Ein Körper, der sich über ein Tal biegt. Zwei Enden, ohne Ende. Dazwischen: Traum, Utopie, Möglichkeit. “Their Body Lay Bent Above the Valley” (VÖ 30.5.25 bei Numavi) ist ORANGE GONE aka MAX MRAK neuestes Album, das zwischen den Zeilen flüstert und der Welt ein Stück Freiheit zurückgibt. Im Gespräch mit Ania Gleich erzählt MRAK, wie Wut auch leise, Queerness uneindeutig und die große Frage nach Identität auch einfach ein Schwebezustand sein darf. Ein Album wie ein sanfter Riss in der Oberfläche – durch den Licht fällt, das sonst nirgendwo Raum findet.
Was würdest du sagen, waren für dich die größten musikalischen Meilensteine in den letzten drei Jahren?
Max Mrak: Es ist spannend, weil ich oft auf diese Standardfrage antworten muss: „Wie bist du zur Musik gekommen?“ Und dann erzähle ich die typische Geschichte. Aber bei der Frage ist das ein anderer Zugang, da kann ich anders darüber nachdenken. Ich muss kurz überlegen …
2022 ist ja ein Jahr, wo bei dir auch mit deiner Band Lavandine viel ins Rollen gekommen ist, oder?
Max Mrak: Ja, stimmt – 2022 war auf jeden Fall ein starker Wendepunkt. Ich kann mich schwer an die genaue Timeline erinnern, aber durch das auf der Bühne stehen hat sich auf jeden Fall viel verändert. Für mich selbst habe ich immer ganz leise gespielt – fast geflüstert. Und in einer Band musst du dich halt durchsetzen, gegen Schlagzeug und Bass.
Also bist du lauter geworden? Als Musiker, aber vielleicht auch als Person?
Max Mrak: Vielleicht, ja. Ich würde mich noch immer nicht als „laute Person“ bezeichnen, aber es macht schon was mit dir, wenn du ein paar Mal gezwungen bist, laut zu sein.
Hinweis: Mit dem Abspielen des Videos laden sich sämtliche Cookies von YouTube.
Vielleicht geht es mehr um die innere Lautstärke?
Max Mrak: Das stimmt. Lustig, dass du das gerade sagst, weil ich oft so Probleme habe, meine Gedanken in Worte zu fassen. Aber ich merke den Unterschied auch. Die Radiosendung zu Ostern mit O-Sounds für Radio Orange – da hab ich diesen Vergleich zu früher richtig gespürt, weil ich einfach viel mehr zu sagen hatte, als noch vor ein paar Jahren. Ich glaube, die Unterschiede sieht man vor allem, wenn man sich nicht so oft sieht – dann fällt so ein Wandel mehr auf. Für mich ist es eher ein fließender Prozess.
Ich finde es sehr wertvoll, Menschen im Leben zu haben, die einen nur ab und zu sehen – die spiegeln einem irgendwie Kapitelweise, wo man gerade steht.
Max Mrak: Voll, ja. Und ich glaube, der Vergleich mit früher ergibt sich auch, weil ich mich heute einfach mehr trauen muss. Wenn ich Konzerte spielen will und Musik mit Leuten machen möchte, dann muss ich mit ihnen kommunizieren. Früher habe ich weder Konzerte gespielt noch groß mit anderen Musik gemacht – das war selten. Und jetzt ist da ein starkes Bedürfnis, gemeinsam etwas zu machen.
Ich finde, das hört man auch auf dem Album. Im Vergleich zum letzten Projekt wirkt das viel kollaborativer.
Max Mrak: Ja, voll. Das letzte Album war das letzte, das ich so komplett alleine gemacht habe. Jetzt fehlt mir fast was, wenn keine andere Person dazukommt. Ich träume einfach auch von einer Szene, von einer Community, wo das regelmäßig passiert. Da habe ich zurzeit aber auch das Gefühl, dass etwas am Brodeln ist.
Was ist denn gerade am „Brodeln“?
Max Mrak: Ich glaube, ich habe da vor Kurzem ein sehr beflügelndes Gespräch gehabt – mit einer Person, mit der ich gerade am nächsten Album zusammenarbeite. Da hatte ich wirklich das Gefühl: Es gibt ein Bedürfnis nach regelmäßigem Austausch und Zusammenarbeit. Aber nicht im Sinne von „wir gründen jetzt eine Band“, sondern in einer offeneren, freieren Form. Ich musste an die Elephant 6 Recording Company denken. Kennst du die?
