Beyond Representation: Die Notwendigkeit von FLINTA*-Vorbildern in der Musik und warum das doch nicht reicht

Im Bereich der Musik ist die Präsenz verschiedener Stimmen und Perspektiven nicht nur eine Frage der Ästhetik, sondern ein grundlegendes Anliegen von Inklusivität. Obwohl bereits einige Fortschritte unternommen wurden, um unterrepräsentierte Stimmen zu verstärken, insbesondere die von Frauen, Lesben, Intergender, nicht-binären, Transgender und Agender-Personen (Flinta*s), geht das Streben nach Gleichberechtigung in der Musikindustrie weit über die Sichtbarkeit hinaus. Sie erfordert einen vielschichtigen Ansatz, der systemische Ungleichheiten aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und angeht. Feministische Repräsentation und Vorbilder sind zwar ein Schritt in die richtige Richtung, darüber hinaus bedarf es aber größerer struktureller Änderungen.

Doch wer sind die Vorbilder der derzeitigen österreichischen Newcomer:innen, und wie wichtig ist Repräsentation für die individuellen Künstler:innen in Österreich? Diesen und weiteren Fragen geht Itta Francesca Ivellio-Vellin in ihrem Artikel nach.

Die Macht der Repräsentation

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kleinabaoho (c) Christoph Liebentritt

Was bedeutet Repräsentation in diesem Sinne überhaupt? Bei Repräsentation geht es darum, die gesamte Bandbreite der menschlichen Identitäten sichtbar zu machen – sei es auf und hinter der Bühne, in den Vorstandsgremien, Jurys und allen anderen Entscheidungsträger:innen. Musikerin KLEINABEROHO sieht hier vor allem die Booker:innen in der Verantwortung, da diese für die Personen zuständig sind, die tatsächlich auf den Bühnen zu sehen sind – also für die ultimative Form der Sichtbarkeit: „Flinta*-Repräsentation in der österreichischen Musikwelt ist immer noch super wichtig; man merkt bei Festival-Line-Ups, Award Shows etc., dass die Musikindustrie (wie die meisten anderen ‚Industrien‘) noch so männerdominiert ist.“

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Fraeulein Astrid (c) Sebastian Neugebauer

Fraeulein Astrid hätte sich in der Vergangenheit aus ganz persönlichen Gründen mehr Repräsentation gewünscht: „Es gibt eindeutig noch zu wenige (bekannte) Flinta*-Artists in Österreich, insbesondere außerhalb der ‚klassischen‘ Rollen – also Sänger:in oder Keyboarder:in. Es braucht Vorbilder auf der Bühne, mal ganz abgesehen von allen technischen und organisatorischen Bereichen in der Musikbranche, in denen Flinta*s auch zu kurz kommen. Wie soll ein:e junge Flinta* auf die Idee kommen, Schlagzeug zu lernen oder es mal mit dem Produzieren zu versuchen, wenn es keine Vorbilder gibt? Für mich würde so eine Repräsentation bedeuten, dass ich mir als Kind nicht eingebildet hätte, dass ich mit dem Trompetespielen aufhören muss, weil das ein ‚Jungs-Instrument‘ ist.“ Anselma Schneider von der Band OH ALIEN sieht das ähnlich: „Flinta* Repräsentation in der österreichischen Musikwelt superwichtig und empowernd! Projekte, in denen Flinta*s laut sind und ihrer Stimme Raum geben, in denen Flinta*s auch Instrumente spielen usw. Ich glaube, ich bin in meinem ganzen Schaffen ständig inspiriert von anderen Flinta*s, die Musik machen.“

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Anselma Schneider (c) Yoni Vell

