Eine Band, die man gerne hat, für ein Konzert zu sich nach Hause holen. Oder als eine Band die Möglichkeit finden, privat irgendwo zu spielen. Die in Deutschland gegründete und seit zwei Jahren bestehende Plattform SOFACONCERTS versucht, beides möglich zu machen. Und das auf möglichst unbürokratischem Weg. Die Gründerin MIRIAM SCHÜTT und die Österreich-Managerin DANIELA MITTERHAUSER über die Idee, die hinter der Plattform steckt, ihre Zielgruppen und über die Entwicklung in der letzten Zeit.
Welches Konzept steckt hinter SofaConcerts? Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Miriam Schütt: Marie-Lene [Armingeon; Anm.], meine Mitgründerin, und ich kennen uns schon seit der Schulzeit und haben auch gemeinsam das Musikabitur gemacht. Das Thema Musik hat uns schon immer verbunden. Wir waren öfter auf Konzerten, Festivals und auch Wohnzimmerkonzerten.

Nach einem Wohnzimmerkonzert in Heidelberg waren wir total begeistert, sowohl von der besonderen Atmosphäre als auch von der internationalen Band. Wir haben uns gewundert, warum sie längst noch nicht in den Charts ist, weil sie einfach unglaublich gut war und die Menge mitgerissen hat.
Die Atmosphäre war besonders und wir hatten so einen tollen Abend, dass wir uns gefragt haben, warum so etwas nicht öfter stattfindet. Schnell waren wir uns einig, dass es eine Möglichkeit geben muss, diese Sofakonzerte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Und so war SofaConcerts geboren. Heute sind wir eine Plattform mit Gastgeberinnen und Gastgebern sowie Künstlerinnen und Künstlern aus 16 Ländern.
Daniela Mitterhauser: SofaConcerts ist eigentlich ganz einfach erklärt. Wir schaffen Bühnen dort, wo vorher keine waren! Wie macht man das? Indem man professionelle Musikerinnen und Musiker aus der ganzen Welt ganz einfach mit Musikliebhaberinnen und Musikliebhabern zusammenbringt. Dafür erstellt jede Künstlerin bzw. jeder Künstler ein eigenes Profil, auf welchem sie bzw. er beschreibt, welche Musik sie bzw. er macht, und natürlich auch Hörbeispiele und Videos hochlädt. Wenn beispielsweise einem Gastgeber ein Künstler gefällt, kann er dem Künstler einfach eine Nachricht schreiben und schon mal die ersten Dinge klären: Wann und wo soll das Konzert stattfinden? Was ist der Anlass? Wie hoch ist die Gage? Und wenn sich die beiden dann einig sind, steht einem tollen Konzert nichts mehr im Wege.
Seit wann gibt es SofaConcerts?
Miriam Schütt: SofaConcerts gibt es mittlerweile seit über zwei Jahren.
Wie funktioniert SofaConcerts? Wie kann man mitmachen?
Daniela Mitterhauser: Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, um bei SofaConcerts dabei zu sein. Einerseits als Gastgeberin bzw. Gastgeber und andererseits als Künstlerin bzw. Künstler. Beide Seiten legen ein Profil an. Als Gastgeberin bzw. Gastgeber gibt man die musikalischen Interessen und den Wohnort an und schreibt ein paar Worte dazu, welche Musik man gerne hat. Als Künstlerin bzw. Künstler präsentiert man die eigene Musik mit Hörbeispielen und schreibt natürlich, in welcher Stadt man sich befindet.
Jede bzw. jeder kann die andere bzw. den anderen anschreiben. Und das ist auch das Besondere bei SofaConcerts. Das bedeutet, wenn Bands Lust haben, zwischen ihren Tourdaten ein gemütliches Sofakonzert einzuschieben, können sie Gastgeberinnen und Gastgeber in der Nähe der Gigs suchen und anfragen. Genauso können Gastgeberinnen und Gastgeber, die ihren Freundinnen, Freunden und Bekannten einen schönen Abend bieten möchten, Künstlerinnen und Künstler für ein Konzert in ihrem Wohnzimmer anfragen. Die Gagen machen die beiden Seiten dann über das System aus. Die Kunstschaffenden können so auch direkt gebucht werden.

SofaConcerts läuft also sowohl host- als auch musikerseitig?
Miriam Schütt: Ja genau, das ist genau das Besondere. Wir haben unglaublich tolle Bands: vom typischen Singer-Songwriter, wie zum Beispiel Matteo Capreoli aus dem Samy-Deluxe-Kollektiv, über Jan Plewka von der deutschen Rockband Selig bis hin zu Indie-Bands und tollen Folk- und Pop-Bands aus Neuseeland. Viele nutzen die Plattform, um besondere Gigs zu spielen. Denn auch bei unseren Gastgeberinnen und Gastgebern zeigt sich diese Vielfalt: vom klassischen Wohnzimmer über eine Olivenplantage in Griechenland bis hin zu Studentenbuden ist alles dabei – selbst kleine Schlösser in Frankreich. Jeder Ort ist eine Bühne, daher sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.
