Vom Wiener Proberaum in internationale Studios: Robert Wallner gehört zu jener Produzentengeneration, die Genregrenzen nicht verwaltet, sondern konsequent auflöst. Ausgebildet im Jazz, geprägt von Hip-Hop, Indie-Pop und elektronischen Texturen, hat er sich in Berlin als gefragter Klangarchitekt etabliert. Seine Produktionen sind ebenso präzise wie emotional und finden sich regelmäßig in den Charts – getragen von Kollaborationen mit Acts wie AYMZ, Dani Lia, Niklas Dee oder Ski Aggu. Im Gespräch mit Michael Ternai spricht Wallner über seinen Weg vom Jazzstudenten zum Executive Producer, über Verantwortung im Studio und den inneren Antrieb, musikalisch nie stehen zu bleiben.
Ich hatte vor Kurzem ein Interview mit Christoph Ertl und Vincenz Eder von den Fiakka Studios. Ihre Geschichte liest sich in vielerlei Hinsicht ganz ähnlich wie deine: Beide haben – so wie du – als Musiker begonnen und sind schließlich in die Produzententätigkeit hineingewachsen. Wie ist es bei dir dazu gekommen?
Robert Wallner: Ja, das ist witzig. Christoph kenne ich natürlich. Bei mir war es so, dass ich während meines Studiums eine Band hatte. Ich habe Jazzbass studiert und gemeinsam mit Kollegen von der Musik- und Kunstuniversität Wien, dem ehemaligen Konservatorium, eine Band gegründet, die Swankster hieß. Wir haben Hip-Hop gemacht und hatten einen Rapper aus Brooklyn – das war sehr lustig.
Irgendwann hatten wir Lust, ein Album zu machen, nur fehlte uns dafür das Geld. Ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt aber bereits mit verschiedenen Aufnahmesoftwares beschäftigt und damit herumexperimentiert, allerdings noch nicht in einem wirklich ernsthaften Kontext. Letztlich hat es sich so ergeben, dass ich gemeinsam mit den anderen Bandmitgliedern das Album produziert habe. Diese Erfahrung hat auf jeden Fall mein Interesse an dieser Tätigkeit geweckt.
Entscheidend dafür, dass ich dann tatsächlich diesen Weg eingeschlagen habe, war die Zusammenarbeit mit Lou Asril. Wenn ich mich richtig erinnere, wurde er damals von Hannes Tschürtz entdeckt oder war zumindest Teil des Ink-Music-Kosmos. Lou Asril hat zu Beginn, glaube ich, mit einem Schulfreund von ihm produziert. Irgendwie konnten sich mein damaliger Kollege Felipe Scolfaro und ich dann aber erfolgreich einmischen – das war schon ein wenig verrückt.
Ich fand Lou Asril extrem inspirierend, weil ich schon damals der Meinung war, dass er eine der besten Stimmen Österreichs hat – und das denke ich heute noch, gerade als Künstler, der auf Englisch singt. Außerdem hatte er auch wirklich etwas zu erzählen.
Er hat uns musikalisch auf jeden Fall sehr herausgefordert, wollte viel – und genau das war großartig. Dass bereits die erste Single „Divine Goldmine“ medial so viel Aufmerksamkeit bekommen hat und Lou Asril den Song kurz nach dem Release bei den Austrian Amadeus Music Awards performen konnte, war natürlich fantastisch. Das hat einfach sehr gut funktioniert.
Diese Zusammenarbeit hat mir zu Beginn meiner Karriere definitiv viel Rückenwind gegeben. Außerdem hat mich dieser Erfolg letztlich auch zu meinem Mentor Nikodem Milewski geführt.
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Du hast, wie du gerade gesagt hast, ja Jazz studiert. Wie bist du eigentlich zum Hip-Hop gekommen?
Robert Wallner: Das ist eine gute Frage, wie ich da hineingerutscht bin. Ich glaube, das hatte viel mit der jungen Jazzszene in Wien zu tun, die damals stark vom Hip-Hop aus den USA geprägt war, vor allem vom neueren. Leute wie Philipp Nykrin, Andreas Lettner und Fabian Rucker waren für mich echte Heroes. Ich war auch regelmäßig bei den Jam-Sessions, die im Rahmen des West Belt United Groove Clubs im Wiener Loop stattgefunden haben. Das hat mich total fasziniert – ich wollte unbedingt den Quellen dieser Musik auf den Grund gehen. Besonders begeistert haben mich diese Rhythmen. Und die kamen letztlich von Produzenten.