Fraeulein Astrid und Anselma Schneider sprechen an dieser Stelle einen essenziellen Punkt an, nämlich den der „Genderisierung“ von Instrumenten – die sich bis zu kompletten Genres hinzieht. Denn wie Verena Giesinger, künstlerische Leiterin und Dirigentin des Schmusechors und Femchors, bereits im mica-Interview klarstellte: „Schlagzeuger:innen zu finden ist wesentlich schwieriger als Schlagzeuger. Oder E-Bassist:innen. Deshalb bin ich auch so dankbar für die Arbeit, die Bands wie My Ugly Clementine verrichten, die diese männerdominierten Bereiche aufbrechen. Es hört ja bei den Instrumenten nicht auf, es betrifft ja auch ganze Musikgenres. Bei der Klassik angefangen, über Rock etc.“ Flinta*-Repräsentation fordert gesellschaftliche Normen und Stereotypen heraus und demontiert die weit verbreitete Vorstellung, dass bestimmte Geschlechter oder Identitäten für bestimmte musikalische Rollen oder Genres besser geeignet wären. Diese Zerschlagung von Stereotypen öffnet Türen für Innovation und Kreativität und bereichert das musikalische Panorama um eine breitere Palette von Stimmen und Perspektiven.

Ohne Intersektionalität keine Repräsentation

Apropos Stimmenvielfalt – Repräsentation muss intersektional gesehen werden, wie Luí, Teil des Reggaeton-Duos GATAFIERA, anmerkt: „Flinta*-Repräsentation ist wahnsinnig wichtig, aber sie bedeutet eben nicht nur, weiße cis-Frauen auf die Bühne zu bringen – was in Österreich peinlicherweise eh schon schwer genug ist. Es geht auch darum, nicht-binäre, geschlechts-nonkonforme, trans, inter und agender Personen die Möglichkeit zu geben, sich und ihre Community zu repräsentieren.“ [Anmerkung: Intersektionalität ist ein Begriff, der das komplexe Zusammenwirken mehrerer Unterdrückungsmechanismen beschreibt.]

Repräsentation führt auch zu einer leichteren Zugänglichkeit, denn Flinta*-Musiker:innen im persönlichen Umkreis zu haben, erleichtert den Einstieg immens, wie Lena Kauntz von der Band ISCHIA weiß: „Als Teenie hatte ich keine einzige Flinta* Person in meinem Umfeld, die Musik machte. Als Vorbild dienten dann eher Filme wie z.B. ‚Freaky Friday‘. Abgesehen von der medialen Präsenz und der Identifikation damit ist es aber auch sehr wichtig, Personen in einem etwas näheren Umfeld als Vorbild haben zu können, um diese Möglichkeit ‚Musiker*in zu sei‘, auch greifbarer und nahbarer zu machen.“

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CHOVO (c) Laraaa

Die POC-Musikerin CHOVO kennt dieses Problem ebenfalls gut: „Jeder Mensch braucht es, Personen im öffentlichen Raum zu sehen und zu hören, die so sind wie man selbst, damit man sich von der Welt wahrgenommen fühlt. Ich sehe mich selbst und meinen Platz auf dieser Welt schon ganz anders, seit ich Maitreyi Ramakrishnan in ‚Never have I ever‘, Simone Ashley in ‚Bridgerton‘, Ayesha Madon in ‚Heartbreak High‘ oder erst kürzlich Ambika Mod in ‚One Day‘ gesehen habe.“

Star-Newcomerin und Amadeus Award Nominee UCHE YARA sieht neben der traurigen Wahrheit der derzeitigen Situation allerdings auch Hoffnung für die Zukunft: „So traurig es auch ist, dass Flinta*s in der Musikwelt unterrepräsentiert sind, desto mehr erfüllt es mich auch mit Stolz, aktiv an der Umbruchsbewegung teilzuhaben. Ich habe das Gefühl, mitten im ‚Awareness-Stiften‘ und ‚frischen Wind Reinbringen‘ zu sein.“

Die Vorbilder und Inspirationen der österreichischen Newcomer:innen

Flinta*-Repräsentation in der Musik erfüllt also eine Vielzahl von Zwecken, die alle für die Förderung einer inklusiveren und vielfältigeren Branche von entscheidender Bedeutung sind. Nicht nur validiert die Repräsentation die Erfahrungen und Identitäten von Flinta*-Personen und bestätigt zudem ihren Platz in der musikalischen Landschaft, sondern sie bietet auch Inspiration und Ansporn für angehende Musiker:innen aus marginalisierten Gruppen und zeigt ihnen, dass ihre Träume unabhängig von Geschlechtsidentität oder -ausdruck erreichbar sind.

