
“Tap Tap” – eine seiner frühen Nummern – zeugt von einer Mischung aus zum Kopfnicken anregenden, geshuffelten Beats und organischer Snare, die von einem oszilierenden Thema umkreist werden. Eine Stimme ertönt und verschwindet. Hohe, signalhafte Töne steigern die fortlaufende, den Hörer lähmende Monotonie und schließen die Nummer scheinbar ohne zu enden. Unter Abby Lee Tee’s Werken finden sich musikalische Objekte kurzer Dauer, mal mit langem Aufbau, mal mit keinem, mal erkennt man ein Motiv, mal verliert man sich – wie hineingezogen und ausgespuckt. Musikalische Kunstwerke sind es, die man hier bestaunen darf. Oft wirken diese ideen- und skizzenhaft, aber wer den Anspruch auf Abgeschlossenes erhebt und wer glaubt Unabgeschlossenes erkennen zu können, versinkt in einer Diskussion, die uns die These, Musik sei durch individuelle Wahrnehmung bestimmt, beschert.
Abby Lee Tee schafft Atmosphären und zeichnet Bilder sowohl mit synthetisch generierten als auch der Natur entstammenden Klangfarben, denen man sich in Summe kaum zu entziehen vermag und deren gemeinsames Ganzes weit mehr ergibt als dessen Einzelteile. Hier wurde nicht nach dem Baukastensystem zusammengesetzt, sondern mit feiner Klinge komponiert. Weitere Nummern zu zerlegen wäre keine sprachliche Schwierigkeit, wird aber einer guten Komposition selten gerecht. Wieder einmal gilt es zu hören was die Musik sagt, um fern ab von bewusster Aufmerksamkeit die Tiefenwirkung dieser Klänge zu erleben.
Lucia Laggner
Foto: Helga Traxler