Nein, erzähl!
Max Mrak: Das war ein DIY-Collective in den USA. Da sind an die 50 Bands daraus entstanden, ganz viele mit sich überschneidenden Mitglieder:innen. Die haben alles selber aufgenommen, sich gegenseitig eingespielt, gemischt, produziert. Das war über viele Jahre hinweg so ein richtig fruchtbarer Boden. „Produktiv“ klingt zu leistungsorientiert, aber es war wirklich so ein Ort, wo Dinge einfach möglich wurden. Natürlich wird sowas nie genauso funktionieren wie bei denen. Aber allein, dass sowas existiert hat und existiert, zeigt: Es geht. Nur braucht es eben Initiative, Zeit und Ressourcen – sonst passiert das nicht. Ich glaube, wenn ich als Einzelperson mit anderen zusammenarbeite, ist das ein ganz anderer Vibe, als wenn ich Teil von etwas Kollektivem bin. In einer Bandstruktur kann das schnell mal sehr hierarchisch werden, als wenn alle gemeinsam an etwas arbeiten.
„ICH HABE MICH IN MEINER MUSIK IMMER SCHON MIT MEINEN GEFÜHLEN UND MEINER IDENTITÄT AUSEINANDERGESETZT”
Eigentlich waren wir ja bei künstlerischer Entwicklung, oder? Interessant, wie wir zum Community-Thema gestolpert sind.
Max Mrak: Ja, weil es ja auch stark miteinander zusammenhängt. Gerade, wie jetzt, liegen solche Synergien einfach in der Luft! Ich habe auch Vertrauen, dass sich da was entwickelt und das beeinflusst mich auch als Künstlerpersönlichkeit! Es fühlt sich ein bisschen an wie damals, als ich die Band gesucht habe – und sich dann alles gefügt hat.
Ich liebe dieses Gefühl – wenn sich die Dinge einfach fügen.
Max Mrak: Wir sind noch nicht ganz da, aber … Es fühlt sich so an.
Obwohl einem vorkommt, die Dinge passieren von alleine …
Max Mrak: … machst du sie ja eigentlich selber.
Gerade als queere Person ist es sehr wichtig, sich da nicht kleinzureden.
Max Mrak: Ja, sonst kippt das schnell in so eine demütige Haltung.
Dabei sollte es …
Max Mrak: … eher ein Gefühl von Stolz sein?
Meinetwegen auch Wut!
Max Mrak: Ja, absolut!

Ich hatte gerade gestern ein Gespräch über Wut als sehr transformative Kraf
Max Mrak: Ich habe leider nicht wirklich einen Zugang zu meiner Wut. Ich glaube, das kommt noch. Aber Wut ist auch sehr unterschiedlich.
Wir kriegen halt eine Art von Wut vorgelegt – diese sehr gewaltvolle, aggressive, die sehr männlich konnotiert ist. Ich glaube, dass Wut sehr viele Formen annehmen kann, aber dass sie eigentlich als Emotion eine sehr transformative Kraft hat.
Max Mrak: Ja, es muss sich irgendwas ändern.
Könnte es nicht sein, dass gerade in dem Aufbrechen von dem Binären, wie es dein Album suggeriert, auch eine gewisse Form von queerer Wut ist? Du sie aber einfach anders verpackst? Allein dein Albumtitel erzeugt ein sehr starkes Bild: “Their Body Lay Bent above the Valley”.
Max Mrak: So habe ich noch nie darüber nachgedacht! Dass der Titel aber ein starkes Bild auslöst, höre ich oft, das ist voll schön. Und es ist auch immer so ein Mouthful für Leute, wenn sie ihn aussprechen müssen.
Es muss ja nicht immer alles einfach sein.
Max Mrak: Ich glaube, ich habe mich schon immer in meiner Musik mit meiner Identität und mit meinen Gefühlen auseinandergesetzt. Das auf jeden Fall. Aber ich habe mir auch noch gar nicht so lange so explizit Gedanken über meine Gender-Identität gemacht – oder über meinen Platz als queere, nicht-binäre Person. Das ist erst kürzlich ins Rollen gekommen für mich. Und eigentlich ist das auch das erste Album, das seit dieser Selbstverortung entstanden ist – das erste, seit ich mich wirklich so sehe. Seitdem geht es in allen Dingen, in allen Liedern irgendwie – oder oft – um diese Themen. Ich versuche gerade zu überlegen … Ja, du hast Recht, das ist doch vielleicht so etwas, das man Wut nennen könnte.