Im Grunde wollte ich das, was ich gehört habe, nachmachen. Und um es wirklich nachmachen zu können, musste ich es selbst produzieren. Mich hat einfach die Faszination für aufgenommene Musik und die Techniken der modernen Musikproduktion gepackt. Ganz einfache Fragen wie: Wie nehme ich eine Stimme perfekt auf? Wie kann ich das, was mir jemand im Raum vorsingt und unfassbar gut klingt, so einfangen, dass es auf einer Aufnahme genauso wirkt?
Das fand ich extrem spannend – ebenso diesen sehr perfektionistischen Gedanken, den man dabei entwickelt, ob man ihn nun haben sollte oder vielleicht auch nicht.
Ab wann war für dich eigentlich klar, dass du in die Richtung Produzent gehen willst? War wirklich die Zusammenarbeit mit Lou Asril ausschlaggebend dafür? Ich denke, es ist auch nicht so einfach, als junger Produzent in Österreich Fuß zu fassen. Der Markt ist klein, und es gibt viele etablierte Studios und Platzhirsche, die schon lange dabei sind. Wie schafft man es da, sich durchzusetzen?
Robert Wallner: Ich würde sagen, ja. Einerseits hat mir die Arbeit mit Lou Asril gezeigt, dass ich das kann – und vor allem, dass es extrem Spaß macht. Das war das Wichtigste. Außerdem hat mir Nikodem Milewski sehr geholfen, vor allem in Bezug auf den Business-Teil meines Jobs als Produzent: Wie funktioniert er, und wie kann ich ihn nachhaltig gut betreiben? Worauf muss ich achten? All diese eher trockenen Themen.
Zum Beispiel: Worauf muss ich bei Steuern achten? Was ist speziell für mich relevant? Wie kann ich alles möglichst sinnvoll gestalten? Das war auf jeden Fall sehr hilfreich. Und dann die Frage, die besonders für junge Leute in Österreich wichtig ist: Was soll ich am Anfang für eine Produktion verlangen? Das sagt einem eigentlich niemand, und Infos dazu zu finden ist schwierig.

Am Anfang wurde ich schon sinnvoll bezahlt, habe mir aber für jede Produktion den Arsch aufgerissen. Ich habe gearbeitet wie ein Wahnsinniger, bis alles gepasst hat und gut war. Oft habe ich einen großen Teil der Gage in hochwertige Mixes investiert, weil es mir wichtig war, dass das Ergebnis wirklich stimmt. Alles, worauf ich meinen Namen schreibe, muss einfach so gut sein, wie ich es hinbekommen kann.
Dadurch bin ich aber auch viel besser geworden, denn der Mix ist gleichzeitig ein Feedback auf deine Produktion. Wenn es am Ende sehr anders klingt, als du es abgegeben hast, merkst du, was du vielleicht beim nächsten Mal anders machen würdest.
Welche war für dich die erste Produktion, mit der du dir selbst bewiesen hast, dass du es echt kannst, dass du in der Lage bist, etwas alleine auf die Beine zu stellen?
Robert Wallner: Das finde ich eine spannende Formulierung. Mit der Formulierung fällt es mir schwerer zu antworten, weil alleine als Produzent auf die Beine stellen kann ich überhaupt nichts. Natürlich bin ich in gewisser Weise auch Künstler, aber das ist ein ganz anderer Punkt. Als Produzent lebe ich vor allem von der Vision eines Künstlers oder einer Künstlerin.
Wir sind absolut abhängig davon, was der oder die Künstler:in umsetzen möchte. Manchmal muss man sich regelrecht hineindenken und kämpfen, um die Vision von jemandem zu erkennen und richtig umzusetzen.
Das erste Mal, dass ich wirklich das Gefühl hatte, wirksam zu sein, war entweder schon bei der ersten Lou-Asril-Produktion – oder es ist immer die jeweils letzte Produktion. Gerade jetzt würde ich sagen, dass ich im Zuge des Aaron-Albums „Versprochen, ich bin da für dich“ unfassbar viel gelernt habe. Im Grunde habe ich nach jeder größeren Produktion das Gefühl: Jetzt bin ich irgendwo angekommen. Jetzt bin ich der Produzent, der ich sein muss. Und genau das hört nie auf. Ich hatte immer erst das Gefühl, jetzt bin ich eigentlich erst an dem Punkt, an dem ich starte.