Die Flinta*-Newcomer:innen der österreichischen Musikszene wissen die Arbeit ihrer Vorgänger:innen sehr zu schätzen, denn auf die Frage nach Vorbildern und Inspirationen kamen die Antworten prompt und zahlreich:

FRAEULEIN ASTRID: „Rahel – sie hat unfassbar spannende Texte und ein magisches Auftreten auf der Bühne. Ich liebe die Geschichten, die sie erzählt, und wie geschickt sie an diverseste Themen rangeht.
Mira Lu Kovacs – sie ist eine der besten Sängerinnen, die ich jemals live gehört habe. Mira ist ja bei verschiedensten Projekten dabei und ich habe das Gefühl, dass sie einfach alles kann.
Sofie Royer – Abgesehen davon, dass ich ein riesiger Fan von ihren Outfits, Musikvideos und Song-Artworks bin, produziert sie ihre Sachen auch selber bzw. ist Hauptproduzentin, was natürlich mega cool ist.“

Bild ISCHIA
ISCHIA (c) Pressefoto

Adele Ischia (ISCHIA): „Es gibt viele Vorbilder, Ankathie Koi ist für mich z.B. eine Superheldin: ein fucking Rockstar und auch noch Mama! Ich will zwar nicht unbedingt Kinder, aber das zu vereinbaren, ist echt eine Leistung.“

Lena Kauntz (ISCHIA): „Es waren oft meine Lehrpersonen, die mich inspiriert haben. Angefangen von meiner Klavierlehrerin Monika Lang (eine wahnsinnig gute Jazzpianistin) in der Musikschule, bis hin zu Marlene Lacherstorfer (eine legendäre Bassistin in der österreichischen Popwelt) an der Musikuni. Das waren Frauen in meinem Leben, die mir gezeigt haben: du darfst dir diesen Raum nehmen! Und mir mit ihrer Präsenz auf Bühnen und im Unterricht den Mut gegeben haben, mich zu trauen, mit anderen Menschen (auch cis-männlichen Musikern!) Musik zu machen.“

KLEINABAOHO: „Mich hat Mathea schon immer sehr inspiriert – nicht nur, weil sie sich in ähnlichen Genres wie ich bewegt, sondern auch, weil sie die erste Flinta*-Person ist, die aus Österreich kommt, mir musikmäßig gefällt und auch international super erfolgreich ist. Virginia Ernst, die Schick Sisters und die Poxrucker Sisters fallen mir aber auch direkt ein, weil sie super erfolgreich sind, mit dem was sie tun, und sich echt aktiv für Frauen in der Musik einsetzen, wie z.B. mit der Konzertreihe #weare Starke Stimmen – Starke Frauen (ein Konzertabend mit fast ausschließlich weiblichem Line-Up) – von der ich dieses Jahr in Linz auch ein Teil sein darf!“

Anselma Schneider (OH ALIEN): „Mira Lu Kovacs war für mich eine sehr wichtige Inspiration, mich zu trauen, den Weg als Musikerin einzuschlagen. Als ich mit 14, 15 begonnen habe, meinen Traum vom Musikerin-Sein ernster zu nehmen, war es so super zu sehen, dass eine Person, deren Musik mir so gefällt, erfolgreich sein kann, und scheinbar auch von der Musik leben kann. Das war für meine Anfänge wirklich sehr prägend und Hoffnung gebend! Ebenso Sophie Lindinger und Farce in ihrer Tätigkeit als Produzent:innen . Ich produzier ja auch bei OH ALIEN gemeinsam mit meinen Bandmitgliedern Luca und Rafi, und es gibt in Österreich immer noch wenige Flinta*s in dem Feld, die sich selbstbewusst in dieser Rolle präsentieren, also das inspiriert auch sehr!“

Bild UCHE YARA
UCHE YARA (c) Mala Kolumna

UCHE YARA: „Mavi Phoenix hat mich sehr inspiriert. Es ist so unglaublich mutig, wie er seine persönliche Entwicklung in seine Kunst packt und die Öffentlichkeit an seiner Reise teilhaben lässt.“