Ja?
Max Mrak: Aber ich glaube, ich trenne das dann oft von mir. Dann ist es nicht meine Wut, sondern eher eine kosmische Wut. Etwa das letzte Lied: Das ist in der ersten Hälfte so stotternd, laut. Und irgendwie wütend. Aber es ist nicht direkt meine Wut, sondern vielleicht… vielleicht Wut oder Verzweiflung, abstrahiert – und dann verstärkt. Das ist schwer zu beschreiben. Ich sing keine wütenden Texte. Obwohl ich an einer Stelle schimpfe. Also, es ist schon Wut da.
Graben wir die Wut aus dem Album gemeinsam aus!
Max Mrak: Ja, ja. Das ist gut – das gefällt mir. Ich glaube, wie das Album sich anhört, ist auch einfach der Musik verschuldet, die ich gern höre und die ich gern mache. Dass es sanft ist und nicht so „in your face“.
Ich glaube, gerade jetzt sind wir in einer Zeit, in der alle nur noch ihre Meinung sagen wollen, anstatt die anderen zu hören. Vielleicht braucht man da deine Sanftheit als Gegengewicht.
Max Mrak: Es ist laut, ja. Das ist irgendwie das Themenwort heute!
Und genau deshalb finde ich deinen künstlerischen Ausdruck so spannend.
Max Mrak: Wegen?
„AM ANFANG UND AM ENDE DES ALBUMS SCHWEBT DIESER KÖRPER”
Weil er für mich auf eine nicht-laute Art laut ist! Nicht-wütend und doch wütend.
Max Mrak: Das ist sehr schön formuliert. Gleichzeitig finde ich schon, dass es auch wichtig ist, zu wissen, wann es sinnvoll ist, seine Meinung zu sagen. Manchmal hilft das ja auch dabei, sie überhaupt erst zu formen. Wenn man merkt, wie sie sich anhört.
Und ich glaube, genau deshalb braucht es so etwas Verletzliches wie dein Album. Weil Queerness nicht immer laut sein muss.
Max Mrak: Voll. Das war auch ein Gedanke, der beim Schreiben wichtig war. Ich glaube, Pride als Emotion passiert auf der nächsten EP von mir. Dieses Album ist noch viel fragender. Ich kann da noch gar nicht richtig proud sein, weil ich so unsicher und suchend bin.
Die Schönheit in der Unsicherheit zu finden, nicht landen zu müssen, sondern im Unentschiedensein auch mal verweilen zu dürfen.
Max Mrak: Das trifft es gut.
Ich wollte mit dir sowieso über dieses Schweben im “Ungewissen” sprechen. Du thematisierst das ja in den Texten und der Titel des Albums deutet es auch an. Ich habe diesen Körper darin immer wie eine Brücke gesehen, der sich über ein Tal legt.
Max Mrak: Stimmt! Für mich schwebt er, aber wenn er für dich liegt, ist das auch schön. Wenn man den Titel wörtlich nimmt, ist es ein Körper, der liegt.
Ist beides schön, irgendwie. Als Brücke zwischen zwei Enden oder als losgelöstes Wesen, das sagt: Ich existiere außerhalb dieser Normen.
Max Mrak: Und dann fragt man sich: Gibt es diese Enden überhaupt? Gibt es einen Ort, an dem man wirklich landet? Oder ist man einfach immer im Schweben, im Hin- und Hergerissen-Sein? Vielleicht ist das eine unbeantwortbare Frage. Aber für mich persönlich ist genau das gerade der Ort, an dem ich bin.
Schwebezustand ist oft negativ konnotiert. Das unterschreibe ich nicht! Vielleicht ist Schweben ja sogar genau der Zustand, in dem man nicht mehr hin- und hergerissen ist.
Max Mrak: Aber ich glaube, das eine ist der Idealzustand des anderen. Am Anfang und am Ende des Albums schwebt dieser Körper – aber der Blick darauf verändert sich. Zuerst ist es eine Unruhe, ein Unbehagen, am Ende mehr Akzeptanz für das Ungewisse.
Hinweis: Mit dem Abspielen des Videos laden sich sämtliche Cookies von YouTube.
Das kann einen manchmal auch entmutigen, weil man sich an nichts mehr festhalten kann.