Das heißt, Stillstand ist für dich keine Option?
Robert Wallner: Dafür fühle ich mich jedes Mal beim Start einer Produktion, dass ich viel zu sehr am Anfang sei. Aber das ist eine gute Sache. Sobald man nämlich aufhört zu lernen, fängt man an zu sterben. Das ist natürlich auch herausfordernd, aber ich finde, es bringt mir sehr viel für den Moment.
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Was macht für dich eigentlich einen guten Produzenten aus? Hast du Vorbilder? Und wie wichtig ist es dir, einen eigenen Sound zu entwickeln? Manche Produzenten sind ja gerade für ihren sehr spezifischen Stil bekannt.
Robert Wallner: Es gibt auf jeden Fall Menschen, die mich beeindrucken. Ob ich sie als Vorbilder bezeichnen würde, weiß ich aber nicht. Vorbildlich finde ich vor allem die Arbeitsethik mancher Leute. Ich finde es großartig, wenn sich jemand tief in eine Sache eingräbt – und sie dann auch wirklich findet.
Produzierende, die ich aktuell spannend finde, sind etwa Cirkut, der gefühlt jeden Grammy abgeräumt hat, oder Margo XS, eine noch sehr junge, extrem interessante Produzentin, die den internationalen Hyperpop gerade ordentlich aufmischt. Sie hat zuletzt das Album von Zara Larsson produziert. Und auch Skrillex finde ich nach wie vor sehr inspirierend – nach 13 Jahren Musik immer noch zu revolutionieren, das schaffen nicht viele.
Was den eigenen Sound betrifft: Ich kenne einige Leute, auch in meinem Umfeld, oft deutlich jünger als ich, die einen sehr klar definierten Stil haben. Das finde ich extrem cool. Ich selbst habe aber nie so funktioniert. Früher habe ich das vielleicht sogar als qualitative Schwäche wahrgenommen, heute sehe ich das nicht mehr so.
Ich finde es großartig, wenn jemand einen klaren Signature-Sound hat – nur war das nie mein Zugang. Ich habe immer versucht, in möglichst vielen Bereichen so gut wie möglich zu werden. Und wenn ich etwas nicht konnte, habe ich versucht, es zu lernen oder andere zu fragen. Aktuell arbeite ich viel mit interessant verzerrten Gitarren, aber ich würde das nicht als mein Stilmittel bezeichnen. Das haben viele vor mir gemacht und werden viele nach mir machen. Phasenweise gibt es einfach Dinge, die mich besonders interessieren – und so entstehen letztlich ja auch Stile.
Wie siehst du eigentlich die Rolle eines Produzenten? Was ist deine Hauptaufgabe? Welche Qualität muss Musik bereits haben, damit du sagst: Damit kann man arbeiten?
Robert Wallner: Das ist eine spannende Frage. Ich glaube, darauf gibt es zwei Antworten. Einerseits ist es heute – gerade in der Musikindustrie – meist so, dass man als Produzent auch als Autor funktioniert, zumindest phasenweise. Rund 70 bis 80 Prozent der Zeit sitze ich in einer Session mit einem Künstler oder einer Künstlerin, vielleicht zusätzlich mit einer Songwriterin oder einem Songwriter, manchmal auch mit einer weiteren Produzentin oder einem weiteren Produzenten. Gemeinsam schreiben wir einen Song und produzieren ihn gleichzeitig – oft entstehen dabei auch gleich weitere Songs oder Fragmente. Songwriting und Produzieren sind heute kaum mehr getrennte Prozesse: Wir schreiben, während wir produzieren, oder produzieren etwas und schreiben dann dazu. International ist das mittlerweile Standard – in Schweden, Berlin oder Los Angeles.
