders, sehr individuell und überraschend sein. Als ich fragte, ob er für die btzm komponieren wolle, sagte er, er habe die verrückte Idee, ein 60 Minuten dauerndes Stück für 2 E-Gitarren zu komponieren. Ich war begeistert. Ab den 1950er Jahren wurden elektrische Gitarren in der zeitgenössischen Musik verwendet. Stockhausen ist ein frühes Beispiel, aber später auch Louis Andriessen oder Fausto Romitelli. Nun ist die E-Gitarre immer mehr präsent in der neuen Musik. Sie ist ein sehr flexibles Instrument, das auf viele verschiedene Arten eingesetzt werden kann.

Meisterklassen

Die btzm bieten für sechs Komponisten Meisterklassen bei Steven Kazuo Takasugi und bei Pierluigi Billone an. Haben sich viele beworben und wer erhält die Möglichkeit zur Teilnahme?

Clara Iannotta: Dieses Jahr haben wir die Meisterklassen zum ersten Mal ausgeschrieben. Hundert junge Komponisten aus der ganzen Welt haben sich beworben, um in Bludenz Unterstützung zu finden und ihre Arbeit öffentlich präsentieren zu können. Steven Takasugi, Pierluigi Billone und ich haben sechs Komponisten ausgewählt. Misael Gauchat aus Argentinien, Julien Malaussena aus Frankreich, Adi Snir aus Israel, Andrew Greenwald aus den USA und Justin Hoke aus Italien sowie der österreichische Komponist Lorenzo Troiani kommen zu den Meisterkursen und einer von ihnen wird am Ende einen Kompositionsauftrag für die kommenden btzm erhalten.

Künstlerische Leitung und Komponieren

Ursprünglich haben Sie die Leitung der btzm für zwei Jahre übernommen, also für die Jahre 2014 und 2015. Doch bereits im vergangenen Jahr wurde Ihre Intendantentätigkeit auf fünf Jahre ausgeweitet.

Clara Iannotta: Ja, ich habe die Ehre, das Festival bis 2018 zu leiten. Wolfgang Maurer, der Obmann des Vereins allerart, war der Meinung, ich sollte dem Festival meine eigene Richtung geben und dies wäre in nur zwei Jahren nicht möglich. Deshalb arbeite ich schon an den Programmen für 2016 und 2017 und ich versuche, mir selbst und dem Publikum neue Herausforderungen zu stellen.

Sie sind selbst eine viel beschäftigte Komponistin. Mit welchen Kompositionen sind Sie derzeit beschäftigt?

Clara Iannotta: Die vergangenen zwei Jahre war ich sehr beschäftigt und ich bin glücklich, dass ich Kompositionsaufträge bis ins Jahr 2018 habe. Im Moment schreibe ich ein Werk für das französische Ensemble 2e2m. Mein erstes Chorwerk komponiere ich für den Chor Accentus. Meine nächsten Projekte sind auch ein Klavierkonzert, ein Stück für sechs Stimmen und Licht sowie Streicher- und Kammerorchesterstücke.

Danke für das Gespräch.

Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift für Gesellschaft und Kultur, im November 2015 erschienen.

Factbox
Donnerstag, 19. November – Sonntag, 22. November 2015, Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik,  Remise Bludenz, 20 Uhr, Sonntag, 15 Uhr

http://www.btzm.at/