Wer kommt für welche Kosten wie Reisekosten und Verpflegung auf?
Daniela Mitterhauser: Die Verhandlung läuft direkt zwischen der Gastgeberin bzw. dem Gastgeber und der Band ab. Häufig bereiten die Gastgeberinnen und Gastgeber auch ein Essen vor oder übernehmen zusätzlich zur Gage die Reisekosten. Aber das ist wie bei jedem anderen Gig auch eine individuelle Absprache. Es kommt sogar häufig vor, dass die Bands auf Tour dann auch die Möglichkeit bekommen, bei den Gastgebern zu übernachten und so dann von dort direkt zum nächsten Gig fahren.
„Tatsächlich kommt ein Großteil unserer Künstlerinnen und Künstler nicht aus Deutschland.“
Ist SofaConcerts auch ein Service für Bands, die nicht aus dem deutschsprachigen Raum kommen?
Daniela Mitterhauser: Das Gute an SofaConcerts ist, dass es keine geografischen Grenzen hat. Da wir Gastgeberinnen und Gastgeber auf der ganzen Welt haben, ist SofaConcerts nicht nur für Bands aus dem deutschsprachigen Raum spannend, sondern für alle Musiker und Musikerinnen, die Lust auf ein einzigartiges Erlebnis mit neuen Leuten in gemütlicher Atmosphäre haben. Tatsächlich kommt ein Großteil unserer Künstlerinnen und Künstler nicht aus Deutschland.
Ist es möglich, in allen Städten bzw. Regionen solche Konzerte zu veranstalten? Wo macht es Sinn, wo weniger?
Miriam Schütt: Erfahrungsgemäß können wir sagen, dass es wirklich überall möglich ist, ein Sofakonzert zu veranstalten. Egal ob in einer Riesenscheune in einem kleinen Dorf oder in einem gemütlichen Wohnzimmer in der Großstadt. Gerade wenn Bands auf Tour sind und von einer großen Stadt zur nächsten fahren, können sie halt in kleineren Orten machen, wo sonst nicht so viel kulturelles Angebot ist, und auch dort ein Konzert spielen.
„Unser Fokus liegt auf der Independent-Musikszene.“
Gibt es irgendwelche Voraussetzungen bzw. Einschränkungen oder kann wirklich jede Band diesen Service in Anspruch nehmen?
Daniela Mitterhauser: In erster Linie richtet sich SofaConcerts an Musikerinnen und Musiker, die ihre eigene Musik verbreiten wollen. Unser Fokus liegt auf der Independent-Musikszene. Egal ob große oder kleine Band, das Ziel muss auf jeden Fall sein, reduzieren zu können. Wir haben viele Bands, die spielen große Festivals plugged und sind generell lauter, im Wohnzimmer spielen sie dann eben unplugged und statt einem Schlagzeug gibt es eine Cajón. Diese Flexibilität ist gerade das Besondere daran.
Wie entwickelt sich SofaConcerts? Finden mehr und mehr Konzerte statt?
Miriam Schütt: Ja, SofaConcerts wächst und wächst. Das ist wirklich unglaublich genial zu sehen. Wir sind in Deutschland gestartet, aber nach kürzester Zeit haben sich Gastgeberinnen und Gastgeber sowie Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt angemeldet. Da es eine derartige Plattform noch nicht gab und viele gerade dieses besondere Format schätzen, steigt auch die Zahl der Konzerte immer weiter an. Wir haben SofaConcerts aus einer Leidenschaft heraus gegründet und ich glaube, das merkt man auch. Immer mehr stellen ihre Wohnung als Bühne zur Verfügung oder verschenken Sofakonzerte an Freundinnen und Freunde. Denn es gibt nichts Schöneres und Emotionaleres als die Musik. Das ist uns auch bei unseren Aktionen wichtig: Gerade mit diesem Video haben wir total viel Rückmeldung und neue Anmeldungen bekommen.
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Wie sind die bisherigen Erfahrungen?
Miriam Schütt: Durchwegs positiv. Das Feedback der Gastgeberinnen und Gastgeber und auch der Musikerinnen und Musiker spornt uns total an. Nach jedem Konzert bewertet die Gastgeberin bzw. der Gastgeber die Band und auch andersherum. So sehen auch wir, welche Bands besonders gut ankommen – wer ein Sofakonzert erlebt, merkt, dass es ist etwas Besonderes ist, und das spiegelt sich auch im Feedback wider. Hier steht die Musik im Vordergrund und Musik kann einfach Leute bewegen.