Auf der anderen Seite – und witzigerweise habe ich das in Österreich viel öfter gemacht – steht das exekutive Fertigproduzieren von Songs oder das Ausarbeiten von Demos. Diese Arbeit hat mir immer großen Spaß gemacht, weil sie für mich etwas von einem Rätsel hat. Man arbeitet sich Schritt für Schritt vor: zuerst liegt der Fokus auf der Stimme, dann auf dem Schlagzeug und so weiter. Die Frage ist immer: Wie sollen sich die einzelnen Teile anfühlen? Jeder gesetzte Schritt beeinflusst den nächsten. Und irgendwann kommt der Punkt, an dem man merkt: Wenn ich jetzt weitermache, verschlimmbessere ich es.
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Blickt man auf deine Produktionen, fällt auf, dass sie musikalisch sehr unterschiedlich sind. Du arbeitest weiterhin im Hip-Hop, produzierst aber ebenso Künstler:innen wie den Rapper Ski Aggu und die in Berlin lebende österreichische Popsängerin Dani Lia. Alle sind erfolgreich und konnten Chartplatzierungen erreichen. Macht es dir Spaß, in so viele unterschiedliche Richtungen zu produzieren?
Robert Wallner: Ja, natürlich. Ich war immer schon an vielen unterschiedlichen Genres interessiert. In meiner Jugend habe ich in Metal-Bands gespielt und viel Red Hot Chili Peppers gehört. Ich hatte also schon früh einen Draht zu gitarrenlastiger, härterer Musik. Als ich gerade nach Deutschland gezogen bin, war das Dani-Lia-Projekt ein extrem wichtiger Ankerpunkt für mich. Wir konnten das Projekt genau zu dieser Zeit bei Four Music platzieren, und ich habe als Executive Producer das gesamte Projekt betreut – und das ist voll aufgegangen.
Ich habe zu dieser Zeit generell viel mit sehr unterschiedlichen Menschen gearbeitet, völlig unabhängig davon, ob jemand bereits erfolgreich war oder ob es sich um Newcomer:innen gehandelt hat. Genau das ist für mich einer der spannendsten und spaßigsten Aspekte dieses Berufs: Wenn ich sieben Tage die Woche im Studio bin, kann ich theoretisch an sieben verschiedenen Genres arbeiten und habe jeden Tag eine neue Herausforderung.
Ermüdend wird es für mich eher dann, wenn alles nach Schema F läuft und jedes Projekt gleich behandelt wird. Wenn ich an so einen Punkt komme, ziehe ich mich aus dieser Richtung auch bewusst eine Zeit lang zurück.
Grundsätzlich ist das Arbeiten in unterschiedlichen Genres immer auch eine Frage des Lernens. Mit jedem größeren Projekt, das ich begleiten durfte, habe ich viel darüber gelernt, wie diese jeweiligen musikalischen Welten funktionieren. Und je tiefer man da eintaucht, desto mehr will man rausholen und desto authentischer will man was machen.
Authentisch ist ein sehr wichtiges Stichwort. Du willst nie, dass etwas wie eine Kopie von etwas anderem wirkt oder oberflächlich klingt. Du willst, dass es Substanz hat.
Ich glaube, bei allen Projekten, die international oder generell sehr groß gefeiert werden, gibt es einen klaren, authentischen Kern. Das ist unabhängig davon, ob man über Dijon spricht, der zuletzt international extrem durchgestartet ist, oder über Ski Aggu mit „Friesenjung“.
Da gibt es immer diesen starken, authentischen Kern, der entweder genau den Zeitgeist trifft – oder ihn vielleicht erst später trifft. Und genau das ist das Schwierigste an der ganzen Sache.
Ich würde auch nicht behaupten, dass mir das immer gelingt. Aber ich bemühe mich sehr darum, dass Projekte – auch wenn sie stilistisch unterschiedlich sind und in ganz verschiedenen Genres stattfinden – sich so echt und greifbar wie möglich anfühlen. Das ist mir extrem wichtig.
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Inwieweit hast du beim Produzieren im Kopf, dass die Musik im Radio gespielt werden soll? Oder lässt du auch bewusst Kanten zu?
Robert Wallner: Ich glaube, das hängt komplett vom jeweiligen Künstler oder von der jeweiligen Künstlerin ab. Bei manchen Acts weißt du schon, wenn sie ins Studio kommen, wie sie ticken und was sie wollen. Da geht es vor allem darum, einen starken Live-Effekt hinzubekommen. Die Songs sollen live knallen und Spaß machen.
