
Eingentlich ist Thomas Gansch eine musikalische Karriere quasi in die Wiege gelegt worden. Sein Vater, Leiter einer Blasmusikschule, Kapellmeister der Stadtkapelle Melk und ebenso ein „Musikverrückter“ wie er, bringt dem jungen Mann schon in frühen Jahren das Spiel an der Trompete bei. Angespornt auch von seinem Bruder Hans, der zu dieser Zeit im ORF-Sinfonieorchester Wien spielt, macht sich Gansch mit Begeisterung daran, sein Spiel und seine Klangsprache immer weiter zu verfeinern. Anfangs noch stark in der Blasmusik verhaftet, entdeckt er mit zunehmendem Alter immer mehr den Jazz für sich.
Als ein ihn nachhaltig prägendes Erlebnis gibt der Trompeter einen Auftritt von John Gillespie im Fernsehen an, welcher in ihm die Faszination für dieses Genre vollends entflammen lässt. Nach der Schule folgt 1991 eigentlich naheliegend das Studium des Konzertfachs Trompete an der damaligen Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien, welches er aber nach sechs Jahren abricht. Für einen Freigeist, wie er einer ist, fühlt er sich in seinem kreativen Drang, in seinem Versuch, sich selbst zu entfalten, an diesem Ort einfach zu sehr eingeschränkt. Seinen eigenen Ansprüchen deutlich mehr gerecht wird die Blechbläserkapelle Mnozil Brass, welche er während seines Studiums 1992 mitbegründet und mit der er bis heute allerorts, auch im Ausland, für Furore sorgen kann.

Einen weiteren Meilenstein in der Karriere des Trompeters, der da und dort auch als Komponist in Erscheinung tritt (u.a. schreibt Thomas Gansch gemeinsam mit seinen Kollegen von Mnozil Brass für die Salzburger Festspiele die Musik zu der Oper “Irmingard”), stellt der große Erfolg des ersten eigenen Projektes Gansch & Roses dar. 2001 gegründet, gelingt es dem Trompeter auf Anhieb die große Heerschar von Kritikern und Musikliebhabern gleichermaßen von seiner ungemein spritzigen, humorvollen, facettenreichen und vielschichtigen Version des Jazz zu begeistern. Welch Stellung und Ansehen Thomas Gansch inzwischen allerorts geniest, zeigen auch seine zahlreichen Kooperationen und Auftritte mit namhaften internationalen MusikerInnen, Bands und Orchestern wie etwa Dr. Kurt Ostbahn, dem Niederösterreichischen Tonkünstlerorchester, den Wiener Symphonikern, Patti Smith, Konstantin Wecker, Bob Brookmayer, der Alegre Correa Group, Nouvelle Cuisine und vielen, vielen mehr.
Der inzwischen mehrfach ausgezeichnete Niederösterreicher (u.a. erhält er 2002 den Hans Koller Jazz Preis als “Newcomer des Jahres”) präsentiert sich stets als ein Künstler, der seiner Zeit oftmals einen Schritt voraus ist. Er ist ein Instrumentalist, der sich vor allem an den Schnittstellen zwischen den einzelnen zeitgenössischen Musikgattungen beheimatet fühlt. Egal ob nun im Jazz, in der Improvisation, in der Klassik oder der Weltmusik, er zeigt sich überall in virtuoser Art und Weise mehr als nur sattelfest. Mit der Fähigkeit, das eigene Spiel und damit auch die Musik immer wieder neu zu erfinden, sie auf eine nächsthöhere kunstvolle Ebene zu heben, darf angenommen werden, dass man von diesem außergewöhnlichen Trompeter auch in Zukunft noch einiges zu hören bekommen wird. (mt)
Fotos Thomas Gansch: Julia Wesely
http://www.ganschandroses.at