Max Mrak: Ja, aber ich finde es gut, sich das hin und wieder bewusst zu machen. Natürlich ist es bequemer, an klaren Entitäten festzuhalten – auch wenn sie konstruiert sind.
Eigentlich kann man die Diskussion um selbstgewählte Namen auch hier reinnehmen. Statt der Frage, warum es den neue Namen braucht, das ganze umzudrehen und zu fragen: Wieso wollen alle immer so konkret benennen?
Max Mrak: Ich finde, neue Namen anzunehmen, sollte normaler sein. Nenn dich, wie du willst! Ich frage mich dann immer: Was kommt zuerst? Dass man mit einer Person einen Namen assoziiert – oder dass man den Namen zuerst hört und die Person dann damit kennenlernt?
Ich heiße ja eigentlich Maximilian – da gäbe es viele Namen, die ich daraus nehmen könnte.
Hast du dir da schon mal Gedanken gemacht?
Max Mrak: Ja, total. Ich hab noch nichts, worauf ich mich festlegen würde. Ich müsste es halt ausprobieren.
Max ist halt ein sehr männlich gelesener Name – zumindest im Deutschen.
Max Mrak: Ja, voll. Aber es fühlt sich auch spannend an, mit dem Namen zu spielen. Wenn ich mich Mili nennen würde – das steckt ja auch in Maximilian – dann fühlt sich das direkt ganz anders an. Und ich glaube, ich wäre dann auch ein anderer Mensch.
Das finde ich voll nachvollziehbar. Das befeuert sich irgendwie gegenseitig.
Max Mrak: Ich spreche da natürlich nur für mich – aber ich frage mich schon oft: Wie viel Präsentation braucht Identität? Also wenn ich meinen Namen ändere, meine Geschlechtsidentität ändere – aber mein Aussehen gleich bleibt, also ich z. B. Bart trage – fühlt sich das dann für mich fremd an? Nicht, dass Menschen, die nicht cis-männlich sind, keinen Bart tragen dürfen – es geht nur um mein Gefühl.
Ich weiß, was du meinst. Es geht dir um diesen performativen Aspekt von Gender – wie nicht-binär schaut man aus?
Max Mrak: Genau. Oder wie nicht-binär nimmt man sich selbst wahr?
Mir kommt manchmal sogar vor, es ist mir wichtiger, queer gelesen zu werden, als spezifisch als eine bestimmte queere Identität.
Max Mrak: Voll. Aber spannend, dass du das sagst – das will ich für mich irgendwie auch.
„ES FREUT MICH EHER, ETWAS ZU HÖREN, ALS ZU WISSEN, DASS ES EXISTIERT UND ICH ES NIE HÖREN DARF”
Du hast ja auch Features mit Thea Beck aka Jeanne D’Arte gemacht. Magst du darüber noch ein bisschen reden? Auch über die Videos, wie die entstanden sind?
Max Mrak: Oh, die Videos waren sehr schnell. Das eine haben wir wirklich am Tag vor der Presse-Deadline gemacht. Ich hatte diesen Tanz schon aufgenommen. Und mit Thea wollte ich einfach unbedingt gemeinsam Musik machen. Ich wusste, dass auf dem Album an bestimmten Stellen Platz ist für Wörter – ich glaube, ich habe nicht viel mehr gesagt. Und sie hat dann zwei Spoken-Word-Passagen beigesteuert – auf dem zweiten und dem vorletzten Lied. Die hat sie selbst geschrieben, und sie hat voll gespürt, worum es mir geht. Je länger ich damit sitze, desto mehr habe ich das Gefühl: Das passt perfekt.
Ihr stellt ja auch auf eure Art zwei Pole da?
Max Mrak: Ja, genau. Auf “My Body Bent” – da hört man irgendwie unsere beiden Stimmen so miteinander spielen. Dieses “männliche” und “weibliche” – und wie sie sich begegnen. Das vorletzte Lied ist für mich das wütendste, und sie bringt am Ende diesen Text … Ich sehe mich da selbst als dritte Figur: wie ich als Kind im Kleid durchs Gras laufe – zu einem Fliederbaum.
Und Lilac liegt ja in der Mitte zwischen Blau und Rosa.
Max Mrak: Vielleicht hat sie das auch so gemeint. Würde Sinn machen. Ich habe nie darüber nachgedacht – aber schön, dass du das so liest als die schwebende Farbe zwischen den binären Polen.
Und das Video?
