Bild Mothers of the Land
Mothers of the Land (c) Leo Pluschkowitz

„Bei uns wird jede Riffabfolge recht ausgiebig diskutiert.“ – JAKOB HAUG und GEORG PLUSCHKOWITZ (MOTHERS OF THE LAND) im mica-Interview

Mächtige schwere Riffs, starke Twin-Guitar-Parts, anspruchsvolles und abwechslungsreiches Songwriting – MOTHERS OF THE LAND ist eine Band, die sich gegen jeden musikalischen Trend dem instrumentalen Heavy Rock mit starker Schlagseite zum Sound der 1970er Jahre verschrieben hat. Und das noch dazu auf richtig lässige Art. Mit „Hunting Grounds“ erscheint nun das neue Album der vierköpfigen Wiener Truppe. Schlagzeuger JAKOB HAUG und Gitarrist GEORG PLUSCHKOWITZ im Interview mit Michael Ternai über die musikalischen Einflüsse, die Arbeit im Proberaum und das Aufstellen von bemerkenswerten Gigs.

Ihr macht – wie man auch auf eurem neuen Album „Hunting Grounds“ hören kann – erdigen instrumentalen harten Rock mit Retroschlagseite. Was hat euch dazu bewogen, in diese Richtung und damit in die musikalische Nische zu gehen?

Jakob Haug: Ich glaube, dass das keine bewusste Entscheidung war. Unser Stil ist mit der Zeit einfach passiert. In den ersten drei Jahren haben wir viele verschiedene Sachen ausprobiert. Unterschiedliche Bandkonstellationen mit manchmal drei Gitarren und einem Sänger. Irgendwann ist dann das als Essenz übriggeblieben, was wir heute spielen. Wir sind mit der Zeit einfach an den Punkt angelangt, an dem wir keine Kompromisse mehr machen und wirklich unser ganz eigenes Ding durchziehen wollten. Daher gibt es auch keinen Sänger mehr.

Kann man sagen, dass eure musikalischen Einflüsse irgendwo zwischen Kyuss und Iron Maiden liegen? 

Jakob Haug: Ich glaube tatsächlich, dass bei uns wirklich kaum einer Kyuss hört. Unsere Musik streift vielleicht ein wenig an diesem Stoner-Sound an und wir haben auch einiges aus dieser Richtung mitbekommen. Aber wirklich aktiv hat sich von uns keiner mit diesem Genre befasst. Unsere Einflüsse stammen eher aus der Heavy-Rock-Richtung und aus dem Seventies-Rock, von Gruppen wie Wishbone Ash, Thin Lizzy, Black Sabbath und Led Zeppelin. Das kann man nicht leugnen.

Aber dennoch ist eine Prise New Wave Of British Heavy Metal auch nicht von der Hand zu weisen.

Jakob Haug: Den hören wir auch und er gefällt uns. Aber dennoch besitzt er einige Aspekte, die wir so nicht wollen. Daher fühlen wir uns dem Seventies-Rock doch näher als dem New Wave Of British Heavy Metal.

Man merkt, dass „Hunting Grounds“ auf Twin-Guitars konzipiert ist.”

Was würdet ihr sagen, ist der größte Unterschied zwischen dem Debüt und „Hunting Grounds“?

Jakob Haug: Der größte Unterschied ist, dass unser zweiter Gitarrist Jack Jindra dieses Mal von Anfang an dabei war. Er stammt aus Wisconsin und lebt seit zehn Jahren in Österreich. Er ist ein grandioser Gitarrist. Er ist damals ein Jahr vor dem Erscheinen unseres Debüts zu uns gestoßen. Sprich, viele Songs haben zu diesem Zeitpunkt schon bestanden, sodass er zu diesen eigentlich nur da und dort die zweite Gitarre dazugeschrieben hat. Jetzt war es von Anfang an Teamwork. Und ich glaube, dass hört man den Gitarren auf dem Album auch an. Man merkt, dass „Hunting Grounds“ auf Twin-Guitars konzipiert ist. Das war bei unserem Debüt noch nicht unbedingt der Fall.

Wie verläuft bei euch das Songwriting? Hat einer das Zepter in der Hand oder hat jeder die Möglichkeit, sich einzubringen?  

Jakob Haug: Generell läuft bei uns schon alles sehr basisdemokratisch ab. Natürlich ist es so, dass bei uns die Gitarristen zunächst einmal mit ein, zwei Riffs im Proberaum ankommen. Danach aber wird gemeinsam an denen gearbeitet. Mit dem Input der anderen arbeitet man sich dann gemeinsam voran. Du wirst sicher mitbekommen haben, dass unsere Songs schon auch einmal gerne achteinhalb Minuten dauern. Es passiert also schon noch recht viel im Proberaum. Bei uns wird jede Riffabfolge recht ausgiebig diskutiert. Ich glaube, dass ist auch ein Grund dafür, warum wir als Band noch so gut zusammenhalten und bis jetzt nur wenige Bandmitglieder verloren haben.

