Mit ihren bislang veröffentlichten Singles zeigt ISTZUSTAND eindrucksvoll, wie eingängiger Deutsch-Pop und Rock mit musikalischer Substanz zusammenfinden können. Marion und Mario verbinden markante Melodien, kraftvolle Arrangements und persönliche Texte zu Songs, die unmittelbar wirken, ohne an Tiefgang einzubüßen. Zwischen Eingängigkeit und Authentizität entwickelt das Duo eine eigenständige Handschrift. Im Interview mit Michael Ternai sprechen die beiden über ihre musikalische Vielfalt, das Persönliche in ihren Liedern und die Überlegung, Kärnten zugunsten Wiens zu verlassen.
Ich habe mir noch einmal alle Songs angehört, die ihr bisher veröffentlicht habt. Was mir dabei aufgefallen ist: Es ist zwar alles Popmusik im weitesten Sinn, aber die einzelnen Lieder unterscheiden sich trotzdem sehr stark voneinander. „Souvenir“ ist für mich eine klassische Sommernummer. Dann gibt es „Endstation“, das geht eher in Richtung großer Stadionrock. „Schwerelos“ wiederum ist eine Popnummer im weitesten Sinn. Ihr legt den Begriff Pop beziehungsweise Rock also schon ziemlich breit aus.
Mario: Das hat sich so ein bisschen entwickelt, würde ich sagen. Wir orientieren uns schon sehr am Sound der 2000er-Jahre, also an Bands wie Silbermond oder Wir sind Helden. Diesen Sound mögen wir einfach, und wir versuchen, ihn in ein neues Gewand zu stecken und zu modernisieren. Wir wollen ihn wieder ein bisschen aufleben lassen. Dazu bekommen wir auch viel Feedback – viele sagen, dass es sehr ähnlich klingt, nur eben zeitgemäßer.
Wie hat es mit euch eigentlich begonnen?
Marion: Die Geschichte ist die, dass wir beide schon eine relativ lange musikalische Vergangenheit haben. Ich war früher in einer Punkband, Mario in einer Metalband. Irgendwann haben sich beide Bands aufgelöst, und wir waren dann mehr oder weniger auf der Suche nach etwas Neuem. Was das genau sein sollte, wussten wir damals noch nicht.
Dann sind wir auf eine Unterhaltungsband gestoßen, die unser ehemaliger Keyboarder gegründet hatte. Wir haben gesagt: Okay, wir steigen ein und machen Unterhaltungsmusik. Innerhalb dieser Band sind aber auch viele eigene Songs entstanden beziehungsweise wir haben eigene Lieder mitgebracht. Irgendwann haben wir gemerkt, dass wir diese Stücke von dem Projekt trennen möchten. Denn wenn die Leute die Songs nicht kennen, ist es schwierig, sie im Rahmen einer Unterhaltungsband zu spielen. Deshalb haben wir beschlossen, das aufzuteilen. Und seit mittlerweile über einem Jahr sind wir mit ISTZUSTAND unterwegs.
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Metal und Punk sind ja schon ziemlich weit von dem entfernt, was ihr heute macht. Wie ist es dazu gekommen, dass ihr euch schließlich bei der Popmusik wiedergefunden habt?
Mario: Bei mir war es so, dass ich damals in einer Metalband gespielt habe. Dann bin ich nach Wien gezogen und musste die Band verlassen. Danach bin ich musikalisch wieder ein bisschen zum Punkrock zurückgekehrt und schließlich beim Rock gelandet. Als wir uns kennengelernt haben und begonnen haben, gemeinsam Songs zu schreiben, hat sich diese Richtung ganz natürlich herauskristallisiert.
Wir stehen zu hundert Prozent hinter der Musik, die wir heute machen. Das hat sich einfach organisch entwickelt. Ich finde außerdem, dass man musikalisch nicht zu sehr in Genres denken sollte. Man muss offen für Neues bleiben. Wenn sich etwas gut anfühlt und man dabei etwas spürt, dann ist das der richtige Weg. Das ist im Grunde unser Ansatz.
Was man bei euch schon heraushört, ist, dass ihr eure Musik durchaus auch auf Radiotauglichkeit ausrichtet. Gleichzeitig merkt man aber, dass da noch eine andere Ebene ist. Ihr könnt Songs schreiben, ihr beherrscht eure Instrumente und vor allem wirkt das Ganze sehr authentisch. Das zeigt sich besonders in euren Texten.

Marion: Ja, auf jeden Fall. Wir versuchen immer, authentisch zu sein und uns nicht zu verstellen. Wenn ich mich persönlich verstellen müsste, würde ich das nicht machen. Wobei man dazusagen muss, dass die Texte der ersten beiden Lieder nicht von uns stammen. Die der letzten beiden – „Endstation“ und „Souvenir“ – hingegen schon. Und ich glaube, dass man bei diesen auf jeden Fall unsere Handschrift und unsere Persönlichkeit erkennen kann. In „Souvenir“ geht es um Reiselust – das bin komplett ich. „Endstation“ behandelt dieses Gefühl, nicht zu wissen, wohin man eigentlich will. Das betrifft uns beide.
Mario: Das kann ich nur unterschreiben. Authentizität ist uns auf alle Fälle ganz wichtig. Wir verstellen uns nicht und stehen voll hinter unserer Musik.
Und natürlich ist es auch ein Ziel, im Radio gespielt zu werden – einfach, damit wir eine größere Reichweite bekommen und unsere Musik möglichst vielen Menschen zugänglich machen können. Deshalb achten wir bei der Produktion schon darauf, dass manche Ecken und Kanten etwas abgeschliffen werden, damit die Songs überhaupt radiotauglich sind. Genau deshalb arbeiten wir auch mit guten Produzenten zusammen. Wir haben nämlich auch schon Erfahrungen mit weniger guten Produzenten gemacht. Dann bekommt man zwar eine Anfrage vom Radio, kann aber nichts anbieten, weil die Qualität der Aufnahme einfach nicht passt. Uns war deshalb wichtig, dass am Ende alles stimmig ist.
