BLACK BOX RADIO – „Urban Healer“

Dass es die fünf Jungs von BLACK BOX RADIO wirklich verstehen, klasse und lässige Rocknummern zu fabrizieren, weiß man eigentlich schon seit ihrem vielgelobten Erstlingswerk “Underneath the Subsurface”. Nun folgt in Form der EP „Urban Healer“ eine kleine Zugabe. Was zu vermuten war: Die Band weiß auch dieses Mal, ihre Qualitäten voll auszuspielen.

Hört man sich durch die Nummern der EP, ist es fast so, als würde man sich auf eine Art Zeitreise in die 90er Jahre begeben. Wofür Black Box Radio musikalisch nämlich stehen, ist genau der Alternative Rock, der vor zwei Dekaden richtig populär war. Das zeugt natürlich nicht von der Neuerfindung des Rades, die Art aber, mit der sie zu Werke gehen, besitzt doch einen über gewissen Charme. Warum? Weil Johann Josef Grafenauer, Thomas Springer, Joachim Viehböck, Coloman Deweis und Mike Wakolbinger schlicht und einfach bärenstarke Songwriter sind und sich auch dieses Mal hörbar alle Mühe gegeben haben, eine eigene Note in die ganze Sache hineinzubringen.

Ausbruch aus der Strophe-Refrain-Struktur

Genau an der Stelle, an der andere Formation aus dem gleichen musikalischen Umfeld sich oftmals dazu verleitet fühlen, auf die üblichen Strophe-Refrain-Songstrukturen zu  setzen, verlassen Black Box Radio die einheitliche Linie. Vielmehr als dass das Quintett krampfhaft versucht, seine Nummern irgendwie auf Radiotauglichkeit zu trimmen, lässt es diesen all die notwendige Zeit, sich zu entfalten. Da kann es schon auch einmal etwas weiter und postrockiger zugehen, an anderer Stelle wiederum nähern sich Josef Grafenauer und seine Mitmusiker Namen wie Interpol und Editors an.

Etwas, das ebenfalls bestens funktioniert, ist der immer wiederkehrende und sehr stimmungsfördernde Wechsel zwischen eher ruhigen und sich langsam aufbauenden Passagen auf der einen Seite und doch sehr gitarrenlastigen und auch mal heftiger werdenden auf der anderen. Auf diesem Wege erzeugen Black Box Radio gekonnt Spannungsbögen, die auch nachhaltig wirken und ein Mehr an anspruchsvoller Tiefe bieten als man es im Indie- und Alternative-Rock heutzutage oftmals präsentiert bekommt.

Black Box Radio zeigen mit „Urban Healer“ auf jeden Fall, dass man mit ihnen auch in Zukunft rechnen wird müssen. Präsentieren werden die Wiener ihre EP am 18. Dezember im Wiener Gürtellokal Chelsea.

Michael Ternai

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