Max Mrak: Das war spontan. Ich habe Thea gefragt, und sie hat gleich Andreas Mitterberger angerufen. Den kennt sie vom ersten Video. Dann waren wir acht Stunden im Kellerstudio, haben mit Licht, Prismen, Glaskugeln gearbeitet – ganz verschwommener Fokus, viel Hände, viel Spielerei.
Auf dem noch ungelisteten Video hat einer geschrieben: „Was brauchst du für Drogen?“
Max Mrak: Ja, haha! Das habe ich heute auch gelesen. Voll weird.
Aber das ist eine gute Abschlussfrage, Max: Was brauchst du für Drogen?
Max Mrak: Boah. Wenn ich das wüsste. Hahaha. Aber irgendwie fühle ich mich auch geehrt. Wenn man schon groß genug ist, um Hater zu haben. Das ist hilarious. Obwohl ich mein, es war nicht mal hateful – einfach nur strange.
Hinweis: Mit dem Abspielen des Videos laden sich sämtliche Cookies von YouTube.
Und du meintest ja vorhin, dass du schon an der nächsten EP arbeitest. Du rastest nie!
Max Mrak: Ich habe einfach durchgehend Musik gemacht. Das Album wäre wahrscheinlich schon vor einem Jahr rausgekommen, wenn ich es nicht mit dem Label so abgesprochen hätte. Aber ich habe einfach weitergemacht. Für mich ist das Album jetzt schon alt.
Und die EP ist fast fertig?
Max Mrak: Ja, pretty much. Ich hoffe, die kommt bald danach. Und das nächste Album kommt dann hoffentlich im Winter – ist ein richtig winteriges Album. Und danach wieder ein sommeriges. Da hab ich auch schon acht Songs.
Warte… du hast eine EP und zwei Alben fertig?
Max Mrak: Jep.
Du weißt schon, dass andere Menschen so alle zwei Jahre ein Album machen?
Max Mrak: Ja. Aber wenn ich so lange warte, dann kommt mein zweites Album wieder erst, wenn ich schon 26 bin. Und ich kann nicht so lange warten.
Wie stehst du zu dem Gedanken, dass zu viel Output Leute übersättigen könnte?
Max Mrak: Ich mache viele Sprachmemos, die nirgendwo hinführen – das sind die Niemands. Unbetitelt, namenlos. Wenn ich was für ein Album mache, ist es für mich schon eher konkret. Kürzen ist wichtig. Beim Album sind vielleicht drei Lieder rausgeflogen. Die EP war mal ein 14-Track-Album – jetzt hat sie sechs Lieder.
Man könnte meinen: Du bist zu unkritisch mit dir selbst. Release everything?
Max Mrak: Haha. Nein, aber ich versteh, was du meinst. Ich finde es aber auch okay, wenn man das anders sieht. Für mich heißt es eher: Warum sollte ich mich selbst zensieren? Ich glaube, das, was mir immer mehr bewusst wird, ist, dass es eher auch wichtig ist, zu schauen, wie der Inhalt rüberkommt und wie ich es am besten verpacke, damit das, was ich sagen will, oder den Eindruck, den ich vermitteln will, oder das Gefühl auch wirklich ankommt. Und vielleicht passt ein Lied nicht oder ist ein Lied zu viel, das nicht ganz genau das sagt, was ich sagen will in dem Paket. Ich glaube, ich arbeite nicht so – weil man hört ja wirklich von Artists, dass dann ein Album 100 Lieder hatte und sie es dann auf neun Lieder gekürzt haben, oder so. Ich glaube, da ist der Fan in mir doch so: Es freut mich eher, etwas zu hören, als zu wissen, dass es existiert und ich es nie hören darf.
Ich finde das total nachvollziehbar.
Max Mrak: Das war jetzt auch ein guter Bogen zur Entwicklung vom Anfang eigentlich.
Ja, hast du schön eingesponnen. Smooth. Habe ich irgendwas vergessen?
Max Mrak: Nein! Mich freut es total, dass dieses Interview so einen bestimmten Aspekt betont – dieses Leise, Queerness, ohne alles abdecken zu wollen.
Dann danke ich dir!
Max Mrak: Ich danke dir.
+++
Ania Gleich
+++
Links:
Orange Gone (Instagram)
Orange Gone (Bandcamp)
Orange Gone (Youtube)
Numavi (Bandcamp)
Numavi (Youtube)
Numavi (Instagram)
