Mit „Simmering“ (Capricorn Music) legt die Wiener Formation Bop Explosion ein Album vor, das den Geist des klassischen Jazz mit einer hörbar zeitgenössischen Perspektive verbindet. Initiiert vom Pianisten und Komponisten Gerhard Schramke, versammelt das Projekt einige profilierte Stimmen der heimischen Szene – Musikerinnen und Musiker, die über langjährige Erfahrung verfügen und zugleich die Offenheit mitbringen, Traditionen neu zu denken. Was dabei entsteht, ist kein nostalgischer Rückblick, sondern eine lebendige, mit stilistischer Neugier vorgetragene Annäherung an die Jazzgeschichte.
Der musikalische Kern des Albums speist sich aus Schramkes Eigenkompositionen, die neben ausgewählten Klassikern stehen. Doch statt einer bloßen Hommage wird hier eine eigene Sprache entwickelt. Die Band greift bekannte Motive und stilistische Elemente auf, überführt sie jedoch mit kreativem Geist, Leidenschaft und spürbarem Spielwitz in ein modernes Klangbild. Die Wurzeln im Bebop sind zwar hörbar, das Spektrum reicht jedoch deutlich weiter: elegante Swing-Passagen, entspannte Grooves, atmosphärisch dichte Momente und rhythmisch pointierte Ausbrüche wechseln einander ab und verleihen dem Album eine bemerkenswerte dramaturgische Dynamik.
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Gerade dieses Wechselspiel macht den Reiz von „Simmering“ aus. Energetische Ensemblepassagen, in denen Trompete, Saxophon und Rhythmusgruppe ein mitreißendes Feuerwerk zünden, stehen neben zurückgenommenen, fast kammermusikalischen Momenten. Die Musik bewegt sich dabei mühelos zwischen ergreifender Reduktion und einem Klang, der stellenweise beinahe an die Wucht eines kleinen Big-Band-Arrangements erinnert. Getragen wird das Ganze von einer präzise verzahnten Rhythmusarbeit aus Bass, Schlagzeug und Percussion, die den Stücken Energie verleiht, ohne sie zu überladen. Die Percussion setzt zusätzliche klangliche Akzente und erweitert hörbar das Spektrum, während sich darüber die ausdrucksstarke Stimme von Lili Mae legt, die einzelnen Nummern eine zusätzliche emotionale Tiefe verleiht und für schöne Kontraste im ansonsten instrumentalen Gefüge sorgt.
Bop Explosion gelingt auf „Simmering“ der überzeugende Versuch eines musikalischen Brückenschlags zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Der Jazz erscheint hier zugänglich, lebendig und voller Bewegung – präsentiert mit beeindruckender stilistischer Sicherheit, viel Atmosphäre und einer Spielfreude, die in jedem Moment spürbar bleibt. Ein Album, das zeigt, wie frisch und zeitlos Jazz traditioneller Prägung klingen kann, wenn man ihn mit offenen Ohren und klarem künstlerischem Anspruch in die Gegenwart überführt.
Michael Ternai
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Bop Explosion live
09.03. Jazzland, Wien
12.03. Hob i Raum, Bad Vöslau
26.03. Restaurant Familie Reiter, Wien
14.05. Zwe, Wien
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