
Die Zeit ist anscheinend reif für die Wiederauferstehung des Austropop aus den bereits vergessenen und verdrängten Tiefen der österreichischen Musikgeschichte. Zumindest kann man sich dieses Eindrucks nicht erwehren, betrachtet man nur den Erfolg von Bands wie Wanda. Irgendwelche Scheu, die musikalische Brücke hin in die vergangenen Tage zu schlagen, kennt der Fünfer offenbar nicht. Natürlich definieren Frontmann Marco Michael und seine Kollegen, wie man des auf dem Album „Amore“ sehr schön hören kann, den deutschsprachigen Rock bzw. Pop etwas anders. Die Himmelsstürmer der heimischen Musikszene gehen räudiger, frecher, ungehobelter und auch mit mehr Augenzwinkern an die Sache heran, aber sonst lassen sie keine Zweifel aufkommen, woher und aus welcher Ecke sie stammen. Gesungen wird klarerweise auf Wienerisch. Rein textlich bewegt sich die Truppe zwischen der Liebe, dem Leben und Wien. Und musikalisch? Ja, da lassen sich recht leicht Linien unter anderem zu Legenden wie Falco und STS sowie auch zur österreichischen Blasmusik ziehen. Alles sehr retro, aber dann doch auch modern und vollkommen klischeebefreit. Auf jeden Fall dürfte Wanda ganz genau den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Und das nicht nur hierzulande. Mal schauen, was da noch alles kommen wird.
Michael Ternai
Foto Wanda: Problembär Records
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