CHOVO: „Eli Preiss als österreichische Sängerin, BabyJoy als mehrsprachige POC-Rapperin und Priya Ragu als Desi-Rapperin inspirieren mich total. Sie haben alle einen Platz eingenommen, den es davor noch nicht gab und das macht mir sehr Hoffnung.“

Luí (GATAFIERA):ÆNGL ist mein größtes Vorbild in der österreichischen Szene. Sie ist so extrem stark und laut für ihre Community. Sie nimmt sich kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, Probleme genauso aufzuzeigen, wie sie sind, und darüber zu reden, was sich ändern muss. Und trotzdem bleibt sie sanft mit sich selbst und empowert andere durch ihre unglaubliche Präsenz und Musik.“

Auf die Frage, wie es sich anfühlt, als Vorbild angesehen zu werden, antwortet die bereits etablierte Künstlerin ÆNGL: „Ich glaube im Allgemeinen, dass wir immer danach streben sollten, die besten Versionen von uns selbst zu sein und zunächst ein Vorbild für uns selbst zu sein, besonders als Gemeinschaft, in der wir mit Gefühlen der Niederlage kämpfen und unser Selbstwert ständig herausgefordert wird. Es ist wichtig, danach zu streben und über das hinauszugehen, was die Gesellschaft von uns erwartet, und diese Stärke anerkannt zu bekommen, bedeutet viel und kommt als wunderschöne Erinnerung, weiterzumachen, wenn ich durch schwierige Zeiten gehe. Es ist die Anerkennung, die ich nicht erbeten habe, aber wirklich gebraucht habe. Das ist die Belohnung für das, was ich tue, und wenn das irgendjemanden inspirieren und auf irgendeine Weise motivieren kann, dann bin ich glücklich.“

Über die Sichtbarkeit hinaus

FLINTA*-Repräsentation in der Musikszene ist zweifellos ein wichtiger Schritt in Richtung Geschlechtergleichheit und Inklusion, jedoch allein nicht ausreichend, um Genderungleichheiten vollständig zu beseitigen. Es gibt etliche Punkte, an denen man ansetzen muss, um eine nachhaltige Veränderung herbeizuführen, doch sticht ein Punkt besonders hervor:

Strukturelle und Systemische Ungleichheiten

Genderungerechtigkeit in der Musikindustrie hat tiefe strukturelle und systemische Ursachen. Diese reichen von ungleichen Karrierechancen und Einkommensdisparitäten bis hin zu Diskriminierung und ungleichen Arbeitsbedingungen. Viele Institutionen und Organisationen in der Musikindustrie haben weiterhin institutionelle Praktiken, die Geschlechterungleichheiten aufrechterhalten. Diese müssen aktiv identifiziert und überwunden werden, um eine echte Geschlechtergleichheit zu erreichen. Denn diese Ungerechtigkeiten resultieren in unfairen Machtstrukturen. Die bloße Präsenz von Flinta*-Personen in der Musikszene ändert diese strukturellen Probleme nicht automatisch.

Denn trotz der steigenden Anzahl von Flinta*-Musiker:innen bleiben Führungs- und Entscheidungspositionen oft von cis-Männern dominiert. Diese Ungleichheit in der Machtverteilung kann dazu führen, dass Flinta*-Stimmen und -Perspektiven in der Musikwelt nicht angemessen berücksichtigt werden.

Talent ist nicht genderspezifisch

Viele Flinta*-Newcomer:innen wünschen sich, endlich ernstgenommen zu werden und mit demselben Respekt behandelt zu werden wie die männlichen Musiker-Kollegen. CHOVO: „Ich denke, das Wichtigste für mich ist das Arbeiten auf Augenhöhe. Ich möchte als Frau nicht in eine Schublade gesteckt werden oder gegen irgendwelche Stereotype ankämpfen. Behandle mich genauso wie deinen Bro! Ich erwarte mir einfach den Respekt, den ich meinem Gegenüber auch immer entgegenbringe.“ FRAEULEIN ASTRID ist derselben Meinung: „Es wäre so wichtig, dass sich alle auf Augenhöhe begegnen und niemand auf jemand anderen herabschaut, nur weil man meint, etwas Besseres oder wichtiger zu sein. Immerhin stecken wir ja alle gemeinsam in dieser riesigen Musikbranche.“