Marion: Es ist schon wichtig zu sagen, dass wir unsere Lieder nicht gezielt fürs Radio schreiben. Aber wenn wir einen Song haben, der das Potenzial hat, im Radio gespielt zu werden, und es nur darum geht, ein paar Ecken und Kanten abzuschleifen, dann machen wir das natürlich. Wenn es allerdings heißt, wir müssten einen Song komplett umkrempeln, damit er dem Radio gefällt, uns selbst aber nicht mehr, dann machen wir das nicht.
Wenn ihr euch hinsetzt und einen Song schreibt: Wie läuft dieser Prozess bei euch ab? Entsteht alles gemeinsam oder bringt einer von euch die Musik und der andere den Text mit? Wie kann man sich euer Songwriting vorstellen?
Mario: Das ist ganz unterschiedlich. Meistens ist es aber so, dass einer von uns mit einer Idee zur Probe kommt und sagt: „Schau, das ist meine Idee.“ Dann arbeiten wir gemeinsam daran weiter. Oft steht der Text schon zur Hälfte oder es gibt bereits die erste Strophe oder den Refrain. Von dort aus entwickeln wir den Song gemeinsam weiter und versuchen, ihn in unserem Stil fertigzustellen.
Seid ihr dabei eher perfektionistisch?
Mario: Meistens gehe ich erst mit einer Idee zu Marion, wenn ich selbst das Gefühl habe, dass sie schon Hand und Fuß hat. Andererseits kann es auch passieren, dass ich einen Song in einer Nacht schreibe. Bei „Licht“ war das zum Beispiel so – der war in zwei Stunden fertig. Und manchmal dauert es eben Wochen. Dann hat man eine Idee, die einem lange im Kopf herumschwirrt, bevor man sie umsetzt. Pauschal kann man eigentlich gar nicht sagen, wie ein Song entsteht. Der Prozess ist aber meistens derselbe: Irgendwann setzen wir uns zusammen und arbeiten den Song gemeinsam fertig aus.
Wie sieht das eigentlich ganz generell mit der Liveumsetzung aus? Ihr seid zu zweit, aber eure Musik findet ja auch im Bandkontext statt. Ich nehme an, ihr vertraut dabei auf Mitmusiker?
Marion: Da kann ich ein bisschen ausholen. Kärnten ist ein schwieriges Pflaster, wenn es darum geht, wirklich motivierte Musikerinnen und Musiker zu finden. Deshalb haben wir immer wieder Personalwechsel. Grundsätzlich funktioniert unser Konzept auch zu zweit, also dass wir als Duo auftreten. Natürlich gibt es aber größere Konzerte, bei denen es einfach toll wäre, wenn zum Beispiel ein Schlagzeuger dabei wäre. Deshalb haben wir versucht, eine Band zusammenzustellen, sodass uns bei Bedarf ein Bassist und ein Schlagzeuger unterstützen. Wir suchen uns Leute aus, von denen wir glauben, dass sie perfekt zu uns passen. Wenn wir uns dann allerdings vornehmen, im Jahr 50 Konzerte zu spielen, wird es schwierig, weil nicht alle dieses Pensum mitgehen können oder wollen. Wir kämpfen daher ständig mit der Besetzung. Aus diesem Grund überlegen wir auch, nach Wien zu ziehen. Dort ist die Auswahl an Musikerinnen und Musikern einfach deutlich größer. Ich denke, dort findet man eher Leute, die sowohl in der Lage als auch bereit sind, so viele Konzerte zu spielen. Das ist im Moment unsere größte Herausforderung.
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Mario: Man muss sagen, wir sind noch in einem Stadium, in dem wir nicht so viel verdienen und deshalb auch noch keine hohen Gagen verlangen können. Entsprechend können wir unsere Mitmusiker noch nicht so bezahlen, wie wir das gerne würden. Deshalb spielen wir viele Konzerte einfach zu zweit, weil wir natürlich auch schauen müssen, dass sich Dinge wie der Sprit oder eine Unterkunft ausgehen. Das ist momentan eine unserer größten Baustellen.
Ihr habt bisher vier Songs veröffentlicht. Wie sieht es mit der Idee aus, irgendwann auch ein Album herauszubringen? Ich nehme an, das ist schon ein Ziel von euch.
Marion: Das kommt immer darauf an, mit wem man produziert. Es gibt ja die unterschiedlichsten Produzenten. Wir hatten das Glück, zunächst mit einem sehr guten Produzenten in Salzburg zu arbeiten, und haben jetzt einen zweiten gefunden, der das zwar noch nicht so lange macht, aber wirklich unglaublich gut ist. Ich kann mir daher sehr gut vorstellen, ein Album zu machen. Es ist auf jeden Fall eines unserer Ziele.
Mario: Die Grundidee ist schon, auf ein Album hinzuarbeiten. Davor wollen wir allerdings noch mehrere Singles veröffentlichen. Der Plan ist, zuerst sieben oder acht Songs als Singles zu releasen und diese anschließend mit zwei oder drei neuen Nummern zu einem Album zu ergänzen. Das ist heute einfach der übliche Weg. Ob sich jemand ein komplettes Album anhört, wenn er keinen einzigen Song daraus kennt, ist eher fraglich. Gerade als Newcomer ist es, glaube ich, sinnvoller, mit Singles zu arbeiten, diese gezielt zu promoten und Schritt für Schritt eine größere Reichweite aufzubauen.
Herzlichen Dank für das Interview.
Michale Ternai
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