Bild Mothers of the Land
Bild (c) Mothers of the Land

Inwieweit seid ihr perfektionistisch veranlagt? Wie lange feilt ihr an den Sachen herum? 

Georg Pluschkowitz: Ich würde sagen, die ganze Zeit. Im Proberaum geht es eigentlich ausschließlich ums Feilen. So lange bis wir mit einem Song wirklich zufrieden sind. Und das kann schon eine Weile dauern.

Was würdet ihr als eure musikalische Handschrift bezeichnen? 

Georg Pluschkowitz: Ich glaube, unsere Handschrift ist, dass die Melodielinien der Gitarren den Gesang ersetzen. Am Anfang hatten wir ja noch Gesang und wie ich damals die Songs geschrieben habe, waren die Gitarrenmelodien quasi für den Gesang gedacht. Davon sind wir aber – wie schon erwähnt – abgekommen, weil wir uns doch mehr auf die Riffarbeit fokussieren wollten. Zudem sind wir draufgekommen, dass kein Gesang einfach mehr Freiheit bedeutet.

Das Schöne an euren Nummern ist, dass sie – obwohl in ihnen sehr viel passiert – sehr kompakt und homogen klingen und obwohl die Gitarren den Ton angeben, ihr euch nicht dazu verleite fühlt, endlos zu solieren. Haltet ihr euch da bewusst zurück?

Georg Pluschkowitz: Zurückhalten tut sich bei uns niemand. Wir konzipieren aber unsere Musik auch nicht in die Richtung, die endloses Solieren wirklich zulässt. Wer weiß, vielleicht passiert das auf einem anderen Album einmal, aber im Moment ist bei uns alles schon relativ stark durchkomponiert.

Wie ist die Produktion abgelaufen? Habt ihr einen Produzenten an eurer Seite, der Ratschläge gibt?

Albumcover Hunting Grounds
Albumcover “Hunting Grounds”

Jakob Haug: Das erste Album haben wir in Linz im Studio bei Phil Sicko aufgenommen. Das hat ganze eineinhalb Tage gedauert. Und das war es auch schon wieder vorbei. Dieses Mal haben wir dann doch länger geplant. Wir haben uns Nino Del Carlo von Ewig Frost geholt. Der arbeitet z.B. auch im Viper Room als Tontechniker. Mit ihm haben wir recht lange am Sound herumgefeilt. Auch beim Mastering hat er auch noch einmal mitgeredet. Aber einen Produzenten im klassischen Sinn haben wird nicht.

Bereitet euch das Arbeiten an Songs genau so viel Freude, wie das Livespielen auf der Bühne?

Jakob Haug: Wir sehen uns schon als Liveband. Wir tun das, was wir machen, ja genau dafür, um auf der Bühne zu stehen. Auf der anderen Seite aber macht uns das Komponieren und das Songschreiben natürlich auch großen Spaß. Alles andere – Promo, Konzerte organisieren – nervt uns. Da sind wir relativ desinteressiert.

„Wenn man rechtzeitig von solchen Konzerten mitbekommt, kann man sich selber auch ins Spiel bringen.“

Aber für das, dass euch das Administrative nicht so sehr interessiert, habt ihr dann doch schon einige bemerkenswert coole Supportshows an Land gezogen. Zum Beispiel für Red Fang.

Jakob Haug: Das ist wirklich Zufall gewesen. Und ich weiß auch nicht wirklich ganz genau, wie es mit Red Fang passiert ist. Es ist, glaube ich, über einen Kontakt mit dem Magazin Slam gelaufen. Das Spannende war, dass deren Promoter bis einen Tag vor dem Konzert nicht gewusst haben, dass wir auftreten werden. Da dürfte also die Band selber irgendwie die Hand im Spiel gehabt haben.
Wir haben, glaube ich, oft das Glück, dass wir über Mundpropaganda zu solchen Auftritten kommen. Und ich denke auch, dass wir auch ein wenig ein Auge dafür haben. Wenn man rechtzeitig von solchen Konzerten mitbekommt, kann man sich selber auch ins Spiel bringen. Und manchmal funktionierts auch. Wie etwa bei Elder.

„Hunting Grounds“ erscheint ja jetzt nicht zur günstigsten Zeit. Wie sehr hat euch die Corona-Krise – vor allem was das Konzertspielen betrifft – einen Strich durch die Rechnung gemacht? 

Georg Pluschkowitz: Wir hatten einen Albumrelease und Konzerte natürlich schon geplant gehabt. Und man muss sagen, dass uns da die Corona-Krise schon ziemlich getroffen hat. Wir wollten unser neues Album unbedingt präsentieren, was jetzt nicht möglich ist. Nun heißt es einfach, Geduld bewahren.

Jakob Haug: Wir haben jetzt auf jeden Fall für September ein Konzert geplant. Die Frage ist, ob das stattfinden wird können. Die Sachen, die wir für den Release geplant hatten, haben wir jetzt in den April des nächsten Jahres verschoben, einfach um uns da auf die sichere Seite zu stellen.

Herzlichen Dank für das Gespräch! 

Michael Ternai

Hunting Grounds” erscheint am 19. Juni 2020.

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