Durch dieses Machtgefälle liegt es zudem oft an Flinta*-Musiker:innen, sich im Gegensatz zu männlichen Kollegen viel mehr beweisen zu müssen, um als gleichwertig angesehen zu werden. Adele Ischia und Lena Kuntz von ISCHIA vertreten hier denselben Standpunkt: „Leute müssen endlich kapieren, dass Flinta*-Personen genauso gute Songwriter:innen, Instrumentalist:innen und Gearheads sein können wie cis-Männer. Und, dass auch durchschnittlich talentierte Flinta*s nicht weniger Berechtigung in der Musikwelt haben als durchschnittlich talentierte Dudes. Gleichberechtigung wäre, wenn sich Flinta*s nicht die ganze Zeit beweisen müssten“, meint Adele, bevor ihre Bandkollegin weiter ausführt: „Gleichberechtigung bedeutet für mich im Musikbereich, gleich viele Möglichkeiten zu haben, sich auszuprobieren. Ich möchte mich als Flinta*-Person nicht verstecken müssen oder das Gefühl haben, dass ich alles können muss, um akzeptiert zu werden.

Diskriminierung ist vielschichtig

Flinta*-Personen müssen sich zudem auf vielen unterschiedlichen Ebenen Diskriminierungen aussetzen, wovon viele auf das Aussehen zurückzuführen sind. An diesem Punkt spricht Luí erneut den zentralen Punkt der Intersektionalität an: „Gleichberechtigung muss für alle sein, sonst ist es keine. Österreich muss die Augen für die Menschen öffnen, die hier leben und Kunst schaffen, die nicht weiß sind, die nicht österreichische Namen haben, die nicht cis & hetero sind, die nicht entweder deutsch- oder englischsprachig unterwegs sind. Österreich ist unglaublich divers. Wenn man sich aber den Mainstream so anschaut, würde man das niemals denken.“ Luís Vorbild, die virtuose Künstlerin ÆNGL fügt hinzu: „Es gibt immer noch so viel zu tun, es gibt immer noch nicht genug Schwarze und People of Color im Rampenlicht, geschweige denn trans Personen. Unsere Gesellschaft verleugnet immer noch die Ernsthaftigkeit unserer Existenz. Daher ist es wichtig, Inklusivität in Räumen zu normalisieren, in denen dies selten ist, nicht nur, weil gerade Pride Month oder Black History Month ist. Repräsentation sollte das ganze Jahr über stattfinden.“

Anselma Schneider spürt eine weitere Art der Diskriminierung, über die viel zu wenig diskutiert wird: „Ein zu wenig besprochenes Thema für mich ist Altersdiskriminierung, besonders als Flinta* (und da wieder besonders als Sänger:in). Seit ich beschlossen habe, mein Musikerinnen-Sein zu meinem beruflichen Hauptfokus zu machen, fühle ich einen massiven Druck, dass meine Karriere beginnen muss, solange ich noch halbwegs jung bin. Es fühlt sich so an, als gäbe es da besonders für Flinta*-Sänger:innen ein Ablaufdatum. Zum Glück gibt es aber auch hier langsam mehr Vorbilder und tolle Flinta*s, die auch in der zweiten Lebenshälfte weiterhin eine gute Karriere haben.“

Der Kampf ist nicht vorbei

Repräsentation und Sichtbarkeit spielen eine zentrale Rolle im Kampf um Inklusion und Gerechtigkeit, denn dadurch werden Vorbilder erschaffen, die nicht nur inspirieren, sondern auch den Weg für mehr Diversität ebnen. Insofern ist es wichtig, den Pionier:innen Respekt zu zollen, die bereits einen großen Teil an Zeit und Energie aufgewandt haben, für kommende Flinta*-Musiker:innen Platz zu schaffen. Doch der Kampf ist noch lange nicht vorbei – es müssen endlich alle an einem Strang ziehen, damit auch systemische Ungerechtigkeiten beseitigt werden können und alle die Möglichkeit haben, gehört und gesehen zu werden.

Itta Francesca Ivellio-Vellin