Bei anderen Projekten will man eher eine künstlerische Kante hineinbringen. Das muss dann nicht unbedingt kommerziell funktionieren, sondern vor allem einen klaren künstlerischen Anspruch haben. Und manchmal geht es ganz klar um Hits – so ehrlich muss man sein. Oft geht es um Hits, denn natürlich wollen die meisten Künstler:innen erfolgreich sein.
Gerade im deutschsprachigen Raum ist es aber viel schwieriger vorherzusagen, wie Hits eigentlich klingen. Das zeigt sich auch in den Jahrescharts in Deutschland: „Tau mich auf“ von Zartmann war im vergangenen Jahr der erfolgreichste deutschsprachige Song. Ich glaube nicht, dass irgendjemand im Vorfeld gesagt hätte: So klingt der erfolgreichste Song des nächsten Jahres. Genau diese Überraschung ist einer der Gründe für seinen Erfolg. Der Sound war frisch und unerwartet – und es ist großartig, dass das funktioniert hat.
Ich glaube generell, dass es schwierig ist, nach einer festen Formel erfolgreiche Songs zu machen – zumindest im deutschsprachigen Raum. In den USA ist das teilweise einfacher. Gerade im Country-Bereich müssen Songs sehr klar wie Country-Songs klingen, um erfolgreich zu sein. Es gibt auch dort Ausreißer und Überraschungen, aber wenn man sehr anders klingt, braucht man oft einfach viel Glück.
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Warum bist du eigentlich nach Berlin gegangen?
Robert Wallner: Einerseits hatte ich in Österreich oft das Gefühl, an sehr arbiträre Grenzen zu stoßen. Wir haben uns bei bestimmten Radio-Airplay-Fragen regelrecht den Kopf eingerannt – bei Sendern, bei denen nicht nachvollziehbar war, warum Song A funktioniert und Song B lieber nicht gespielt wird. Das fand ich seltsam und schwer verständlich.
Dazu kam mein Eindruck, dass in Österreich insgesamt weniger gestreamt wird – auch heimische Künstler:innen. Das lässt sich gut an verschiedenen Charts ablesen: Konsumiert werden vor allem deutsche und amerikanische Acts, österreichische Artists deutlich weniger.
Gleichzeitig hatte ich bei Deutschland das Gefühl, dass es dort einen Markt für die Musik gibt, die ich machen will. Und dann hat mich auch Berlin als Stadt sofort fasziniert. Darauf hatte ich große Lust. Dorthin zu gehen, war eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe. Eine fantastische Stadt, eine verrückte, wilde Szene – einfach eine tolle Stadt.
Du hast inzwischen auch richtig große Produktionen umgesetzt, die Künstler:innen, mit denen du arbeitest, sind in den Charts vertreten. Würdest du sagen, dass du dort angekommen bist, wo du immer hinwolltest? Und knüpfst du inzwischen auch Verbindungen zu nicht deutschsprachigen Acts? Mit dem amerikanischen Songwriter Caleb Hearn hast du in diese Richtung ja bereits einen ersten Schritt gemacht.
Robert Wallner: Ich habe auf jeden Fall große Lust, wieder internationaler zu arbeiten. Als ich noch in Österreich war, habe ich mich vor allem auf den deutschen Markt konzentriert. Mit WizTheMc sind wir aktuell an einem extrem spannenden Künstler dran, den ich sehr inspirierend finde und bei dem ich froh bin, mit ihm arbeiten zu dürfen und auch wilde Dinge ausprobieren zu können. Da wird es heuer, glaube ich, einiges Spannendes zu hören geben, mehr kann ich dazu aber noch nicht sagen.
Generell interessieren mich natürlich auch andere Märkte. Einige Freund:innen von mir arbeiten gerade viel in Frankreich, und ich finde es sehr spannend zu beobachten, welche eigenständigen Projekte dort entstehen und wie anders Musik dort teilweise gedacht wird. Ich schaue auch immer wieder nach Amerika und auf die Sachen, die dort gerade passieren – da gibt es unglaublich viel Spannendes zu entdecken.
Im Moment habe ich allerdings kein konkretes Ziel vor Augen. Es geht mir eher darum, ein Gespür dafür zu haben, welche Szenen und Entwicklungen mich gerade besonders interessieren und wo ich Lust habe, mitzuwirken – und vielleicht auch selbst einmal stärker die Zügel in die Hand zu nehmen.
Vielen Dank für das Interview.
Michael Ternai
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